Baustoffe

Zementproduktion  bei HeidelbergCement in Leimen

Mittelfristig wird die Baukonjunktur belebt HeidelCement baut voll auf Trump

Stand: 09.11.2016, 14:44 Uhr

Sinkende Gewinne, steigende Schulden: So richtig rund lief es zuletzt nicht für HeidelbergCement. Doch an der Börse zählt heute nur der Trump-Faktor.

Die Infrastruktur in den USA ist teils marode. Sollte Donald Trump also Wort halten und hier viel Geld reinstecken, wäre das ein Extra-Schub für die Bauindustrie und auch für Zulieferer wie HeidelbergCement. Das lockt Investoren, die HeidelCement-Aktie gehört heute zu den wenigen Gewinnern im Dax mit einem Kursgewinn von mehr als zwei Prozent.

Auch HeidelbergCement-Chef Bernd Scheifele kann dem Wahlsieg Trumps positive Seiten abgewinnen - zumindest auf den zweiten Blick. Kurzfristig werde die Unsicherheit von Investoren überwiegen, weil nicht klar ist, wie Trumps Politik aussieht, sagte Scheifele anlässlich der Vorstellung des Quartalsbilanz des Dax-Konzerns. Die Unsicherheit dürfte ein Jahr anhalten. 2017 werde erst einmal Bremseffekte auf die amerikanische Wirtschaft haben.

Die Mauer zu Mexiko - nur ein Gedankenspiel?

"Mittelfristig bin ich positiv gestimmt." Es sei damit zu rechnen, dass der Staat mehr in Infrastruktur investieren und für Beschäftigung sorgen werde. Den von Trump angedrohten Bau einer Mauer zu Mexiko sieht Scheifele gleichwohl als Gedankenspiel und stellt in Frage, ob Trump damit wirklich Ernst macht. Allerdings wäre HeidelbergCement mit seinen Werken in Texas und Arizona als Lieferant gut positioniert.

Für den Dax-Konzern ist Nordamerika - einschließlich Kanada - ein wichtiger Markt. Rund ein Viertel der Erlöse werden hier eingeommen.

Italcementi braucht Zeit

Erst einmal hat der Dax-Konzern aber zu kämpfen. Nicht nur, dass das dritte Quartal schwächer ausfiel als die ersten beiden, weil schlechte Wetterbedingungen in Texas und Teilen von Kalifornien das Nordamerika-Geschäft belasteten.

HeidelCement muss außerdem die 3,7 Milliarden Euro teure Übernahme des italienischen Zementherstellers Italcementi stemmen. Diese ging zu Lasten der Gewinne des Baustoffkonzerns im dritten Quartal. Der Nettogewinn brach in dem Zeitraum Juli bis September um 29 Prozent auf 339 Millionen Euro ein. Unter anderem schlugen hier die Kosten für den Personalabbau bei Italcementi zu Buche.

Die Nettoverschuldung stieg wegen der Zahlung des Kaufpreises und der übernommenen Schulden von Italcementi um 2,9 Milliarden Euro Ende September auf 8,9 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis und bei den Erlösen machte sich der Zukauf dagegen positiv bemerkbar. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte von Juli bis September um 17 Prozent auf eine Milliarde Euro zu. Der Umsatz sprang dank Italcementi um 25 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro hoch. Rechnet man den Zukauf heraus, hätte das operative Ergebnis nur um ein Prozent zugelegt und der Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres verharrt.

HeidelCement-Aktie auf Erfolgskurs

Das Düsseldorfer Bankhaus Lampe bekräftigte seine Kaufempfehlung für die Aktie mit einem Kursziel von 106 Euro. Analyst Marc Gabriel lobte die Fortschritte - vor allem die Rasanz, mit der sich die Margen bei Italcementi an das Niveau im übrigen Konzern annäherten. Insgesamt verfehlten die Quartalszahlen zwar die Markterwartungen. Doch Anleger honorierten, dass HeidelCement den Jahresausblick bekräftigte. Vor Steuern und Abschreibungen soll das Ergebnis moderat bis deutlich, das heißt hoch einstellig bis niedrig zweistellig, wachsen.

Vorstandschef Scheifele kündigte zudem Kostensenkungen an. In der Sparte Beton sollen die Logistik und die Rezeptur verbessert werden, wodurch das Ergebnis über drei Jahre um 120 Millionen Euro steigen soll. Zudem wollen die Kurpfälzer mit der Italcementi-Übernahme höhere Synergien heben als die bisher angekündigten 400 Millionen Euro. Insgesamt sollen mindestens 2500 der mehr als 17.000 Stellen weltweit wegfallen, bis Ende dieses Jahres schon 1500 und damit mehr als geplant.

Die Aktie hat in diesem Jahr kräftig zugelegt. Das Plus beträgt seit Jahresanfang - mit Höhen und Tiefen - fast 30 Prozent. Die Anteilsscheine kosten mittlerweile so viel seit seit Mitte 2008 nicht mehr. Vor allem der Boom im deutschen Wohnungsbau und in der Infrastrukutur waren Treiber.

bs

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