US-Berichtssaison 1. Quartal

Angst vor der Rezession Historisch schwaches Quartal an der Wall Street

Stand: 01.04.2020, 08:00 Uhr

Das erste Vierteljahr 2020 an der Wall Street dürfte in die Geschichtsbücher eingehen. Doch Grund zur Freude hatten die Anleger nicht. Denn durch die Corona-Pandemie erlitt der marktbreite S&P den größten Rückgang in seiner Historie.

Die Furcht vor einer weltweiten Rezession durch die Coronavirus-Pandemie brockt der Wall Street den größten Kursrutsch seit Jahrzehnten ein. Der Leitindex Dow Jones verlor am Dienstag 1,8 Prozent auf 21.917 Punkte. Der technologielastige Nasdaq gab ein Prozent auf 7.700 Punkte nach und der breit gefasste S&P 500 büßte 1,6 Prozent auf 2.585 Punkte ein.

Die Rückgänge für den Monat März sprachen eine deutliche Sprache - um 13,7 Prozent für den Dow, 12,5 Prozent für den S&P und 10,1 Prozent für die Nasdaq. Allerdings offenbarte sich die volle wirtschaftliche Wucht der Epidemie am deutlichsten in den Index-Zahlen für das Gesamtquartal.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
29.661,48
Differenz relativ
+1,32%
S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.585,09
Differenz relativ
+0,77%
Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.895,13
Differenz relativ
+0,34%

S&P mit größtem Rückgang der Geschichte

Der S&P erlitt mit 20 Prozent den größten Rückgang im ersten Vierteljahr in seiner Geschichte. Der Dow gab 23,2 Prozent nach, der größte prozentuale Rückgang in einem Quartal seit 1987 und das größte Minus im ersten Quartal seit mindestens 1900. Der Nasdaq überstand dagegen das Quartal noch vergleichsweise glimpflich mit einem Minus von 14,2 Prozent. Den letzten Rückgang in dieser Größe gab es 2018.

"Es herrscht immer noch Unsicherheit", sagte Portfolio-Manager Jack Janasiewicz vom Vermögensverwalter Natixis. "Es wäre nicht überraschend, wenn wir in den kommenden Wochen eine weitere Schwächephase erleben, bei der die jüngsten Tiefs angetestet oder sogar unterschritten werden."

Tourismusbranche und Öl-Produzenten unter Druck

Unter den Einzelwerten befanden sich vor allem die Tourismus-Unternehmen auf Talfahrt. Ähnlich wie in Europa trifft die Reisebeschränkung die Branche besonders hart. Die Aktie des Kreuzfahrt-Anbieters Norwegian Cruise Line rauschte im Vergleich zum Februar 68,3 Prozent in den Keller - und sogar 79,6 Prozent gegenüber des Vorquartals.

Unter den größten Verlierern finden sich aber auch Schieferöl-Produzenten, die unter dem Preiskrieg der beiden großen Öl-Exporteure Saudi-Arabien und Russland leiden. Experten zufolge müsste sich der Ölpreis von derzeit etwa 20 Dollar je Barrel auf etwa 50 Dollar mehr als verdoppeln, damit sich die Schieferöl-Förderung wegen des aufwendigen Fracking-Verfahrens wieder rechnet.

So verlor das Papier von Apache Corporation im vergangenen Monat etwa 82,2 Prozent und im vergangenen Quartal 82,7 Prozent. Auch die Titel von Pipelinebetreiber Oneok und Occidental Petroleum gerieten unter die Räder.

Die Angst vor der Rezession

Die USA melden mit über 160.000 Infizierten fast doppelt so viele wie China. Daher sollen die Ausgangsbeschränkungen verschärft werden. Angesichts der Coronakrise und der niedrigen Zinsen warb US-Präsident Donald Trump am Dienstag außerdem für ein Infrastruktur-Programm in Höhe von zwei Billionen Dollar.

Seit Anfang März hat der US-Kongress bereits drei Maßnahmenpakete im Umfang von mehr als zwei Billionen Dollar beschlossen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie abzufedern.

Diese zeigten sich bereits in aktuellen Stimmungsdaten: In der wichtigen Wirtschaftsregion Chicago trübte sich die Unternehmensstimmung im März ein. Auch das von der Forschungsgruppe Conference Board veröffentlichte Verbrauchervertrauen trübte sich im März ein, und das durchaus stark. Zudem meldete das Arbeitsministerium neue Rekordzahlen bei den Erstanträgen zur Arbeitslosenhilfe. Fed-Chef Jerome Powell und auch die US-Investmentbank JPMorgan warnten vor einer drastischen Rezession.

tb

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