Hapag-Lloyd Container
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Aktie im freien Fall Hapag-Lloyd dampft Gewinnziel ein

Stand: 29.06.2018, 11:28 Uhr

Die gestiegenen Kosten für Treibstoff setzen Hapag-Lloyd zu. Die größte deutsche Reederei rudert daher bei ihrem Gewinnziel zurück. Die Aktie begibt sich auf Tauchstation - nur vorübergehend gestoppt durch eine Handelsaussetzung.

Bislang war der Konzern von "deutlich" steigenden Gewinnen ausgegangen. Doch nunmehr erwartet die Reederei für 2018 lediglich zwischen 200 bis 450 Millionen Euro beim operativen Ergebnis (Ebit). Im vergangenen Jahr hatte Hapag-Lloyd hier noch 410 Millionen erzielt.

Auch beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wird der SDax-Konzern vorsichtiger mit seinen Planungen. Er erwartet lediglich zwischen 0,9 bis 1,150 Milliarden Euro nach 1,054 Milliarden im Vorjahr.

Hapag-Aktie im freien Fall

Die stark gestiegenen Treibstoffkosten lasten auf dem Gewinn der Hamburger Traditionsreederei. Der Preis für Schweröl hat sich innerhalb eines Jahres beinahe verdoppelt. Zudem erholen sich die Frachtraten, also die Preise, die die Reeder für den Transport von Containern verlangen, langsamer als erwartet. Hapag-Lloyd ist auch unsicher, wie sich die Frachtraten in der bevorstehenden "Peak Season" entwickeln.

An der Börse herrscht nach dieser Nachricht das blanke Entsetzen. Die Hapag-Lloyd-Aktie bricht um rund ein Fünftel ein. Zeitweise war die Aktie vom Handel ausgesetzt.

Vorstandschef Rolf Habben Jansen hatte noch Mitte Mai in einem Reuters-Interview die Jahresziele bekräftigt und dabei die sich im weiteren Jahresverlauf erholenden Frachtraten ins Kalkül gezogen. Die ganze Branche hatte Zeichen der Erholung gezeigt nach der Finanz- und Wirtschaftskrise. Doch jetzt signalisiert die Gewinnwarnung: Die Branchenkrise ist nicht so schnell ausgestanden.

Die Krise der Reeder

Die Krise hatte 2008 begonnen. Nach der Finanzkrise brach der Welthandel ein. Obendrein hatten die Reeder viel zu viele Schiffe bestellt. Vor allem die Containerschifffahrt litt unter den hohen Überkapazitäten. In den Folgejahren gab es eine Konzentrationswelle bei den Linienreedereien mit Fusionen, Übernahmen und Insolvenzen.

Viele Reedereien gingen pleite, verschwanden ganz oder landeten bei einem Konkurrenten. Das entspannte die Lage für die übrig gebliebenen. Hapag-Lloyd war nach vier verlustreichen Jahren 2015 dank Einsparungen in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt.

Hoher Schuldenberg

In noch einem Punkt hat sich Hapag-Lloyd verschätzt. Die Reederei hatte gehofft, nach der Fusion mit der arabischen Reederei UASC im März 2017 noch einmal deutlich mehr Kosten einsparen zu können. Doch das reicht nach Unternehmensangaben nicht aus, um die steigenden Ausgaben auszugleichen.

Hapag-Lloyd sitzt durch die Übernahmen - drei Jahre zuvor hatten die Hamburger auch die chilenische CSAV erworben - auf hohen Schulden. In den vergangenen Monaten gelang es zwar, die Verbindlichkeiten durch eine Kapitalerhöhung und die Ablösung teurer Anleihen zu senken. Dennoch steht das Unternehmen noch mit 5,7 Milliarden Euro in der Kreide.

bs

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Die Top-5-Dividendenzahler im SDax Hapag-Lloyd gehört zu den Top-Dividendenaktien im SDax.

Der heimliche Star
Nachdem der SDax erst im Vorjahr die Dividenden-Milliarde geknackt hat, kratzt die Ausschüttungssumme nun sogar an der Zwei-Milliarden-Marke. Damit haben die Small Caps den TecDax überholt. Dafür sind zuvorderst die Sonderdividenden der Großzahler Puma und Sixt verantwortlich.