VCI-Präsident Hans Van Bylen
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Tabula rasa in Düsseldorf Henkel trennt sich von Vorstandschef

Stand: 25.10.2019, 09:31 Uhr

Der Konsumgüterkonzern Henkel bekommt einen neuen Chef. Grund ist offenbar die ziemlich durchwachsene Bilanz seines Vorgängers Hans Van Bylen.

"Nach rund 35 Jahren bei Henkel bin ich zum Schluss gekommen, dass mit dem Ablauf meines Vertrages im kommenden Jahr nun der geeignete Zeitpunkt für einen geordneten Wechsel an der Spitze des Unternehmens gekommen ist", erklärte Van Bylen einer Mitteilung. Das hört sich auf den ersten Blick freiwillig an. Doch hätte der 58-jährige Belgier eigentlich noch ein Jahr Vertragslaufzeit gehabt.

Offenbar war der Druck durch den Gesellschafterausschuss unter dem Vorsitz von Simone Bagel-Trah zu groß. Dieser überwacht zusammen mit dem Aufsichtsrat, den ebenfalls von Bagel-Trah angeführt wird, den Henkel-Konzern. Die promovierte Biologin ist eine Ur-Ur-Enkelin des Henkel-Gründers Fritz Henkel.

Enttäuschungen zuhauf

Die Bilanz von Van Bylen lässt sich als durchwachsen bezeichnen. In den vergangenen Monaten häuften sich die schlechten Nachrichten aus dem Unternehmen. Der Aktienkurs entwickelte sich nur schwach. Während seiner knapp vierjährigen Amtszeit gaben die im Dax notierten Vorzugsaktien um rund sieben Prozent nach. Unter seinem Vorgänger Kasper Rorsted waren die Papiere noch um 241 Prozent gestiegen. So eine Bilanz bezeichnet mal gemeinhin zumindest als "glücklos".

Henkel VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
95,00
Differenz relativ
+0,38%

Nach dem ersten Halbjahr hatte der Düsseldorfer Konzern seine Prognose reduziert. Der Dax-Konzern konnte sich zuletzt nicht von der allgemeinen Auftragsflaute vor allem im Industriesektor entkoppeln. Die Klebersparte etwa zählt die Autoindustrie zu ihren wichtigsten Kunden, hier läuft es alles andere als rund. Das drückte sich auch damals in einer Kürzung der Umsatzprognose fast auf "null" aus: Organisch traut sich Henkel nur noch ein Wachstum von null bis zwei Prozent zu, zuvor waren zwei bis vier Prozent Umsatzzuwachs angepeilt. Die Umsatzrendite wird in diesem Jahr erstmals seit 2014 wieder schrumpfen.

Ein Eigengewächs übernimmt

Nachfolger wird zum ersten Januar 2020 Finanz- und Einkaufsvorstand Carsten Knobel. "Ich bin überzeugt, dass Henkel sich unter seiner Führung nachhaltig erfolgreich weiterentwickeln wird", sagte Van Bylen, der auch Präsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) ist. Der 50-jährige Knobel hat sein gesamtes Berufsleben bei Henkel verbracht: Nach dem BWL- und Chemie-Studium stieg er 1995 als Vorstandsassistent ein. Seit 2012 ist er selbst Vorstand, vorher war er Finanzchef der Kosmetik-Sparte, die zeitweise von Van Bylen geführt wurde.

Carsten Knobel, Henkel

Carsten Knobel. | Bildquelle: Unternehmen

Wirklich überzeugt scheint die Börse von dem angekündigten Chefwechsel aber nicht zu sein. Die Henkel-Vorzugsaktien verlieren mehr als zwei Prozent.

ME