Crash

Börsen-Korrektur gibt Pessimisten Auftrieb Gute Zeiten für Crash-Propheten

von Notker Blechner

Stand: 10.12.2018, 15:00 Uhr

Wenn es an den Börsen kracht und die Kurse einbrechen wie zuletzt, dann haben die Panikmacher wieder Hochkonjunktur. Sie warnen vor der nächsten großen Krise. Meist liegen die Crash-Propheten aber genau so falsch wie die Dauer-Optimisten.

Dax

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Einst posierte er vor den Kameras, wenn der Dax hoch- oder runterging, nun warnt er vor dem schlimmsten Crash seit Jahrzehnten. "Mister Dax" Dirk Müller ist zur Kassandra der Börsenexperten geworden. Seit Monaten beschwört er den Weltuntergang. Auf Anlegermessen oder auf Konferenzen klagt er über die größte Blase der Wirtschaftsgeschichte, die Verschuldung in China, die bald zu platzen drohe.

Dirk Müller: Arche Noah für die drohende Sintflut

Dirk Müller an der Frankfurter Börse

Dirk Müller. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Inzwischen hat "Mister Dax" sogar seine eigene Show "Lasst den Bullen los" und tourt quer durch Deutschland. Ein Bulle ist Müller freilich schon lange nicht mehr. Der ehemalige Aktienhändler gehört zum Lager der Bären - und giftet gegen die Börsen-Optimisten. Seinen "Dirk Müller Premium Aktien Fonds" preist er als "Arche Noah" für die nahende Sintflut.

Seine Shows in kleinen und mittelgroßen deutschen Städten locken Hunderte enttäuschte Sparer und Kleinaktionäre an, die Dirk Müller zujubeln. "Der Mann hat den Mut, Klartext zu reden", loben sie.

Max Otte

Max Otte. | Bildquelle: Unternehmen

Auch ein anderer "Krisenprophet" steht hoch im Kurs: Max Otte. Der Börsenprofessor  tingelt auf Seminartour quer durch die Republik. Otte hatte mit seinem Buch "Die Weltwirtschaftskrise kommt" die Finanzkrise 2007/2008 vorausgesagt. Danach war er ein begehrter Gesprächsgast in den Talkshows. Bis er öffentlich seine Sympathie zur AfD bekannte. Seither sieht man Otte nur noch selten im Fernsehen. Otte selbst beteuert, er sei kein Crash-Prophet. Von 2008 bis Anfang 2018 habe er zu Aktien geraten. "Erst seit diesem Jahr bin ich wieder bearish."

Krall warnt vor dem "Draghi-Crash"

Markus Krall

Markus Krall. | Bildquelle: goetzpartners

Vor dem "Draghi-Crash" warnt Unternehmensberater und Risikomanager Markus Krall. Zombiefirmen würden durch den Nullzins und den schwachen Euro künstlich am Leben gehalten. "Diese Unternehmen müssen ihre Kapitalkosten nicht mehr verdienen, weil die Refinanzierung so unglaublich günstig ist." Sobald aber die EZB die Zinsen auch nur minimal erhöhe, würden viele der "Zombie-Unternehmen" pleite gehen und die Banken mit in den Abgrund reißen, da es zu massiven Kreditausfällen käme. "Die EZB steckt in der Falle."

John Mauldin

John Mauldin. | Bildquelle: Unternehmen

Besonders schwarz für die Zukunft sieht der US-Finanzexperte John Mauldin. Wegen der rasant gestiegenen Verschuldung weltweit rechnet er Anfang der nächsten Dekade mit dem großen Knall und dem Reset. In den USA sei inzwischen das Verhältnis von Unternehmensschulden zur Wirtschaftskraft heute höher als frühere Spitzenwerte zu Beginn des Jahrtausends und vor zehn Jahren. Damals folgten Rezessionen, und teils heftige Börsenkorrekturen, sagt Mauldin. Das drohe auch dieses Mal. "Die nächste Krise kann am Markt für US-Hochzinsanleihen ausbrechen, auch wenn ich es für möglich halte, dass der Startschuss für die Talfahrt anderswo fällt, etwa in Italien", prophezeite Mauldin jüngst auf der Investmentkonferenz von Lupus Alpha. "Die Aktienkurse könnten sich halbieren.".

