Deutsche Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner und -Chef Christian Sewing auf der Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle 2018
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Schlappe für Achleitner bei Deutsche-Bank-HV Heiterkeit nur beim Versprecher

Stand: 24.05.2018, 20:55 Uhr

Auf der Hauptversammlung hat der neue Vorstandschef Christian Sewing einen Neustart mit Schrumpfkur angekündigt. Doch die Anleger glauben nicht an baldige Besserung. Die Aktie bricht ein. Vor allem Aufsichtsratschef Paul Achleitner stand im Kreuzfeuer der Kritik. Nur einmal bekam er viel Applaus...

Der oberste Kontrolleur der Bank kündigte am Donnerstagmorgen für 2017 die Zahlung einer Dividende von 11 Euro an. Das löste bei den Aktionären spontane Heiterkeit aus. Aber es war natürlich nur Galgenhumor. Denn Achleitner hatte sich versprochen. Er meinte 11 Euro-Cents, die ausgeschüttet werden. Aus einem Gewinn, der 2017 bekanntlich gar nicht vorhanden war.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,15
Differenz relativ
-4,80%

11 Euro - das ist ungefähr das aktuelle traurige Kursniveau der Aktie, mit dem Deutschlands einst so stolze Geschäftsbank sich abfinden muss. Nur noch gut 22 Milliarden Euro bringt die Bank auf die Börsenwaage - weniger als ein Zehntel des US-Platzhirschs JPMorgan Chase. Kein Wunder, dass die Stimmung in der Frankfurter Festhalle gedämpft war.

Denkzettel für Achleitner

Besonders Achleitner bekam einiges an Kritik von den Aktionären zu hören. Am Ende musste der 61-jährige Österreicher eine schwere Schlappe einstecken: Er erhielt lediglich 84,4 Prozent Ja-Stimmen bei der Abstimmung über seine Entlastung. Normal sind bei solchen Abstimmungen Ergebnisse von mehr als 90 Prozent. Der Anfang April entlassene Ex-Vorstandschef John Cryan wurde mit 94,78 Prozent der Stimmen entlastet, der seit 8. April amtierende neue Vorstandschef Christian Sewing, der schon seit 2015 Mitlied des Gremiums ist, bekam 94,58 Prozent der Stimmen.

Deutsche Bank Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Paul Achleitner. | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon

Viele Anteilseigner hatten Achleitner zuletzt wegen seines Krisenmanagements rund um den Chefwechsel kurz nach Ostern und andere Entscheidungen in der Vergangenheit angegriffen. "Die Ergebnisse Ihrer Arbeit sind wenig überzeugend", kritisierte Hans-Christoph Hirt vom Aktionärsberater Hermes den Aufsichtsratsboss. "An der Spitze des Aufsichtsrats braucht unser Unternehmen jetzt dringend eine effektivere Führung", verlangte er.

Totgesagte leben länger

Der umstrittene Achleitner versuchte jedenfalls, gleich zu Beginn für gute Laune zu sorgen, indem er in der Frankfurter Festhalle der Frankfurter Eintracht zum DFB-Pokalsieg gratulierte. "Als Münchner ist es mir ein besonderes Bedürfnis, Ihnen zum Pokal zu gratulieren", sagt er an die Eintracht-Fans im Saal gerichtet. Denn Analogien zum Fußball bieten sich in den Augen des Chefaufsehers durchaus an.

Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Frankfurter Festhalle 2018

Deutsche Bank HV. | Bildquelle: Imago

Achleitner selbst präsentierte den Aktionären ein selbst geschossenes Foto aus Berlin vom Pokalendspiel gegen die scheinbar übermächtigen Bayern aus München, an dem er sich zukünftig orientieren wolle. "Denn der Kampfgeist der Frankfurter hat mich sehr beeindruckt." Das Motiv des Fotos war ein Plakat aus der Frankfurter Fan-Kurve mir der Aufschrift: "Totgesagte leben länger."

Sewing will alten Stolz wieder erwecken

Hörfunk-Moderatorin Franka Welz
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Börse 12.00 Uhr Deutsche Bank HV: Sewing stellt sich den Aktionären

Um in der Fußball-Sprache zu bleiben: Droht der Deutschen Bank gar der Abstieg in eine untere Liga nach diversen vergeblichen Trainer-, sprich Vorstandswechseln? In der Ära Achleitner sitzt nämlich mittlerweile mit Christian Sewing schon der dritte Antreiber auf dem Chefsessel nach Anshu Jain und John Cryan. Ein solcher Verschleiß tut keinem Verein gut, die VW-Tochter VfL Wolfsburg lässt grüßen.

