Angeleuchtetes Zalando-Paket

Großaktionär versilbert Anteile Kasse machen mit Zalando

Stand: 17.09.2019, 09:24 Uhr

Das dürfte sich gelohnt haben: Der schwedische Großinvester Kinnevik hat einen Teil seiner Zalando-Aktien verkauft und damit mehr als eine halbe Milliarde Euro eingenommen. Für den Rest der Anleger bedeutet das erst einmal: Deutliche Kursverluste.

Die Aktie des Online-Modeverkäufers rutscht zum Handelsbeginn am Dienstag erst einmal in die Nähe des Preises, den Kinnevik für seine 13,13 Millionen Zalando-Aktien erzielt hat, dieser lag bei 42,50 Euro. Über die Investmentbanken Goldman Sachs und Credit Suisse wurden die Anteile bei institutionellen Investoren platziert. Die Schweden bezifferten den Bruttoerlös aus der Platzierung auf 558 Millionen Euro.

Beim Einstieg dürfte das Paket deutlich günstiger gewesen sein. Denn Kinnevik war 2010 bei Zalando eingestiegen, vier Jahre vor dem Börsengang. Beim IPO im Oktober 2010 wurden die Aktien schließlich zu 21,50 Euro zugeteilt, bereits zu diesem Zeitpunkt dürfte der Investor dick in der Gewinnzone gewesen sein.

Zalando-Posten wurde zu groß

Kinnevik reduziert seinen Anteil an dem Berliner Unternehmen mit der Platzierung von 31 auf 25,8 Prozent, bleibt aber mit Abstand größter Aktionär. Laut der Beteiligungsgesellschaft will man mit dem Anteilsverkauf bei Zalando stärker das eigene Portfolio diversifizieren. Zalando habe sich zum größten Posten im Kinnevik-Portfolio entwickelt. "Die Entscheidung, einen kleinen Teil unserer Beteiligung abzustoßen, steht im Zusammenhang mit unserem Ehrgeiz, unser Investitionstempo aufrechtzuerhalten und damit unser Portfolio in Richtung eines größeren Anteils von nicht-börsennotierten Firmen weiterzuentwickeln", sagte Kinnevik-Chef Georgi Ganev.

Dass Zalando bei Kinnevik der größte Posten wurde, liegt vor allem an der stürmischen Kursentwicklung bei dem MDax-Mitglied. Seit Jahresbeginn hatten sich die Papiere von rund 22 auf zuletzt mehr als 45 Euro glatt verdoppelt. Das Unternehmen hatte im laufenden Geschäftsjahr mit einer überraschend guten Geschäftsentwicklung aufgewartet. Die Zahl der aktiven Kunden erhöhte sich allein in den Monaten April bis Juni um gut 15 Prozent auf 28,3 Millionen. Die Anzahl der Bestellungen zog sogar um fast ein Viertel auf 36,1 Millionen an. Im zweiten Quartal wurde das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) von 94 Millionen auf 101,7 Millionen Euro gesteigert, was deutlich über den Analystenerwartungen lag.

Ein Mode-Milliardär und viele Finanzinvestoren

Nach Kinnevik ist der dänische Unternehmer und Milliardär Anders Holch Povlsen mit derzeit 10,15 Prozent der Anteile zweitgrößter Einzelaktionär. Povlsen ist neben Zalando auch am Bekleidungshersteller Jack & Jones und am schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna beteiligt.

Zu den Großinvestoren bei Zalando gehören auch die britische Gesellschaft Baillie Gifford 7,32 Prozent, die US-Vermögensverwaltung T. Rowe Price (4,98 Prozent), die US-Fondsgesellschaft Vanguard (2,98 Prozent) und Allianz Global Investors (2,96 Prozent). Die Gründer von Zalando halten derzeit zusammen nur noch 3,62 Prozent. Und die ehemalige Muttergesellschaft Rocket Internet mit den Samwer-Brüdern ist über ihre Gesellschaft Zerena nur noch mit knapp fünf Prozent an Zalando beteiligt.

AB