Heckleuchte eines Citroen Picasso von Hella
Video

Expansionsgelüste Hella: Der nächste Quantensprung kommt bestimmt

Stand: 02.10.2017, 09:13 Uhr

Die Aktie des Autozulieferers Hella gehört in diesem Jahr zu den stärksten Werten im MDax. Kein Wunder, hat doch das Unternehmen aus Lippstadt die Erwartungen stets übertroffen. Nun steht Hella vor einem neuen Quantensprung - doch nicht an der Börse.

Hella will nämlich weiter wachsen - und zwar außerhalb seines Kerngeschäfts, dem Automobil. "Wir würden gerne zukaufen in den Bereichen Elektronik, Sensorik, Aktuatorik, aber auch im Aftermarket oder bei Special Applications, also in Feldern, die nicht zu unserem automobilen Kerngeschäft zählen", sagte Vorstandschef Rolf Breidenbach der Branchen- und Wirtschaftszeitung "Automobilwoche".

Er fügte hinzu: "Am Ende muss die Wirtschaftlichkeit stimmen." Das Unternehmen bestätigte auf Anfrage des Blattes, dass für Akquisitionen bis zu einer Milliarde Euro zur Verfügung stünde. "Es gibt die klare Vorgabe der Gesellschafterfamilie, dass wir keine finanziellen Abenteuer eingehen", so Breidenbach.

Aktie legt zu

An der Börse gehört die Hella-Aktie am Vormittag zu den stärksten Werten im MDax. Allerdings sprechen Händler auch von einer Gegenreaktion auf den drastischen Kurseinbruch Ende September, nachdem Hella mit seinen neuesten Quartalszahlen die Erwartungen enttäuscht hatte.

Zwar ist der Umsatz im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres 2017/18 (Bis Ende August 2017) weiter gestiegen, um 4,9 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, doch sorgten höhere Steuern und ein etwas schlechteres Finanzergebnis für einen Gewinnrückgang auf 82,6 Millionen Euro. Neben Investitionen kam auch der Euro den Westfalen im Geschäft mit der Autoindustrie in die Quere. Die wiedererstarkte Währung habe vor allem in Nordamerika und Asien belastet.

Unabhängiger vom Autogeschäft

Neue Produktionswerke in Mexiko, China, Litauen und Indien drückten ebenfalls aufs Ergebnis, weil sie noch nicht so gut ausgelastet sind. Zusammen mit höheren Ausgaben für Forschung und Entwicklung ließen diese Faktoren das bereinigte operative Ergebnis der Auto-Sparte um sieben Prozent absacken.

Dafür schnitt Hella bei Spezialanwendungen für Bau- und Landmaschinen sowie Lkw-Anhängern spürbar besser ab als ein Jahr zuvor. Das lag an vielen Bestellungen in Australien, aber auch am Wegfall negativer Einflüsse aus dem Vorjahr. Um sich von den Umbrüchen im Automobilgeschäft zu befreien, will Hella nun also viel Geld in die Hand nehmen und zukaufen. Das dürfte die Aktie zunächst belasten, dürfte ein Milliarden schwerer Zukauf doch die Verschuldung des Unternehmens drastisch erhöhen.

lg