Ex-Steinhoff-CEO Markus Jooste
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Ermittlungen wegen Bilanzfälschung Hat sich Steinhoff aufgehübscht?

Stand: 24.08.2017, 16:35 Uhr

Der für seine Billigmöbelhäuser und Baumärkte wie Poco bekannte Einzelhändler Steinhoff hat möglicherweise seine Bilanzen geschönt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Aktien sackten am Donnerstag um rund zehn Prozent ab.

Wie das "Manager Magazin" berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen den Vorstandschef von Steinhoff, Markus Jooste, wegen des Verdachts der Bilanzfälschung. Zudem werden ein weiterer hochrangiger Konzernmanager sowie zwei weitere Männer aus dem Umfeld der Firma beschuldigt.

Die Staatsanwaltschaft, die bereits seit 2015 ermittelt, hegt den Verdacht, "dass überhöhte Umsatzerlöse in die Bilanzen konzernzugehöriger Gesellschaften eingeflossen sind". Hintergrund sind Verträge, die den Verkauf immaterieller Güter beziehungsweise Gesellschaftsanteile belegen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte sich zunächst nicht äußern.

Es geht um dreistellige Millionenbeträge

Verkäufer und Käufer waren Firmen, die dem Umfeld von Steinhoff International entstammen sollen. Es gehe bei den diversen Transaktionen um "jeweils dreistellige Millionenbeträge", so die Staatsanwaltschaft. Einen Kommentar zu den Namen der Beschuldigten lehnte sie ab.

Bei Razzien in den Büros der Steinhoff-Europa-Zentrale in Westerstede sowie in den Privathäusern von zwei Steinhoff-Vertrauten hätten die Fahnder Dokumente sichergestellt, die angeblich Andreas Seifert, Co-Geschäftsführer der Möbelkette XXXLutz, unterzeichnet haben soll. Seifert sagte dem "Manager Magazin", er habe "die Papiere nie zuvor gesehen und sie nicht unterschrieben". Er stellte Strafanzeige wegen Urkundenfälschung.

Steinhoff weist Vorwürfe zurück

Der Konzern sieht sich hingegen zu Unrecht an den Pranger gestellt. Die Quelle einiger Vorwürfe sei ein ehemaliger Geschäftspartner, mit dem sich der Konzern in mehreren Rechtsstreitigkeiten befinde, erklärte Steinhoff am Nachmittag. "Wesentliche Fakten und Vorwürfe sind falsch oder irreführend", teilte der MDax-Konzern mit.

Steinhoff habe bereits im Dezember 2015 darüber informiert, dass gegen eine Tochtergesellschaft in Deutschland Ermittlungen liefen. Wirtschaftsprüfer seien zu dem Schluss gekommen, dass keine der Transaktionen gegen deutsches Handelsrecht verstoße. Der Rechtsstreit mit dem ehemaligen Partner werde wahrscheinlich auf Geldzahlungen durch den Konzern hinauslaufen. Dafür habe Steinhoff ausreichend Vorsorge getroffen.

Aktien brechen ein

Die Steinhoff-Gruppe beschäftigt mehr als 130.000 Menschen auf fünf Kontinenten. In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat sich die Finanzlage des Unternehmens zunehmend verschlechtert. Die operative Marge fiel von 11,6 auf 8,8 Prozent.

Die Netto-Verschuldung stieg von 2,9 auf 6,5 Milliarden Euro. Goldman Sachs hat die Aktie daraufhin von "Neutral" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 4,9 auf 3,80 Euro gesenkt. Gegenwind aus einigen Richtungen halte die Gewinnentwicklung des Möbel- und Einzelhändlers im Zaum, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Die Experten reduzierten ihre Ergebnisprognosen um bis zu 15 Prozent.

Die Aktie ist seit ihrem Hoch vor einem Jahr bei 6,14 auf zuletzt nur noch 3,80 Euro abgestürzt. Allein am heutigen Tag verlor das Papier mehr als zehn Prozent an Wert.

lg/nb