Oft liegen die Untergangspropheten daneben

Ob "Mister Dax" Dirk Müller, Max Otte, Markus Krall oder John Mauldin - die Crash-Propheten genießen gerade in turbulenten Börsenzeiten wie diesen besondere Aufmerksamkeit. Denn wenn ihre Prognosen beginnen wahr zu werden, werden sie ernst genommen.

Freilich: Müller, Otte, Krall & Co haben in den letzten Jahren immer wieder einen Crash prophezeit. Damit lagen sie lange daneben - genau so wie unverwüstliche Daueroptimisten. Haben sie doch einmal recht wie eben Otte, zehren sie jahrelang von diesem Erfolg. Irrtümer lassen sich dann eher entschuldigen.

"Panik ist ein gutes Geschäft"

Manche Börsianer haben durchaus auch Interesse daran, dass Krisenstimmung oder gar Panik herrscht. Davon profitieren Leerverkäufer, die auf fallende Kursen. "Die Panik ist ein gutes Geschäft", sagte einst der legendäre Börsen-Altmeister André Kostolany. Allerdings wäre es unfair, solche heimliche Interessen den oben genannten Crash-Propheten zu unterstellen. Müller, Otte & Co sind keine Leerverkäufer.

Tatsächlich mehren sich inzwischen aber auch von seriösen Quellen Hinzeichen auf eine größere Kurskorrektur. So hat Albert Edwards, Aktienstratege von der Société Générale, einen dramatischen Absturz beim Smart-Money-Index festgestellt. Nach seinem Höchststand von 20.757 Punkten im Januar ist er auf knapp über 12.800 Zähler abgestürzt. Einen solchen Einbruch gab es in der Geschichte des seit 1932 ermittelten Frühindikators noch nie.

Smart Money Flow Index

Smart Money Flow Index. | Bildquelle: Bloomberg, Grafik: boerse.ARD.de

Großer Pessimismus der Wall-Street-Börsianer

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Schon jetzt hat sich die Börsenstimmung deutlich eingetrübt. Laut der neuesten Ausgabe der "Finanzwoche" ist vor allem der Pessimismus an der Wall Street deutlich gewachsen. Noch nie seit der Finanzkrise seien Hedgefonds so stark short gewesen wie aktuell. Und: "Die Aktienberater erwarten mit über 41 Prozent eine Marktkorrektur", schreibt die "Finanzwoche". Das sei ein guter Kontra-Indikator und deute auf eine baldige Kurserholung hin.

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Alternativen für die Baisse Übersicht

<strong>Anleihen</strong><br/>Die klassische Assetklasse neben dem Aktienmarkt ist traditionell der Rentenmarkt. Anleihen von Staaten mit hoher Bonität werfen freilich in der Niedrigzinsphase weiterhin nur dürre Renditen ab. Etwas höher sind die potenziellen Erträge bei Unternehmensanleihen, die man am besten im großen Stil über einen Fonds wie den von Blackrock kauft. Hier versammeln sich die Papiere von Großkonzernen mit überwiegend hoher Kreditwürdigkeit wie Walmart, AT&T oder auch Bertelsmann. : Kursverlauf am Börsenplatz Fonds für den Zeitraum 5 Jahre

Anleihen
Die klassische Assetklasse neben dem Aktienmarkt ist traditionell der Rentenmarkt. Anleihen von Staaten mit hoher Bonität werfen freilich in der Niedrigzinsphase weiterhin nur dürre Renditen ab. Etwas höher sind die potenziellen Erträge bei Unternehmensanleihen, die man am besten im großen Stil über einen Fonds wie den von Blackrock kauft. Hier versammeln sich die Papiere von Großkonzernen mit überwiegend hoher Kreditwürdigkeit wie Walmart, AT&T oder auch Bertelsmann.