Chen Feng, Gründer und Vorsitzender der HNA-Group

Deutsche-Bank-Großaktionär HNA in schwerem Fahrwasser

Stand: 19.01.2018, 10:34 Uhr

Der mit knapp zehn Prozent an der Deutschen Bank beteiligte chinesische Luftfahrt- und Touristikkonzern HNA hat erstmals einen Finanzengpass eingeräumt. Jetzt droht dem Unternehmen auch noch Ärger in den USA.

Die US-Regierung hat HNA zu mehr Transparenz aufgefordert. Solange die Asiaten nicht Informationen über ihre Aktionäre vorlegten, werde Washington keine Investitionen des Konzerns genehmigen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Woher Konzernchef Chen Feng die vielen Milliarden Dollar genommen hat, um sich weltweit in verschiedenste Firmen und Branchen einzukaufen, bleibt tatsächlich bis heute unklar.

HNA Group-Logo auf einem Monitor durch eine Lupe gesehen

HNA Group. | Bildquelle: picture alliance / Wang Zhaofeng/Imaginechina/dpa

Sollten die US-Behörden eingreifen, wären die Investments der HNA beim US-Hedgefonds SkyBridge Capital LLC und dem in der Schweiz ansässigen Rohstoffhändler Glencore in Gefahr. Beide Deals werden derzeit von US-Behörden geprüft. Am Donnerstag wurde zudem der Handel mit Aktien der HNA-Tochter Bohai Capital eingestellt. Dabei verwies das Unternehmen auf wichtige Neuigkeiten, die die Muttergesellschaft demnächst verkünden werde.

Riesiger Schuldenberg

Nach Berechnungen von Bloomberg haben sich die Zinskosten von HNA im ersten Halbjahr auf umgerechnet zwei Milliarden Euro verdoppelt. Die Schulden des Konzerns stiegen auf 23,8 Milliarden Euro. HNA zeigt sich aber zuversichtlich, seinen Finanzengpass zu bewältigen. Firmenchef Chen sagte Reuters, er sei überzeugt, dass das Unternehmen weiterhin die Unterstützung der Banken und anderer Finanzinstitute haben werde.

Das Liquiditätsproblem sei entstanden, weil das Unternehmen eine große Zahl von Fusionen zu bewältigen gehabt habe. Das Marktumfeld sei schwieriger geworden. "Zinserhöhungen der Fed und eine rigidere Kreditpolitik in China haben zum Jahresende bei vielen chinesischen Unternehmen zu Liquiditätsengpässen geführt", sagte Chen.

Im Visier der Behörden

HNA ist wegen seiner undurchsichtigen Eigentümerstruktur und Liquiditätsproblemen ins Visier der Behörden mehrerer Länder geraten. So haben die Chinesen laut der Schweizer Finanzaufsicht beim Kauf der Flug-Cateringfirma Gategroup teilweise falsche und unvollständige Angaben gemacht. Neuseeland hatte im Dezember den Kauf einer Tochter der Großbank Australia and New Zealand Banking Group (ANZ) blockiert.

Zudem hatten mehrere Töchter des Mischkonzerns Zahlungen versäumt. Vier Banken hätten keine für das vergangene Jahr fälligen Kapital- oder Zinszahlungen erhalten, meldete Bloomberg. Die China Citic Bank hatte erklärt, eine HNA-Tochter habe Schwierigkeiten mit der Rückzahlung einiger kurzfristiger Wechsel. Banken zeigten sich wegen der Liquiditätsprobleme besorgt, die Rückzahlung von Krediten durch HNA verzögerte sich

Dinge im Fluss

Allerdings seien die Dinge im steten Fluss, hieß es nun. Untermauert werde dies etwa dadurch, dass eine Bank einige Kreditlinien bereits wieder geöffnet habe, nachdem HNA-Töchter zusätzliche Sicherheiten hinterlegt hätten. Im vergangenen Monat habe zudem die China Development Bank HNA eine Kreditlinie von umgerechnet 771 Millionen Dollar gewährt.

lg