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Zement wieder gefragt HeidelCement: Da geht was

Stand: 20.02.2018, 10:34 Uhr

Die Baukonjunktur brummt und HeidelbergCement verdient Milliarden. Wie könnte es auch anders sein. Dennoch gibt sich Vorstandschef Bernd Scheifele gewohnt nüchtern.

"Wir haben das Jahr 2017 trotz eines sehr herausfordernden Marktumfelds erfolgreich abgeschlossen und unser operatives Ergebnisziel erreicht", resümiert Unternehmenschef Bernd Scheifele die am Morgen vorgelegte Bilanz.

Tatsächlich hat der Baustoffkonzern von der lebhaften Baukonjunktur in Europa und den USA sowie sinkenden Kosten profitiert wie kaum ein anderer Konzern dieser Branche. So kletterte das Ergebnis (Ebitda) 2017 auf vergleichbarer Basis um sechs Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Der Umsatz mit Zement, Beton und Zuschlagstoffen stieg um zwei Prozent auf 17,3 Milliarden Euro.

HeidelbergCement-Chef Bernd Scheifele

Bernd Scheifele. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Erwartungen getroffen

Der Dax-Konzern erreichte damit sein selbst gestecktes Ziel eines "moderaten" Gewinnanstiegs von rund fünf bis zehn Prozent und traf die Erwartungen der Analysten. Besonders erfolgreich war das Unternehmen im vierten Quartal: In diesem Zeitraum stieg das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 17 Prozent auf 892 Millionen Euro.

In Nordamerika kurbelten der Wohnungs- wie der Wirtschaftsbau, so etwa bei der Ölförderung in Kanada, den Absatz an. In Europa belastete die Unsicherheit nach dem Brexit-Votum in Großbritannien das Geschäft, da sich Infrastrukturprojekte verzögerten und der Bauboom in London seinen Zenit überschritten hat. Dem stand der prosperierende Wohnungsbau in Deutschland gegenüber. In Asien brach das Betriebsergebnis wegen des Preisverfalls in Indonesien und höherer Energiekosten ein.

Zementabsatz wächst wieder

Der Zementabsatz war nach Angaben des Weltzementverbandes im vergangenen Jahr erstmals seit der Finanzkrise 2009 wieder gewachsen, und zwar um ein Prozent. Nach Jahren des Sparens investierten Staaten wieder in die Infrastruktur. Für dieses Jahr erwartet der Branchenverband einen Absatzanstieg um 1,5 Prozent.

Das Unternehmen will auch dieses Jahr von der anhaltenden Erholung in der Eurozone und der Konjunktur in den USA profitieren, die von der Steuerreform noch verstärkt wird. In Nordamerika stärkte HeidelbergCement seine Marktposition durch die Übernahme der dortigen Italcementi-Tochter und den Kauf von zwei weiteren Betrieben.

Aktie dreht ins Plus

"In Anbetracht des insgesamt positiven Ausblicks für die Weltwirtschaft blicken wir zuversichtlich in die Zukunft", erklärte Scheifele. Risiken gingen jedoch von steigender Inflation, insbesondere bei den Energiepreisen, und erwarteten Zinserhöhungen aus. Eine Gewinnprognose für 2018 will Scheifele erst zur Vorlage der vollständigen Bilanz am 22. März bekannt geben.

Die Anleger brauchten am Morgen einen Moment, um die Zahlen zu würdigen. Nach anfänglichen Verlusten drehte die im Dax notierte Aktie dann doch noch ins Plus und gehörte zu den stärksten Werten im Leitindex. Das Analysehaus Bernstein Research hat die Einstufung für HeidelbergCement nach vorläufigen Jahreszahlen auf "Outperform" mit einem Kursziel von 105 Euro belassen.

lg