Donald Trumps Gesicht spiegelt sich in der Fassade der Deutschen Bank

Ex-Anwalt Cohen: Vermögen falsch angegeben Hat Trump die Deutsche Bank getäuscht?

Stand: 28.02.2019, 11:45 Uhr

Jahrelang soll Donald Trump falsche Angaben über sein Vermögen gemacht haben. Das behauptet zumindest sein Ex-Anwalt Michael Cohen. Auch der Deutschen Bank habe er demnach frisierte Dokumente geschickt.

Trumps ehemaliger Anwalt nahm am Mittwoch kein Blatt vor den Mund. Cohen bezeichnete den US-Präsidenten bei seiner Aussage vor dem Kontrollausschuss im Repräsentantenhaus als Betrüger und Rassisten. Er warf seinem früheren Chef diverse Vergehen vor - zum Teil moralischer Natur, zum Teil aber auch rechtlicher Art.

So auch bei der Angabe seines Vermögens. Je nachdem, welche Ziele er verfolgte, habe Trump seinen Besitz "aufgebläht oder heruntergespielt". Wenn er zum Beispiel Immobiliensteuern zahlen musste und sparen wollte, habe er sein Vermögen kleiner gehalten, sagte Cohen: "Es kam immer auf die Situation an."

Sprünge in den Vermögensbilanzen

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: Imago

Um in der Außenwelt gut dazustehen - etwa bei der Platzierung auf der "Forbes"-Reichenliste - oder an Darlehen zu kommen, habe der Präsident hingegen mit seinem Reichtum übertrieben. Cohen legte dem Kongress nach eigenen Angaben unter anderem Kopien von Trumps Finanzberichten von 2011 bis 2013 vor, die sein Ex-Verbündeter damals erstellte.

Laut dem "Handelsblatt" ist bei den Papieren im Jahr 2013 ein großer Sprung nach oben zu erkennen. Umfasste Trumps Vermögen 2011 und 2012 noch 4,6 und 5,1 Milliarden Dollar, so kletterte es ein Jahr später auf 8,7 Milliarden Dollar.

Nach Aussagen von Cohen gingen diese Listen auch an die Deutsche Bank, Trumps langjähriger Geschäftspartner und Kreditgeber. "Ich bin mir sicher, dass diese Zahlen weit überzogen waren", behauptete Cohen im Kongress. Trump habe Tricks angewandt, mit denen er den Wert und die Flächen seiner Immobilien künstlich gesteigert habe. Die Deutsche Bank fiel laut Cohen darauf rein und gewährte dem Präsidenten das Darlehen.

Deutsche Bank im Visier der US-Politik

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Ob Trump hierdurch Probleme bekommen könnte, hängt sehr von Details ab. Schon länger bereitet er Deutschlands größtem Geldhaus Kopfzerbrechen. Aktuell hat er Kredite im Wert von rund 340 Millionen Dollar bei der Bank, die 2023 und 2024 fällig werden. In den 18 Jahren bis zu Trumps Präsidentschaft lieh das Geldhaus dem New Yorker Baulöwen, seinen Firmen und Familienmitgliedern nach Informationen der "New York Times" mehr als 2,5 Milliarden Dollar. Und das, obwohl Trump bereits bei allen amerikanischen Banken verbrannt war, da er die Kredite offenbar nicht zurückgezahlt hatte.

Deshalb steht die Deutsche Bank derzeit im Visier der amerikanischen Politik. Zwei Ausschüsse im Repräsentantenhaus sowie Senatoren der Demokraten drängen auf umfassende Ermittlungen gegen die Bank und eine öffentliche Anhörung wegen ihrer möglichen Verstrickung in Geldwäscheaktivitäten und Trumps Geschäften mit Russland. Sie haben bereits Unterlagen des Frankfurter Instituts angefordert.

Schwierige Phase für Trump - auch für die Börse?

Cohen, der mehr als ein Jahrzehnt für Trump arbeitete, wurde oft als Trumps "Ausputzer" beschrieben, bis es zum Bruch zwischen beiden kam. Er ist wegen Steuer- und Bankenbetrugs sowie Verstoßes gegen Wahlkampffinanzierungsregeln zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt, die er im Mai antreten soll.

Kritiker werteten seinen Auftritt als Versuch, sich reinzuwaschen und von seinen eigenen Fehltritten abzulenken. Die Republikaner im Ausschuss hielten Cohen seine Verfehlungen vor und mühten sich, ihn als unglaubwürdigen Zeugen abzutun. Auch Trump griff Cohen aus der Ferne an: Cohens Anhörung vor dem Repräsentantenhaus sei beschämend gewesen. "Er hat viel gelogen", sagte Trump am Donnerstag in Hanoi auf einer Pressekonferenz nach dem Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.

Die Anschuldigungen fallen in eine für Trump heikle Phase. Der Sonderermittler Robert Mueller steht Medienberichten zufolge kurz davor, seine Arbeit abzuschließen. Er untersucht, ob es vor der Wahl 2016 Absprachen zwischen Russland und Trumps Team gegeben hat. Auf eine Anklage würde womöglich auch die Börse reagieren. Trump wie auch die Regierung in Moskau haben die Vorwürfe zurückgewiesen.

tb

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"Der Aktienmarkt findet Trump nicht schlecht" Stimmen zur möglichen Reaktion an der Börse

Zentrale der Postbank in Bonn

Heinz-Gerd Sonnenschein, Aktienstratege von der Postbank
"Bisher prallen alle negativen Nachrichten wie die Russland-Ermittlungen an Trump ab. Deshalb reagiert die Börse darauf nicht wirklich. Wahrscheinlich würden wir im Ausland auf eine Anklage stärker reagieren als die Wall Street."

Im ersten Moment könne die Reaktion negativ ausfallen, da das Risiko eines Machtvakuums in der größten Volkswirtschaft der Welt bestehen würde. "Wie die Märkte aktuell drauf sind - lieber nicht. Es gibt genug andere Punkte, die für Nervosität sorgen", so der Aktienstratege.

Anders als bei einem Todesfall könnte ein Amtsenthebungsverfahren laut Sonnenschein eine eventuelle Hängepartie nach sich ziehen. Wahrscheinlich würde der Nachfolger aber auch hier der Stellvertreter werden, was das Machtvakuum schließen und die Märkte beruhigen würde.