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Erste D-Aktie Haier schleppt sich an die Börse

Stand: 24.10.2018, 17:52 Uhr

Zahlreiche chinesische Firmen, die an die Frankfurter Börse gingen, entpuppten sich als Rohrkrepierer. Nun gibt's einen neuen Anlauf für China-Aktien: Mit Haier gibt das erste Unternehmen aus der Volksrepublik sein Debüt an der deutsch-chinesischen Börsenplattform Ceinex. Der Start war verhalten.

Der erste Kurs der Haier-Aktie wurde am Mittwoch mit 1,06 Euro festgestellt - knapp über dem Ausgabepreis von 1,05 Euro. Der chinesische Haushaltsgerätehersteller hatte seine Aktien bei seinem Börsengang nur mit einem kräftigen Abschlag losbekommen. Die 304,75 Millionen sogenannten D-Aktien waren mit 1,05 Euro nahe dem unteren Ende der Preisspanne ausgegeben worden. Zum Xetra-Schluss notierte das Papier genau auf diesem Kurs. Auffällig war, dass der Titel trotz sehr hoher Börsenumsätze über 22 Millionen Euro den ganzen Tag über nicht über den Kurs von 1,06 Euro hinauskam.

Mit der Emission nimmt der Haushaltsgeräte-Hersteller 320 Millionen Euro ein. Haier ist das erste Unternehmen, das rund drei Jahre nach der Gründung der deutsch-chinesischen Börsenplattform Ceinex in Frankfurt ein Zweitlisting erhält. Bislang ist die Haier-Aktie nur in Shanghai notiert.

Wer ist Haier?

Haier ist nicht irgendwer. Das Unternehmen ist der größte Haushaltsgerätehersteller der Welt. Bei der "weißen Waren" haben die Chinesen einen Marktanteil von 13,3 Prozent. Vor über zwei Jahren kaufte Haier die Hausgeräte-Sparte von General Electric (GE) für 5,6 Milliarden Dollar.

Damit wollen die Chinesen ihr "Billig-Image" abstreifen. Mit dem Zukauf stieg Haier in ein höherpreisiges Segment ein.

Geld für Expansion in Europa

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ARD-Börse: Waschmaschinen auf dem Parkett - Börsengang Haier aus China

In Europa ist Haier noch recht wenig bekannt. Der Marktanteil auf dem alten Kontinent liegt gerade mal bei 2,3 Prozent. Das soll sich nach dem Börsengang in Frankfurt ändern. Haier will das Geld aus dem IPO dafür benutzen, die Marke bekannter zu machen und das Wachstum in Europa zu fördern.

Dass Unternehmen der Volksrepublik auch außerhalb Chinas gelistet sind, hat Tradition. Das Land will damit Ausländern ermöglichen, in seine Firmen zu investieren. Sie haben zumeist keinen Zugang zu den "A-Aktien", die an den Börsen in Shanghai oder Shenzhen notiert sind. Daher gibt es "H-Aktien" in der Sonderwirtschaftszone Hongkong, "S-Aktien" in Singapur und "N-Aktien" in New York. Nun sollen "D-Aktien" hinzukommen.

Comeback für China-Aktien?

Auf der deutsch-chinesischen Börsenplattform Ceinex werden künftig in Frankfurt die so genannte D-Shares gelistet. Das "D" steht für das chinesische Wort "déguó", das Deutschland bedeutet. Die Deutsche Börse stellt ihre Technik für Ceinex zur Verfügung und ist mit 40 Prozent an dem 2015 gegründeten deutsch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmen beteiligt.

Die Ceinex will die Fehler der Frankfurter Börse vermeiden, die in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche kleine Unternehmen aus China angelockt hatte, die zumeist in ihrem Heimatland keine Zulassung für die Börse bekommen hatten. Einige von ihnen gingen schnell Pleite, bei anderen verschwand das Geld der neuen Aktionäre plötzlich in dubiosen Kanälen. Unternehmen wie Asian Bamboo, Ultrasonic oder Vtion entpuppten sich als Wertvernichter.

Die an der Ceinex notierten Titel sollten eigentlich in zwei Währungen handelbar sein: in Euro und in Renminbi. Soweit die Theorie. In der Praxis wird es wohl daraus hinauslaufen, dass die China-Aktien nur in Euro gekauft werden können. Um sie in der chinesischen Währung zu erwerben, brauchen Anleger ein Renminbi-Fremdwährungskonto. Das bieten deutsche Banken bislang nicht an. Bei der deutschen Niederlassung der Bank of China können Anleger zwar ein Renminbi-Konto führen, damit allerdings keine China-Aktien handeln.

nb