Christian Sewing

Christian Sewing. | Bildquelle: Unternehmen

Der neue Bankchef Christian Sewing gab sich selbstkritisch und räumte ein, dass der Stolz, ein Deutsch-Banker zu sein, zuletzt gelitten habe. "Deshalb trete ich das Amt des Vorstandsvorsitzenden mit dem Ziel an, genau diesen Stolz wieder zu erwecken". Die Aktionäre im Saal reagieren mit Applaus. "Verstehen Sie mich nicht falsch: nicht Arroganz, sondern Stolz." Analogien zum Fußball und hier besonders zum FC Bayern können damit natürlich nicht gemeint sein, oder? Oder doch besser: "Wir sind Eintracht!"!?

Chefwechsel war nötig

Einige Aktionäre kritisierten den abrupten Chefwechsel. Achleitner verteidigte die überraschende Auswechslung von John Cryan durch Sewing mit dem drohenden Imageschaden für die Bank. Bei den Chefspekulationen über Ostern seien Personen als Kandidaten gehandelt worden, die nie Kandidaten waren. "Unserer Bank, Cryan und mir persönlich hat es sehr geschadet", gab er zu. Um weiteren Schaden zu verhindern, "mussten wir handeln, auch wenn es nicht unsere Absicht war, so schnell den Wechsel herbeizuführen." Tatsächlich hätte es zwei ernsthafte Kandidaten gegeben, über deren Namen in den Medien nicht spekuliert wurde. "Wir haben uns dann aber ganz bewusst für die interne Lösung entschieden."

Was lernt Herr Achleitner daraus? Zukünftig will der oberste Kontrolleur der Deutschen Bank dem Vorstand (noch) stärker auf die Finger schauen. Dazu kündigte Achleitner die Gründung eines Strategieausschusses an, der den Vorstand beim Umbau vor allem des Kerngeschäfts eng kontrollieren soll. Vorsitzender wird der ehemalige Top-Banker John Thain.

"Ein Koloss auf tönernen Füßen"

Ingo Speich, Union Investment

Ingo Speich, Union Investment. | Bildquelle: Union Investment

Die historische Aufarbeitung des Chefwechsels durch Achleitner und der selbstbewusste Auftritt von Sewing konnten die Aktionäre nicht besänftigen. "Das kann nur ein erster Schritt sein, dem weitere folgen müssen", meinte Fondsmanager Ingo Speich von der Union Investment zum angekündigten Sparkurs von Sewing. Die Deutsche Bank sei "ein Koloss auf tönernen Füßen". Die Investoren bräuchten klare Meilensteine, wie sich die Ankündigungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung auswirken." Der Umbau der Bank brauche Zeit, doch wie viel Zeit der Kapitalmarkt dem Institut gibt, hänge auch von der Konjunktur ab. "In einem Stress-Szenario könnte der Druck so groß werden, dass eine Zerschlagung oder eine 'Not-Fusion' mit einer anderen Bank unumgänglich wird."

"Wie in einer Geisterbahn"

Kritischer äußerte sich die Deka, die Kapitalanlagegesellschaft der Sparkassen. Fondsmanager Andreas Thomae kündigte an, gegen die Entlastung des Aufsichtsrats zu stimmen, "... da der Umbau der Bank nun schon sechs Jahre andauert - erschwert durch diverse Strategiewechsel und immer erst sehr spätem Eingreifen". Die Deka unterstütze aber die neue Strategie. Unzufrieden zeigt sich Thomae unter anderem mit der Kursentwicklung: "Der Aktienkurs gleicht der Fahrt in einer Geisterbahn, bei der hinter jeder Kurve eine unangenehme Überraschung lauert", so der Deka-Mann weiter.

B5-Moderator Rigobert Kaiser
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B5 Börse 17.43 Uhr: Kursrutsch bei Deutscher Bank

Die Experten von JPMorgan bewerten den am Morgen bekannt gegebenen Stellenabbau derweil als Schritt in die richtige Richtung. Kosten, aber auch die Erträge würden sinken. Die Auswirkungen des Umbaus müssten weiter genau beobachtet werden. man müsse auf weitere Details warten, um die Folgen für die Bank abschätzen zu könne. Ihr Kursziel hat die Bank bei 12 Euro belassen.

Zwei Würstchen und Brezeln für jeden Aktionär

Die Präsenz auf der HV war dieses Jahr mit 42,6 Prozent inklusive der Briefwahlstimmen etwas geringer als 2017. Insgesamt kamen aber 4.150 Anteilseigner - das sind 450 mehr als im vergangenen Jahr. Auf sie warteten 9.000 Würstchen mit Kartoffelsalat, 8.000 Laugenbrezeln, belegte Brötchen und 13.000 Stück Blechkuchen. Von letzteren blieben angeblich noch Unmengen übrig.

Begleitet wurde das Aktionärstreffen von der üblichen Schar wackerer Demonstranten vor der Festhalle, die gegen Krieg, Geld für Rüstung und allgemein gegen die Auswüchse des Kapitalismus protestierten. Aber auch deren Zahl war deutlich geringer als in den Vorjahren, die Deutsche Bank scheint also auch für die Fundamentalkritiker weniger wichtig zu sein als bisher.

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