Franz Haniel
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Verkauf an Investoren Haniel steigt bei Metro aus

Stand: 24.08.2018, 21:42 Uhr

Ende einer Ära beim Handelsriesen Metro: Der langjährige Großaktionär Haniel steht vor dem Ausstieg. Haniel hatte Metro über mehr als 50 Jahre begleitet, zuletzt als größter Einzelaktionär.

Die Duisburger Familienholding verkauft 7,3 Prozent der Metro-Anteile an die EP Global Commerce GmbH (EPGC), eine Gesellschaft, hinter der zwei Investoren aus Tschechien und der Slowakei stehen, teilte Haniel mit. Einer von ihnen ist in Deutschland bereits in der Braunkohle-Förderung engagiert. Die Investoren haben zudem die Option, auch die übrigen 15,2 Prozent der Metro-Anteile im Haniel-Besitz zu erwerben. Beide Parteien wollten sich nicht zum Kaufpreis äußern.

Haniel hatte Metro über mehr als 50 Jahre begleitet, zuletzt als größter Einzelaktionär. Auf die Beteiligung der Duisburger an der Elektronikhandelsholding Ceconomy habe die Transaktion keine Auswirkungen, hieß es weiter. Metro begrüße jeden neuen Aktionär, sagt ein Sprecher der Düsseldorfer. Hinter EPGC stehen die beiden Investoren Patrik Tkac und Daniel Kretinsky. Beide kommen nicht aus der klassischen Handelsbranche.

Call-Option wird wohl ausgeübt

Tkac ist den Angaben zufolge Miteigentümer der J&T Unternehmensgruppe, die überwiegend in der Tschechischen Republik und in der Slowakei tätig ist. Kretinsky ist in Deutschland kein Unbekannter - er kontrolliert den Strom-Versorger EPH. Dieser hatte in der Bundesrepublik die Braunkohlekraftwerke und den Tagebau von Vattenfall übernommen. "Wir sind sehr stolz darauf, die Gelegenheit zu bekommen, ein wichtiger Aktionär der Metro zu werden", erklärte er. Mit Blick auf die Option auf die zweite Tranche der Haniel-Anteile an der Metro "wollen wir die Laufzeit der Call-Option nutzen, um unsere Überzeugung zu bestätigen, dass wir als Aktionäre eine positive Rolle für das Unternehmen spielen und seine zukünftige Entwicklung richtig unterstützen können", betonte er: "Vorbehaltlich bestätigender Ergebnisse beabsichtigen wir, die Call-Option auszuüben."

Zum Handelsriesen Metro gehört neben einem Netz von 760 Großmärkten in Deutschland, Europa und Asien auch die Supermarktkette Real. Der Konzern steuerte zuletzt aufgrund von Problemen in Russland in schwerem Fahrwasser. Umsatz und operatives Ergebnis schrumpften. Metro hatte sich im Sommer vergangenen Jahres mit den Großmärkten und Real vom Elektronikhandel um Media Markt und Saturn abgespalten. Dieser wird nun von der Holding Ceconomy gesteuert. Haniel ist hier mit rund 25 Prozent beteiligt.

Metro und Ceconomy

Metro und Ceconomy. | Bildquelle: Unternehmen, Grafik: boerse.ARD.de

"Die Wertentwicklung ist eine Enttäuschung"

Metro-Chef Olaf Koch wollte mit der Aufspaltung beide Teile schlagkräftiger und für die Investoren attraktiver machen. Dies gelang aber nicht - die Kurse beider Aktien gaben nach der Aufspaltung nach. "Die Wertentwicklung ist eine Enttäuschung, das sieht jeder, der auf den Kurszettel schaut", hatte Haniel-Chef Stephan Gemkow der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Nun geht die Holding bei Metro den Einstieg in den Ausstieg an.

Gemkow hatte in den vergangenen Jahren die Abhängigkeit Haniels vom Handel deutlich gemindert und in anderen Branchen investiert. Metro hatte Haniel in der Vergangenheit nicht immer Freude gemacht. Der Konzern stieg 2012 aus dem Dax ab, Haniel musste damals einen Netto-Verlust von rund 1,9 Milliarden Euro ausweisen, der Löwenanteil stammte aus Abschreibungen auf die Metro-Beteiligung.

rtr