HNA-Zentrale

Deutsche-Bank-Aktionär muss Kasse machen HNA braucht dringend Geld

Stand: 08.01.2019, 15:00 Uhr

Der chinesische Mischkonzern, auch Anteilseigner der Deutschen Bank, gerät offenbar in immer größere Schieflage. Nach einem Medienbericht kommen alle Beteiligungen außerhalb des Kerngeschäfts unter den Hammer.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters steht es bei dem Konzern inzwischen "Spitz auf Knopf": An diesem Dienstag habe es ein Treffen der Unternehmensführung mit Bankern gegeben, um erste Verkaufspreise für das umfangreiche Beteiligungs-Portfolio zu ermitteln.

Die Liste wurde Bankern am Dienstag bei einem Treffen in einem Pekinger Hotel präsentiert. Sie konnten darauf ankreuzen, für welche Vermögenswerte sie sich interessieren - eine sehr ungewöhnliche Vorgehensweise. Das Dokument, das Reuters von einer beteiligten Person erhielt, listete den Wert der zum Verkauf stehenden Teile nicht auf.

Verkauf, auch mit Verlusten?

Laut den Informationen muss HNA alle nicht zum Kerngeschäft gehörenden Beteiligungen schnell losschlagen, um die Schuldenlast zu verringern. Dieses Kerngeschäft ist im wesentlichen die Airline Hainan Airlines und der Tourismusbereich. Dazu hatte sich das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren ein Beteiligungsportfolio im Volumen von rund 50 Milliarden Dollar aufgebaut. Nun sorgt der Strategieschwenk, der bereits im Spätsommer eingeleitet wurde, dafür, dass die Einkaufstour wieder rückgängig gemacht werden soll - vermutlich auch um den Preis herber Verluste.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zum Portfolio gehören etwa acht Hotel- und Immobilienprojekte, unter anderem der Hilton-Kette. Dazu der Broker HNA Futures sowie Beteiligungen an der Online-Bank Dianrong, dem Versicherer Bohai Life und dem Finanzdienstleister Sino Guarantee. Auf der den Bankern präsentierten Liste standen mindestens 20 Vermögenswerte. Nur bei einem Teil war schon zuvor bekannt, dass HNA sich von ihnen trennen will.

Auch bei der Deutschen Bank war HNA bis zum vergangenen Jahr stark engagiert, war mit 9,9 Prozent zeitweise sogar größter Aktionär vor Blackrock. Die Beteiligung wurde zuletzt heruntergefahren, HNA versteht sich zumindest offiziell aber noch als strategischer Investor - solange die Finanznot dies zulässt.

Vertrackte Konzernstruktur

Nach Informationen des "Handelsblatt" steht das HNA-Management beim anstehenden Beteiligungsverkauf nicht nur unter dem wachsenden Druck der Gläubiger, sondern auch dem der chinesischen Regierung. Die interessiere sich mehr und mehr für die Finanzlage des Konglomerats. Dabei könnte den Behörden auch die undurchsichtige Eigentümerstruktur ein Dorn im Auge sein. Inzwischen halten zwei Stiftungen, eine in New York, die andere in China, mit 52 Prozent die Mehrheit an dem Mischkonzern. Die Stiftung in den Vereinigten Staaten wird vom ehemaligen Bundeswirtschaftsminister und Ex-FDP-Politiker Philipp Rösler geleitet.

Chen Feng, Gründer und Vorsitzender der HNA-Group

HNA Group-Chef Chen Feng. | Bildquelle: dpa / Imagechina

Das Vertrauen in das Unternehmen wurde auch belastet, als der Co-Gründer des Mischkonzerns Wang im Juli 2018 bei einem Unfall ums Leben kam. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete HNA längst daran, die Schuldenlast über milliardenschwere Immobilien- und Anteilsverkäufe zu lindern. Der verbleibende Gründer Fen versprach, diese Strategie fortzusetzen und die mit den vereinbarten Verkäufe von Geschäftsteilen voranzutreiben. Bislang offenbar nicht mit dem erhofften Erfolg.

AB