Zentrale der Bayer AG in Leverkusen

Aktie beflügelt Hat Bayer eine Lösung für Glyphosat?

Stand: 24.01.2020, 09:10 Uhr

Neue Hoffnung für den Chemie- und Pharmakonzern Bayer. Offenbar rückt eine Einigung bei den Klagen um den Unkrautvernichter Glyphosat näher.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg könnten die Leverkusener den Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken von Glyphosat für zehn Milliarden US-Dollar beilegen. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf Insider. In einigen Diskussionen hätten Bayer-Anwälte gesagt, das Unternehmen werde acht Milliarden für die Lösung der aktuellen Fälle beiseite legen und zwei Milliarden für künftige Klagen reservieren. Laut den Insidern stehe die Summe aber noch nicht fest und kann sich im Zuge der Gespräche ändern. Von Bayer gab es keinen Kommentar.

Bayer hatte sich 2018 mit der über 60 Milliarden Dollar teuren Übernahme des amerikanischen Saatgutriesen Monsanto immense Rechtsrisiken ins Haus geholt. Die ersten drei Prozesse in Amerika wegen angeblich krebserregender Unkrautvernichtungsmittel von Monsanto hatte Bayer verloren und hohe Schadenersatz-Urteile kassiert. Der Konzern hat die Schuldsprüche jedoch angefochten und erhielt in einem Berufungsverfahren zuletzt Unterstützung von der US-Regierung, deren Umweltbehörde EPA das umstrittene Pflanzengift Glyphosat nicht als krebserregend einstuft.

Noch keine Gewissheit

"Ich lese da viele Konjunktive", sagte ein Händler. Dennoch vertraue der Markt der Meldung. "Das macht aus Sicht von Bayer Sinn, weil es zwar eine große Summe ist, aber zugleich damit das ganze Thema vom Tisch ist." Ein anderer Marktbeobachter verweist darauf, dass Analysten bislang mit Kosten für die Glyphosat-Einigung zwischen 15 und 20 Milliarden Dollar gerechnet hätten. Wenn nun die Meldung stimme, wäre das eine gute Nachricht für Bayer, sagte er. "Ich kann es mir aber nicht so richtig vorstellen."

Vorschusslorbeeren von der Börse

Dennoch treibt diese Aussicht auf eine zwar immer noch hohe, aber im Vergleich zu den schlimmsten Befürchtungen dann doch niedrigere Summe die Bayer-Aktie an. Das Papier gewinnt zur Stunde im elektronischen Handelssystem Xetra 3,5 Prozent auf 76,70 Euro. Im Zuge der immer weiter steigenden Zahl an Glyphosat-Klagen hatte die Bayer-Aktie zeitweise mehr als die Hälfte an Wert eingebüßt und war zeitweise auf den tiefsten Stand seit 2012 gefallen.

ME/dpa/rtr