Abbau von Steinsalz im Tagebau bei Salar Grande de Tarapacá  in Chile

Zusätzliche Kreditlinie bei KfW beantragt K+S: Verkauf des Salzgeschäfts "alternativlos"

Stand: 10.06.2020, 14:01 Uhr

Dem Kasseler Salz- und Düngemittelhersteller steht das Wasser bis zum Hals. Nach der überteuerten Investition in eine neue Kali-Mine in Kanada muss das amerikanische Salzgeschäft nun verkauft werden. Trotzdem braucht das MDax-Unternehmen Hilfe vom Staat.

Wie Finanzchef Thorsten Boeckers heute auf der Hauptversammlung sagte, habe er bei der staatlichen Förderbank KfW eine zusätzliche Kreditlinie beantragt und erwartet daraus einen dreistelligen Millionenbetrag. Dazu hat das Unternehmen den Dividendenvorschlag für das vergangene Geschäftsjahr auf vier von ursprünglich 15 Cent je Aktie gekürzt.

Boeckers hatte bereits Mitte Mai in einer Telefonkonferenz mit Analysten betont, er sehe einen möglichen Antrag auf Staatshilfe als "Vorsichtsmaßnahme". Mit seinem spekulativen Rating (non-investment grade) seien K+S einige Liquiditätsquellen verschlossen und es sei nicht absehbar, wie sich die Finanzierungsmöglichkeiten über den Kapitalmarkt entwickelten.

Schlechteres Rating

Tatsächlich hat die Ratingagentur S&P die Bonitätsnote für K+S erst Ende Mai auf "B" gesenkt, was einer spekulativen Anlage entspricht, und den Ausblick auf negativ gelassen. Damit droht eine weitere Herabstufung.

Gleichzeitig sind die Entsorgungsprobleme größer geworden: K+S hatte im April erklärt, die mit der Politik vereinbarte Absenkung der Salz-Werte in Werra und Weser nicht einhalten zu können. Die Entsorgung von Salzabwässern ist maßgeblich für die Produktion im hessisch-thüringischen Kalirevier. Trotzdem seien keine abwasserbedingten Produktionsstopps im Werk Werra mehr zu erwarten. Infolge verbesserter Produktionsabläufe fielen weniger flüssige Rückstände an. Zusätzlich habe man dank eines unterirdischen Zwischenspeichers die Speichermöglichkeiten auf eine Million Kubikmeter erhöht.

Verkauf des Salzgeschäfts "alternativlos"

Firmenchef Burkhard Loh äußerte sich zudem zum geplanten Verkauf des amerikanischen Salzgeschäfts. "Der Verkaufsprozess läuft mit Unterstützung von Investmentbanken seit März dieses Jahres wie geplant. Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind bisher kaum aufgetreten", sagte er. Der Konzern habe inzwischen auch mit der direkten Ansprache von Investoren begonnen, es gebe hohes Interesse an dem Geschäft, bekräftigte Lohr.

"Unser Ziel ist es, noch im Kalenderjahr 2020 zu einer schriftlichen Verkaufsvereinbarung zu kommen. Mit einem Abschluss der Transaktion und einer Kaufpreiszahlung sollte aber nicht vor 2021 gerechnet werden." K+S als weltgrößter Salzproduzent hatte im März angekündigt, sein Salzgeschäft in Nord- und Südamerika komplett verkaufen zu wollen. Damit will K+S beim Abbau seines hohen Schuldenbergs vorankommen, der durch eine neue Kali-Mine des Unternehmens in Kanada angeschwollen war.

Aktie im freien Fall

Sie ist mit rund drei Milliarden Euro die größte Investition in der Firmengeschichte. Die Mine in Kanada steht nicht zur Disposition, sie ist fester Bestandteil der Strategie von K+S, sagte Lohr. Der Verkauf des amerikanischen Salzgeschäfts sei aber "alternativlos": "Wir brauchen jetzt einen Befreiungsschlag und nur durch den Verkauf der Sparte ist dieser Befreiungsschlag und somit der Schuldenabbau möglich."

Bis Ende 2021 sollen die Schulden um gut zwei Milliarden Euro gesenkt werden. Zu den Sparmaßnahmen zählen auch Stellenstreichungen in der Verwaltung sowie der Verkauf von Randaktivitäten in Europa. K+S beschäftigte weltweit zuletzt etwa 14.700 Menschen. Im hessisch-thüringischen Kalirevier hängen 5.300 direkte Arbeitsplätze an dem Unternehmen.

Für die Aktionäre hat sich K+S als Wertvernichter erwiesen: In den vergangenen fünf Jahren hat die Aktie über zwei Drittel ihres Wertes eingebüßt.

lg