Handelsstreit USA China - Dollar- und Yüan-Schein, darauf ein Boxhandschuh

Neue Hiobsbotschaft von Morgan Stanley Handelskrieg: Droht ein Absturz der Aktienmärkte?

Stand: 12.06.2019, 15:51 Uhr

Die New Yorker Investmentbank Morgan Stanley warnt schon wieder: Sollte es im Handelsstreit zwischen den USA und China zu keiner Einigung kommen, drohe der Weltwirtschaft innerhalb von drei Quartalen die Rezession - und den Aktienmärkten der Absturz.

In einer neuen Studie warnt Morgan Stanley vor den dramatischen Folgen, sollten die die USA und China, immerhin die beiden wichtigsten Volkswirtschaften der Welt, ihren Handelskonflikt nicht beilegen.

Sollte es so weitergehen wie bisher und immer neue Zölle erhoben werden, könnten die Handelsstreitigkeiten die Weltwirtschaft in weniger als einem Jahr in eine eine Rezession stürzen. "Wenn die Gespräche ins Stocken geraten, wird kein Abkommen geschlossen und die USA erheben 25 Prozent Zölle auf die restlichen 300 Milliarden Dollar an Importen aus China. In dem Fall erwarten wir, dass die Weltwirtschaft in Richtung Rezession geht", erklärte Chetan Ahya, Chefökonom und globaler Wirtschaftschef bei Morgan Stanley.

S&P 500 könnte um 16 Prozent fallen

S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 6 Monate
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Ahya warnte daher, Investoren sollten die Auswirkungen des Handelskrieges keinesfalls unterschätzen. Es sei möglich, dass China "nichttarifäre Handelshemmnisse wie Beschränkungen von Käufen" durchsetzt. Auch bestehe die Gefahr, dass Unternehmen die höheren Kosten an die Verbraucher weiter geben müssen.

"Die Anleger scheinen die potenziellen Auswirkungen des Handelsstreits auf die Weltwirtschaft zu übersehen", glaubt Ahya. Der Ökonom rechnet damit, dass der S&P 500, in dem die größten US-Firmen enthalten sind, innerhalb eines Jahres um 16 Prozent auf 2.400 Punkte fallen könnte, weil die Gewinne der Unternehmen zurückgehen werden. Für das Jahr 2021 prognostiziert er einen Rückgang der Firmengewinne um 14 Prozent.

Auch Goldman Sachs betroffen

Besonders betroffen seien Firmen aus der IT- und Konsumgüterbranche, weil sie am globalsten aufgestellt seien und eine Unterbrechung der Lieferketten am ehesten spüren würden. In diesem Fall werde die US-Notenbank Fed ihren Leitzins auf Null senken, um die Folgen der Rezession so weit wie möglich abzumildern.

Auch die Investmentbank Goldman Sachs zeigt sich beunruhigt. Auf Basis einer kürzlich durchgeführten Studie glauben die Analysten der Bank an eine 60 prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die USA Zölle in Höhe von zehn Prozent auf die letzten 300 Milliarden Dollar chinesischer Importe erheben werden.

BIP-Prognose gesenkt

US-Präsident Donald Trump (r.) und der chinesische Präsident Xi Jinping

US-Präsident Donald Trump (r.) und der chinesische Präsident Xi Jinping. | Bildquelle: picture alliance / MAXPPP

"Zusätzliche Tariferhöhungen oder ein pauschaler Tarif auf Auto-Importe sind ebenfalls möglich, aber nicht unser base case", schrieben die Analysten. Die Möglichkeit, dass in diesem Jahr umfassende Strafzölle auf Auto-Importe eingeführt werden, sieht Goldman Sachs aktuell bei 40 Prozent gegenüber 25 Prozent bei der vorherigen Schätzung.

Die Prognose für das US-BIP in der zweiten Jahreshälfte haben die GS-Analysten deshalb um rund 0,5 Prozentpunkte auf nun 2,0 Prozent gesenkt. Dabei erwarteten sie aber, dass sich das Wachstum "im Jahr 2020 moderat erholen wird, wenn die Zölle fallen und sich die finanziellen Bedingungen stabilisieren", erklärte die Bank.

Der Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt hatte sich zuletzt immer weiter hochgeschaukelt. So erhöhte Donald Trump zuletzt die Strafzölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar von 10 auf 25 Prozent.

Aussichten auf Durchbruch gering

Abbau Seltener Erden in China

Abbau Seltener Erden in China. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Peking holte daraufhin unmittelbar zu einem Gegenschlag aus und drohte mit der Verknappung der Seltenen Erden, die insbesondere in der High-Tech-Industrie Anwendung finden. Die USA beziehen stolze 80 Prozent dieser Metalle aus China.

Knapp drei Wochen vor dem mit Spannung erwarteten Treffen von Donald Trump mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping beim G20-Gipfel in Japan am 28. und 29. Juni sind die Aussichten auf einen Durchbruch im Handelsstreit gering. Es seien noch keine großen Vorbereitungen getroffen worden, hieß es in amerikanischen und chinesischen Regierungskreisen. "Die Atmosphäre ist vergiftet", sagte ein hochrangiger westlicher Diplomat aus Peking der Nachrichtenagentur Reuters.

lg/dpa/rtr