H & M- Inhaber Karl-Johan Persson und sein Vater Stefan Persson mit Frauen

Nach dem Pulli-Debakel H&M – zerbricht jetzt das Familienimperium?

von Angela Göpfert

Stand: 31.01.2018, 08:00 Uhr

Rassismus-Vorwürfe, schlechte Zahlen, Kurssturz der Aktie: Das Milliardenimperium H&M wackelt, Rufe nach dem Rücktritt des Chefs werden laut. Doch der dürfte so schnell nicht gefeuert werden – das müsste nämlich der Papi machen...

Stefan Persson ist ein Mann, der viele Gesichter hat: Unternehmerlegende, reichster Mann Schwedens, Aufsichtsratschef von H&M und Vater von Karl-Johan Persson – seines Zeichens wiederum Enkel des Firmengründers und Vorstandsvorsitzender von H&M.

Falsche Prioritäten?

Nicht wenige Branchenkenner sehen in dieser Vermischung von Interessen eine der Ursachen für die aktuellen Probleme des Modekonzerns.

Stellt Stefan Persson als Aufsichtsratschef die Familieninteressen über die Interessen des Konzerns und seiner Mitarbeiter? Hätte er seinen Sohn Karl-Johan Persson nicht längst das Vertrauen entziehen und einen neuen Chef an der Spitze von H&M installieren müssen?

Schmallippige Entschuldigung

Fakt ist: Ein Kurssturz von mehr als 50 Prozent binnen nur drei Jahren hat in der schnelllebigen Welt börsennotierter Konzerne schon so manchen Vorstandsvorsitzenden zu Fall gebracht.

Doch in Stockholm ticken die Uhren offenbar anders. Da reichen eine schmallippige Entschuldigung des Firmenchefs und die Einstellung der Werbekampagne, um den Aufsichtsratschef nach dem Pulli-Debakel zu besänftigen.

Schwarzer Junge in grünem Kapuzenpullover mit Aufdruckt

Das Foto des Anstoßes. | Bildquelle: H&M, Montage: boerse.ARD.de

Gigantischer Imageschaden

Dass durch das völlig inakzeptable Foto mit dem dunkelhäutigen Jungen im grünen Pulli, auf dem "Coolest Monkey in the Jungle" steht, ein gigantischer Image-Schaden entstanden ist, der die Marke H&M weltweit in Verruf und den Aktienkurs noch weiter in Bedrängnis gebracht hat – geschenkt!

"Wir sind alle nur Menschen", erklärte Stefan Persson jüngst lapidar. Als Papa weiß er überdies um die Gefühlslage seines Sohnes nach der Skandalkampagne: "Natürlich berührt ihn das, aber ich glaube, er ist weiterhin voller Enthusiasmus und Kraft."

Eine echte Kämpfernatur

Diese Führungseigenschaften dürften selbst Außenstehende dem H&M-Chef zugestehen. Karl-Johan Persson ist bekannt dafür, dass er nicht gerne verliert, sei es in der Geschäftswelt, beim Tennis oder beim Kegeln.

Ist nicht der Typ, der schnell aufgibt: H&M-Chef Karl-Johan Persson. | Quelle: picture-alliance/dpa

Und doch verliert H&M an der Börse, an der bekanntlich die Zukunft gespielt wird, auf voller Linie. Und das nicht erst seit der Skandalkampagne, sondern bereits seit Jahren.

Managementversagen auf ganzer Linie

Der Hintergrund sind heftige Managementfehler: Unter der Führung von Karl-Johan Persson hat H&M das Problem der Marktsättigung auf seinen Kernmärkten übersehen und den Trend zum Onlineshopping verschlafen.

Zu lange setzte H&M auf den Ausbau physischer Filialen unterschiedlicher Marken wie H&M, COS, Weekday und H&M Home. Zu halbherzig erfolgte der Einstieg in den digitalen Verkauf. Heute, im Jahr 2018, hat H&M Filialen in 69 Ländern. Doch nicht in allen Ländern können Kunden auch online bestellen. Das soll sich bis 2020 ändern.

Menschentraube mit Schirmen vor einem H&M-Shop in China

Alle Nase lang findet eine H&M-Filialeröffnung statt. Doch die Zukunft spielt im Internet. | Quelle: Unternehmen

Probleme über Probleme

Ein weiteres großes Problem ist der lange Lieferweg von den Produktionsstätten in Fernost. Dieser macht den Konzern unbeweglich für neue Modetrends und die kurzfristige Anpassung der Bestellmengen. Goldman Sachs rechnete vergangenes Jahr vor, dass es bei H&M doppelt so lange dauert, bis die Mode im Laden liegt, wie bei Zara.

Angesichts der Vielzahl der Herausforderungen, vor denen H&M steht, ist Joakim Bornold, Analyst bei der schwedischen Investmentbank Nordnet, überzeugt: "Es ist jetzt ein guter Zeitpunkt, den Chef auszutauschen."

"Nicht sonderlich objektiv"

Doch damit das passiert, muss es H&M wohl noch viel, viel schlechter gehen. Oder was meinen Sie, Herr Persson Senior?

»Ich weiß, als Papa von Karl-Johan klinge ich nicht sonderlich objektiv, aber als Hauptaktionär bei H&M kann ich mir keinen besseren Chef vorstellen. Auch im Hinblick auf unsere Pläne für die Zukunft.«

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H&M: Aus der schwedischen Provinz an die Spitze der Welt Die Geschichte hinter der bekannten Marke

 H&M-Gründer Erling Persson

Ein Visionär
1946 bereiste der Schwede Erling Persson die USA. Zurück kam er mit einer ebenso simplen wie genialen Idee: ein Damenmodegeschäft für günstige Kleidung.