Erich Kellerhals
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Ceconomy-Aktie steigt nach Kellerhals-Tod Hat die Börse keine Pietät?

Stand: 28.12.2017, 11:34 Uhr

Jahrelang lieferte sich Media-Markt-Mitgründer Erich Kellerhals einen Machtkampf um das Sagen bei Media-Saturn (jetzt Ceconomy). Nun ist Kellerhals tot. Das bewegt auch die Börse.

Die Aktie von Ceconomy legt am Donnerstag über fünf Prozent zu und markiert mit 12,26 Euro den höchsten Stand seit der Abspaltung von der Metro. Anleger spekulieren offenbar darauf, dass nach dem Ableben des streitbaren Großaktionärs Kellerhals der europäische Elektronik-Händler nun einfacher durchregieren kann. "Die aktuelle Kursentwicklung spiegelt die Hoffnung wider, dass es eine Einigung zwischen den Kellerhals-Erben und dem Management um die Firmenstrategie gibt", sagte ein Händler. "Es ist allerdings fraglich, ob es dazu kommt. Da werden arg viel Vorschuss-Lorbeeren verteilt."

Kommt es jetzt zum Frieden mit Convergenta?

Der Media-Markt-Mitgründer starb am ersten Weihnachtsfeiertag im Alter von 78 Jahren im Kreis seiner Familie, wie ein Sprecher der Kellerhals-Investmentgesellschaft Convergenta am Donnerstag sagte. Der Milliardär war mit gut 21 Prozent an den Elektronikketten Media Markt und Saturn beteiligt. Mit dem Hauptgesellschafter Metro und später mit deren Abspaltung Ceconomy lag er jahrelang im Streit über die Geschäftspolitik. Zuletzt hatten Vertreter seiner Investmentgesellschaft Convergenta den Jahresabschluss in einer Gesellschafterversammlung von Media-Saturn nicht abgezeichnet.

Ob mit dem Tod von Kellerhals die Auseinandersetzungen zwischen Convergenta und Ceconomy enden, gilt als relativ unwahrscheinlich. Die Erben von Kellerhals dürften über die Investmentgesellschaft Convergenta den Machtkampf weiterführen. Ein Metro-Insider zog vor einigen Monaten Parallelen zu Leo Kirch. Nach dessen Tod setzten Kirchs Erben den juristischen Konflikt mit der Deutschen Bank fort.

Hoffnung auf Verkauf der Kellerhals-Anteile

Baader-Analyst Volker Bosse bezeichnete die Meldung über das Ableben von Kellerhals als "tragisch". Die Frage sei nun, wie es mit den Anteilen an der Media-Saturn weitergehen wird. Bosse hält es für möglich, dass die Minderheitsanteile von Ceconomy übernommen werden.

Ceconomy-Chef Pieter Haas indes hatte es jüngst als einzig vernünftigen Weg bezeichnet, wenn sich Kellerhals als Aktionär zurückziehen würde. Auch einige Analysten hatten eine Lösung des Disputs zuletzt als entscheidend für die Bewertung und Flexibilität von Ceconomy bezeichnet.

Der Mitgründer von Media Markt

Die Wurzeln von Media-Saturn reichen weit zurück. 1963 eröffnete Kellerhals zusammen mit seiner Frau Helga ein Geschäft für Kohlenherde und Ölöfen sowie Fahrräder in Ingolstadt. Später entstanden weitere Geschäfte, die vor allem Radios und Fernsehgeräte vertrieben. Zusammen mit den Partnern Walter Gunz und Leopold Stiefel eröffnete das Paar Kellerhals 1979 in einem Münchener Industriepark einen Discounter für Elektronikartikel. Das war die Geburtsstunde von Media Markt. 1988 gaben die Partner die Mehrheit an der Elektronikkette an die Kaufhof AG ab, die wiederum die Kette Saturn einbrachte und aus der später die Metro hervor ging. Im vergangenen Jahr spaltete der Handelsriese das Elektronikgeschäft mit Media-Saturn unter dem Namen Ceconomy ab und brachte es separat an die Börse.

nb