Lufthansa Germanwings
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Aktie stürzt ab "Aggressive" Billig-Airlines: Lufthansa-Gewinnziele geplatzt

Stand: 17.06.2019, 09:15 Uhr

Das Wettrennen um die günstigsten Flugpreise wird nun auch für die Lufthansa zum Problem. Das Management hat die bislang angepeilten Gewinnziele massiv gekürzt. Auch im Frachtgeschäft läuft es schlechter als gedacht. Die Anleger reagieren unbarmherzig.

Wegen eines „aggressiven“ Geschäftsausbaus von Billigairlines und der dadurch fallenden Ticketpreise dürfte das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) in diesem Jahr nur 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro erreichen, teilte Europas größte Fluggesellschaft am späten Sonntagabend in Frankfurt mit. Bisher war das Management von etwa 2,4 bis 3,0 Milliarden Euro ausgegangen.

In ihrem Rekordjahr 2017 hatte die Lufthansa operativ rund 3,0 Milliarden Euro verdient, ein Jahr darauf waren es immerhin noch gut 2,8 Milliarden Euro. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Analysten hatten für 2019 zuletzt immerhin noch rund 2,7 Milliarden auf dem Zettel.

Auch im Frachtgeschäft läuft es schlechter als gedacht: Die Frachtsparte Lufthansa Cargo hat bereits drei ältere Frachtflugzeuge aus dem Flugplan genommen und rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem stagnierenden Umsatz. Von den Erlösen dürften nur etwa drei bis fünf Prozent als operatives Ergebnis beim Konzern hängenbleiben. Das ist etwa halb so viel wie bisher angepeilt.

Marktbericht neutral
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tagesschau Mittagsbericht vom 17.06.2019

Markt bleibt herausfordernd

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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ARD-Börse: Die Luftfahrtbranche in Turbulenzen

Die Billigtochter Eurowings dürfte wegen des harten Wettbewerbs nun die Gewinnschwelle verfehlen und operativ rote Zahlen schreiben, kündigte der Dax-Konzern mit Blick auf 2019 an. Denn Konkurrenten seien bereit, erhebliche Verluste hinzunehmen, um ihre Marktanteile auszubauen. Dies geht auch an Eurowings nicht spurlos vorüber. Die Billigtochter des Konzerns konkurriert auf vielen Strecken mit Anbietern wie Ryanair und Easyjet.

Die Lufthansa-Führung rechnet damit, dass der europäische Markt mindestens bis Ende 2019 so herausfordernd bleibt. Nachdem das Management um Spohr den Ausbau des Flugangebots bei Eurowings für 2019 bereits vor einigen Wochen gestoppt hatte, peilt es nun auch für die Netzwerk-Airlines ein geringeres Wachstum an. Der Umsatz dürfte 2019 in der Folge nur noch im niedrigen einstelligen Prozentbereich zulegen. Bisher hatte das Management ein Plus von 4 bis 6 Prozent im Auge gefasst.

Für den Rückgang sind auch die sinkenden Ticketpreise verantwortlich. Im laufenden zweiten Quartal dürften die Durchschnittserlöse vor allem bei Eurowings „deutlich“ sinken, hieß es. Für das Gesamtjahr geht die Konzernführung dort von einem Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich aus, bei den konzerneigenen Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian sagt das Management währungsbereinigt einen leichten Rückgang voraus.

Wie wird der Markt reagieren?  

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Carsten Spohr. | Bildquelle: picture alliance / dpa

An der Börse reagieren die Investoren gnadenlos: Mit einem Abschlag von mehr als zehn Prozent auf 15,6 Euro fällt das Papier ans Dax-Ende. Bernstein-Analyst Daniel Roseka hatte zuvor bereits heftige Kursverluste prognostiziert, da der Konzern wie schon vor Kurzem schlechte Nachrichten über eine Ad-hoc-Mitteilung verbreiten musste. Der Experte fürchtet, dass mit der Gewinnwarnung das kurzfristige Vertrauen der Investoren verloren gegangen ist. Erst vor wenigen Tagen hatte Spohr der "NZZ" erzählt, es sehe erfreulich aus.    

Angesichts der vielen Probleme dürfte es Lufthansa-Chef Carsten Spohr schwerfallen, bei dem anstehenden Kapitalmarkttag in der kommenden Woche die Gunst der Anleger wieder schnell zu gewinnen. Dazu brauche es mehr als nur einen halbwegs optimistischen langfristigen Ausblick. Auch RBC-Experte Damian Brewer geht davon aus, dass der Aktienkurs wegen des verloren gegangenen Vertrauens weiter sinken dürfte.

ts/dpa-AFX

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Lufthansa Rohrbach Roland I, 1926

Lufthansa Rohrbach Roland I, 1926
In den 20er Jahren war das Fliegen nicht immer besonders bequem, aber dafür recht exklusiv. Nur besonders Vermögende konnten es sich leisten, mit dem Flugzeug zu reisen.