Mologen Zellkulturen im Labor

Jede Menge Zoff Hände weg von Mologen

Stand: 26.02.2019, 15:02 Uhr

Eigentlich gehören Biopharmaunternehmen zu den Gewinnern im Aktienmarkt. Nicht so die Berliner Firma Mologen. Dort tobt ein erbitterter Machtkampf zwischen verfeindeten Aktionären mit ungewissem Ausgang.

Die jüngste Hiobsbotschaft erreichte die Aktionäre vor zwei Tagen. Darin verkündete die Mologen AG, dass die für den heutigen 26. Februar geplante und vom Großaktionär Deutsche Balaton AG verlangte außerordentliche Hauptversammlung verschoben wird. Begründung: Der größte Einzelaktionär von Mologen, die Global Derivative Trading GmbH ("GDT"), die mehr als 20 Prozent des Grundkapitals hält, habe dies beantragt.

Selbstverständlich ist dies ganz und gar nicht im Sinne der Deutschen Balaton. Die mit sieben Prozent an Mologen beteiligte, in Heidelberg ansässige Beteiligungsgesellschaft hält die Entscheidung für unnötig und rechtlich überprüfungswürdig.

Wie sehr sich die Aktionäre ineinander verhakt haben, zeigt die Forderung einiger Investoren, ein "Kopfgeld" auf Mologen-Aufsichtsratschef Oliver Krautscheid auszusetzen, falls er das Unternehmen verlässt. Ein ungewöhnlicher Vorgang, der bei jedem rechtschaffenen Aktionär die Alarmglocken schrillen lassen dürfte.

Mologen-Aktie ist im Keller

Auf der nun abgesagten außergewöhnlichen Hauptversammlung sollte Mologen-Gründer Burghardt Wittig gegen Krautscheid antreten und ihn möglichst an der Spitze des Aufsichtsrats ersetzen. Krautscheid gilt in den Augen vieler Anleger als "Firmenzerstörer". Tatsächlich ist die Mologen-Aktie seit Krautscheids Berufung zum Aufsichtsratschef im Sommer 2014 von gut 10 Euro auf unter einen Euro im vergangenen Sommer eingebrochen, ein Minus von über 90 Prozent. Nur ein Kapitalschnitt im Verhältnis 1:5 im August letzten Jahres beendete das Pennystock-Dasein von Mologen. Seither notiert die Aktie wieder im einstelligen Euro-Bereich.

Dabei hat das Unternehmen nach eigener Aussage in der Forschung neuer Immuntherapien, besonders gegen Darmkrebs, durchaus Fortschritte vorzuweisen. Das Therapeutikum Lefitolimod ist sein Hauptentwicklungsprodukt und wird derzeit in einer Phase III-Studie getestet. Mit ersten Ergebnissen wird in den kommenden Monaten gerechnet, zwischen Sommer und Ende des Jahres, verkündete Mologen.

Irreführende Aussage?

Anleger halten diese Aussage für irreführend. Vielmehr narre Mologen seit 20 Jahren den Kapitalmarkt mit irreführenden Erfolgsmeldungen zur Krebsforschung, ohne bis heute nachweisbare Ergebnisse hervorgebracht zu haben. Mit der Aussicht auf Forschungserfolge locke das Unternehmen aber "Spekulanten und Börsenhallodris" wie Markus Frick und Florian Homm an, um den Kurs in die Höhe zu treiben. Beide waren an Mologen beteiligt oder haben einst für die Aktie geworben. 

Und heute? Im September hat Mologen eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Dabei wurden insgesamt rund 1,7 Millionen neue Aktien zu einem Bezugspreis von 4,70 Euro ausgegeben. Damit erhöhte sich das Grundkapital der Gesellschaft auf rund 9,3 Millionen Euro. Der Emissionserlös von 8,2 Millionen Euro soll zur Finanzierung klinischer Studien verwendet werden.

Verbessertes Ergebnis

Zudem versichert Mologen in einer Mitteilung, dass die Finanzierung des Unternehmens "voraussichtlich bis Mitte 2019" gesichert sei. Im Rahmen eines Lizenzvertrags für China habe Mologen eine erste Zahlung von drei Millionen Euro erhalten. Auch sei eine neue Pflichtwandelanleihe ohne Bezugsrecht für die Aktionäre mit einem Gesamtnennbetrag von zwei Millionen Euro ausgegeben worden.

Das Betriebsergebnis (Ebit) verbesserte sich in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres und erreichte inklusive der ersten Lizenzzahlungen minus 8,8 Millionen Euro, nach minus 14,5 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Bizarrer Streit

Hört sich eigentlich nicht schlecht an, wäre da nicht der bizarre Streit der Aktionäre und der Verdacht, der größte Einzelinvestor, GDT, werde auf Kosten der anderen Anleger bevorzugt. Der Frankfurter Finanzdienstleister MainFirst, der das Unternehmen beobachtet, zeigt sich von diesen Querelen unbeeindruckt und empfiehlt die Mologen-Aktie zum Kauf. Fairer Wert: 16,90 Euro, bei einem derzeitigen Kurs von 4,30 Euro.

Privatanleger sollten sich von solch leuchtenden Aussichten nicht blenden lassen. Solange in dem Unternehmen keine Ruhe einkehrt, gilt die Empfehlung: Hände weg von Mologen.

lg