Nächtlich erleuchtetes ProSiebenSat1-Gebäude München/Unterföhring
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ProSieben-Aktie auf Vier-Jahres-Tief Große Sorgen bei ProSieben

Stand: 29.08.2017, 09:47 Uhr

Der TV-Werbemarkt ist denkbar schwach, die Werbegelder fließen ins Internet. ProSiebenSat.1 schwächelt daher, hält aber an den Jahreszielen fest. Die Börse ist skeptischer, die Aktie bricht ein.

Das Fernsehwerbegeschäft läuft schlechter als gedacht. Die bisherigen Erwartungen für die deutschsprachigen Kanäle für das laufende dritte Quartal würden daher wohl nicht erreicht, teilte der Dax-Konzern gestern nach Börsenschluss mit. Demnach wird in dem Bereich ein Umsatzrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet. Vor einem Jahr betrug der Umsatz 472 Millionen Euro.

Konzernweit sollen die Erlöse aber dank der Digital- und Produktionsgeschäfte im dritten Quartal steigen. Die Steigerung dürfte auch hier im mittleren einstelligen Bereich liegen, hieß es. Im dritten Quartal 2016 lag der Umsatz bei 857 Millionen Euro.Beim bereinigten Ebitda wollen die Münchener erneut in etwa 202 Millionen Euro erzielen.

Den Ausblick für das Gesamtjahr 2017 bestätigte ProSieben zwar. Der Umsatz soll 2017 weiterhin im Vergleich zum Vorjahreswert von 3,8 Milliarden Euro mindestens im hohen einstelligen Prozentbereich steigen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll ebenfalls zulegen. Hier hatte der Konzern im vergangenen Jahr 1,02 Milliarden Euro erreicht. ProSieben setzt auf ein gut laufendes Digitalgeschäft und auf eine Erholung der TV-Werbung zum Jahresende hin. Doch Skepsis ist auch hier hörbar. Das Management erwartet den deutschen TV-Werbemarkt im Jahr 2017 nur noch auf Vorjahresniveau.

ProSieben will den Wandel

ProSiebenSat.1 will nun die Konzernstruktur unter die Lupe nehmen, um sich besser auf den Wandel der Medienlandschaft auszurichten. Denkbar ist eine Kombination der TV-Aktivitäten mit den Online-Unterhaltungsplattformen zu einer Unterhaltungssparte. Hiervon verspricht sich das Management mittelfristig spürbare Einsparungen.

Unter anderem mit Blick auf das Produktionsgeschäft gebe es Überlegungen, Investoren ins Boot zu holen. Denkbar sei auch, einzelne Bereiche an die Börse zu bringen. Normalerweise reagieren Investoren positiv auf solche Pläne.

ProSieben-Aktie unter Druck

An der Börse hörte man aber ausschließlich die skeptischen Töne. Die Aktien gerieten zum Börsenstart unter Druck. Mit minus 15 Prozent waren ProSieben-Aktien die größten Verlierer im Dax.

"Schlecht - allerdings nicht ganz unerwartet", kommentierte denn auch ein Händler die negativen Signale des Konzerns zum aktuellen TV-Werbegeschäft. Analystin Lisa Yang von Goldman Sachs strich ihre Empfehlung. "Schwache TV-Werbung scheint ein strukturelles Problem zu sein. Werbebudgets wandern in die neuen Medien ab", fügte der Börsianer an. Als leicht positiv wertet der Händler dagegen Überlegungen, unter anderem mit Blick auf das Produktionsgeschäft Investoren ins Boot zu holen oder einzelne Bereiche an die Börse zu bringen.

Anleger sind schon länger skeptisch. Die Aktie notiert nun auf dem tiefsten Stand seit vier Jahren. Der Kurs fiel heute zeitweise bis auf 27,86 Euro und unterbot damit noch das Zwischentief vom November vorigen Jahres. Die Verluste in diesem Jahr summieren sich nunmehr auf mehr als 20 Prozent, womit die Aktie auch in dieser Betrachtung zu den schwächsten Werten im Dax gehört.

bs