Susanne und Jan Klatten
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Aktien für eine halbe Million nachgekauft Großaktionär gibt Nordex Rückenwind

Stand: 04.04.2018, 16:53 Uhr

Einst war Nordex ein Liebling der TecDax-Anleger. Seit 2016 ist aber der Kurs der Öko-Firma um fast 80 Prozent abgestürzt. Am Mittwoch erholt sich die Wind-Aktie ein bisschen - dank Jan Klatten, dem Ehemann der reichsten Frau Deutschlands.

Der Großaktionär hat es kurz nach Ostern richtig krachen lassen: Gut 500.000 Euro hat Jan Klatten, Aufsichtsrat von Nordex und Ehemann von Quandt-Erbin Susanne Klatten, über sein Investment-Vehikel Momentum Capital in den Kauf von Nordex-Aktien investiert. Damit hält das Ehepaar Klatten nun zusammen 5,5 Prozent an dem Windanlagenbauer.

Aktien springen hoch

Die massiven Aktienkäufe von Klatten sind ein starkes Signal. Sie ermutigen auch andere Anleger, wieder auf Nordex zu setzen. Die Aktien des gebeutelten Windanlagenbauers springen um knapp sieben Prozent nach oben und sind mit Abstand größter TecDax-Gewinner.

Der Abwärtstrend bleibt aber intakt. In den letzten beiden Jahren haben die Öko-Aktien rund 76 Prozent eingebüßt. In der vergangenen Woche rutschten sie mit 6,86 Euro auf den tiefsten Stand seit dem Sommer 2013.

Mainfirst: Boden erreicht

Mainfirst-Analyst Iwan Tjutjunnikow sieht nun den Boden erreicht. Das aktuelle Kursniveau preise die schlimmstmögliche Geschäftsentwicklung in Deutschland und den USA ein, schrieb der Experte in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Er stufte die Aktie von "Underperform" auf "Neutral" hoch - mit einem Kursziel von 8,50 Euro.

Der Windanlagenbauer durchlebt momentan eine schwierige Phase. Der wichtige deutsche Markt ist nach den eingeführten Auktionsverfahren regelrecht eingebrochen. Seit dem vergangenen Jahr erhält derjenige Anbieter den Zuschlag bei Ausschreibungen, der die geringste Vergütung verlangt. Deutschland ist mit knapp 30 Prozent vom Umsatz für Nordex einer der wichtigsten Märkte. Auch der Ausflug in andere Märkte wie Indien erwies sich als Enttäuschung.

Wegen des schwachen Deutschlands-Geschäfts schrumpften bei Nordex die Aufträge im vergangenen Jahr um rund ein Drittel auf 2,2 Milliarden Euro. Umsatz und operatives Ergebnis nahmen deutlich ab, obwohl Nordex mehr Turbinen installierte als im Vorjahr. Der Hamburger Windanlagenbauer hielt sich mit 0,3 Millionen Euro nur knapp in der Gewinnzone.

Wende erst 2020

2018 rechnet der neue Nordex-Chef Jose Luis Blanco mit einem Nettoverlust. Erst 2020 sieht der Spanier ein Ende der Flaute, insbesondere in Deutschland. 2018 und 2019 betrachtet Blanco als "Übergangsjahre". Zwar expandiert Nordex zunehmend in andere Märkte, darunter auch außerhalb Europas, trotzdem bleiben die Hamburger stark abhängig vom deutschen Markt.

Blanco setzt auf Kostensenkungen und neue effizientere Windturbinen. Den Einstieg ins Offshore-Geschäft und in den chinesischen Markt lehnt er ab - wie seine Vorgänger.

nb