Manipulationsverdacht belastet Aktie Aurelius im Visier der Shorties

Stand: 31.01.2020, 11:00 Uhr

Die Aktie der Beteiligungsgesellschaft erholt sich am Freitag nur mühsam vom Kurssturz des Vortages. Das Unternehmen wird von Short Sellern belastet, die über einen Börsenbrief die Bilanzen von Aurelius in Frage stellen. Bislang mit Erfolg.

Im gestrigen Tagesverlauf rutschte die Aktie von 35 auf bis zu 30 Euro abwärts, am Freitagmittag notiert der Titel wieder bei rund 33 Euro, weiterhin mit für die Aktie recht hohen Handelsumsätzen. Die Anleger sind also durchaus verunsichert.

Ergebnisse zu hoch angegeben?

Ein Vorwurf der Bilanzmanipulation hat Aurelius den größten Kurssturz seit drei Jahren eingebrockt. Auslöser des Ausverkaufs laut Beobachtern ein Kommentar des bislang unbekannten Analysehauses Ontake Research. Darin werfen die Autoren dem Aurelius-Management vor, den Wert der Beteiligungen und das operative Ergebnis zu hoch angegeben zu haben, um sich üppige Auszahlungen zu genehmigen.

Aurelius hat die Anschuldigungen als falsch und unbegründet zurückgewiesen. Das Unternehmen wolle sie in den kommenden Tagen widerlegen. Das Vertrauen der Anleger will man auch durch ein eigens aufgelegtes Aktienrückkaufprogramm stärken. Binnen eines Jahres sollen 1.000.000 eigene Papiere zu bis zu 30 Euro je Aktie erworben werden.

Ontake ist nach eigenen Angaben ein sogenannter Leerverkäufer. Dabei handelt es sich um Anleger, die auf den Kursverfall einer Aktie wetten. Dazu leihen sie sich die Anteilsscheine und verkaufen sie umgehend. Das Ziel ist es, sich bis zur Rückgabe an den Verleiher zu einem niedrigeren Preis mit den Papieren einzudecken. Die Differenz streichen die auch "Short Seller" genannten Investoren als Gewinn ein.

Schmerzhafte Erinnerungen an 2017

Aurelius war bereits 2017 Ziel eines Leerverkäufers. Damals hatte es der Hedgefonds Gotham City auf den Firmenkäufer abgesehen. Auch andere deutsche Unternehmen wurden in den vergangenen Jahren attackiert. Besonders häufig traf es den Zahlungsabwickler Wirecard. Auch ProSiebenSat.1 sah sich Angriffen ausgesetzt. Die Stichhaltigkeit der Vorwürfe ist immer noch umstritten. Bislang wurde kein Manager dieser beiden Firmen deswegen gerichtlich belangt. In Deutschland ermitteln die Finanzaufsicht BaFin und Staatsanwaltschaften seit längerem gegen Leerverkäufer wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

Aurelius ist international im Markt für Unternehmensübernahmen tätig und hat Büros in München, London, Stockholm und Madrid. Die Gesellschaft kauft Unternehmen und Konzernabspaltungen, bei denen sie ein Entwicklungspotenzial sieht. Aktuell zählen weltweit 23 Unternehmen mit Standorten in Europa, Asien, und den USA zum Aurelius-Konzern. Dazu gehören Dienstleistungsunternehmen, aber auch Industrieunternehmen.