Heidelberger Druckmaschinen-Mitarbeiter an einer digitalen Etikettendruckmaschine
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Aktie macht Freudensprung HeidelDruck holt Chinesen ins Haus

Stand: 23.01.2019, 11:40 Uhr

Für Übernahmen und Beteiligungen in Deutschland geben chinesische Investoren Jahr für Jahr zweistellige Milliardenbeträge aus. Und der Appetit ist noch längst nicht gestillt, wie das jüngste Beispiel aus Heidelberg zeigt.

So will sich der Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen einen neuen Ankeraktionär aus China ins Haus holen. Der langjährige Vertriebspartner Masterwork Group wolle sich über eine Barkapitalerhöhung mit 8,5 Prozent (rund 70 Millionen Euro) an HeidelDruck beteiligen, teilte das Unternehmen am Morgen mit.

Mit Hilfe des neuen Partners, einem Maschinenbauer aus China, will das SDax-Unternehmen demnach seine Marktposition im wachsenden Verpackungsdruck ausbauen. Auch soll das Geld in eine schnellere Umsetzung der digitalen Unternehmensstrategie - also die Digitalisierung von Produkten und Prozessen - fließen.

Aktie macht Freudensprung

Die Kapitalmaßnahme soll bis Ende des ersten Quartals umgesetzt werden. Der Aufsichtsrat von HeidelDruck sowie chinesische Behörden müssen dafür noch grünes Licht geben. An der Börse reagierten die Anleger mit einem Freudensprung. Die in der zweiten Jahreshälfte 2018 heftig unter Druck geratene Aktie - sie verlor über die Hälfte an Wert - legte am Vormittag um gut 21 Prozent zu. Der neue Ankeraktionär will laut aktuellem Stand 2,68 Euro je Aktie zahlen. Das ist fast ein Euro mehr, als die Papiere vor der Mitteilung gekostet hatten.

Das 1995 gegründete Unternehmen Masterwork Group, ist ein Hersteller von Bogenstanzen und Heißfolienprägemaschinen. Viel ist über das an der Börse Shenzhen notierte Unternehmen nicht in Erfahrung zu bringen. Für das erste Halbjahr 2018 hatte das Unternehmen einen Gewinn von elf bis zwölf Millionen Euro in Aussicht gestellt (88 bis 95,4 Millionen Yuan).

Leicht negatives Ergebnis

Heidelberger Druck hat im ersten Geschäftshalbjahr bis Ende September den Umsatz um sechs Prozent auf 1,11 Milliarden Euro gesteigert. Das Ebitda lag unter Herausrechnung von Restrukturierungskosten mit 62 Millionen Euro knapp über dem Niveau des Vorjahres von 60 Millionen Euro.

Unter dem Strich sorgten jedoch die Ausgaben für den laufenden Konzernumbau und eine teilweise zurückgezahlte Hochzinsanleihe jedoch für ein leicht negatives Ergebnis von minus sechs Millionen Euro. An seinen Jahresprognosen, die ein moderates Wachstum bei Umsatz und Nachsteuerergebnis vorsehen, hielt das Unternehmen weiter fest.

Deutschland belegt Platz vier

Deutschland ist für chinesische Firmen offenbar immer noch ein Eldorado. Allein im ersten Halbjahr 2018 gaben sie hierzulande zehn Milliarden aus, wie die Unternehmensberatung EY berichtete. Der bisher europaweit mit Abstand größte Deal in diesem Jahr war der Einstieg des Autobauers Geely bei Daimler, gefolgt von der Übernahme des französischen Computerspielproduzenten Ubisoft durch den Internetriesen Tencent und der Übernahme des bayerischen Autozulieferers Grammer durch Ningbo Jifeng.

In Deutschland belegten chinesische Investoren Platz vier hinter Anlegern aus den USA, Großbritannien und der Schweiz. Am größten sei ihr Interesse an Industriefirmen, verstärkt kauften sie gegenwärtig aber auch Rohstoff- und Konsumgüterunternehmen.

lg