Wolfgang Grenke

Sondergutachten soll Vorwürfe ausräumen Grenke geht in die Gegenoffensive

Stand: 18.09.2020, 16:38 Uhr

Der Leasingkonzern Grenke will die gegen ihn von einem bekannten Leerverkäufer erhobenen Vorwürfe mit einem Sondergutachten von KPMG entkräften lassen. Die Behauptungen entbehrten jeder Grundlage, betonten die Grenke-Manager. Sie wehren sich gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard.

."Wir sind ehrbare Kaufleute", sagte Grenke-Vorstandsvorsitzende Antje Leminsky am Freitag bei einer Pressekonferenz. Sie wies die Anschuldigungen erneut kategorisch zurück: "Hier ist völlig grundlos ganz viel Porzellan zerschlagen und Vertrauen verloren worden. Dieses Vertrauen wollen wir zurück."

Die Leasingfirma Grenke will deshalb die massiven Vorwürfe des britischen Investors Fraser Perring mit einer Sonderprüfung aus dem Weg räumen. "Aufgrund der Schwere der Anschuldigungen hat der Vorstand dem Aufsichtsrat vorgeschlagen, ein Sondergutachten erstellen zu lassen", teilte Grenke am Freitag in Baden-Baden mit. Damit das schnell geht, habe der Aufsichtsrat um den ehemaligen Dresdner-Bank-Vorstand Ernst-Moritz Lipp den Wirtschaftsprüfer KPMG damit beauftragt, der auch die Grenke-Bilanz prüft.

Perring, der mit Leerverkäufen auf einen Kursverfall der Grenke-Aktie setzt, wirft dem Unternehmen in einem 64 Seiten umfassenden Report Betrug, Bilanzfälschung und Geldwäsche vor.

Aktien drehen ins Plus

Börsianer sind weiter verunsichert: Die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie drehten nach der Ankündigung der Sonderprüfung zeitweise ins Minus, erholten sich aber wieder. Sie waren nach der Veröffentlichung der Analyse von Perrings Firma Viceroy auf eine beispiellose Talfahrt gegangen, ehe sie sich am Donnerstag erholten. Seit Dienstag hat Grenke dennoch mehr als ein Drittel seines Börsenwerts verloren.

Das Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit dem Verleih von IT und anderen Technologie-Produkten an kleine und mittlere Firmen sowie mit verwandten Dienstleistungen. "Wir sind ehrbare Kaufleute", betonte Leminsky. "Wir verwehren uns gegen jegliche Vergleiche mit Wirecard." Perring war einer der ersten Kritiker des im Juni in einem Bilanzbetrugs-Skandal zusammengebrochenen Zahlungsabwicklers. Auch bei der Aufdeckung der Bilanzbetrügereien beim Möbelkonzern Steinhoff tat er sich hervor. Andere Angriffe mit Leerverkäufen gegen Firmen wie Ströer und ProSiebenSat.1 verpufften allerdings.

"Kein Loch in der Kasse"

Grenke legte am Freitag erstmals eine umfassende Replik auf die Anschuldigungen vor. Zunächst hatte das Unternehmen nur die Behauptung Perrings zurückgewiesen, dass ein wesentlicher Teil der liquiden Mittel in der Bilanz nicht existiere, und auf die Konten bei der Bundesbank und deutschen Großbanken verwiesen. Finanzchef Sebastian Hirsch bekräftigte gegenüber den Analysten: "Es gibt kein Loch in der Kasse. Jeder einzelne Cent unserer Liquidität ist belegbar, nachweisbar und real existent."

In die Kritik geraten war auch die Gepflogenheit von Grenke, neue Regionen erst mit Franchisenehmern aufzubauen und diesen die neuen Unternehmen nach einigen Jahren abzukaufen. Dass die jungen Firmen wenig zum Ergebnis beitrügen, sei falsch, hieß es in der Stellungnahme. Grenke habe seit 2011 rund 100 Millionen Euro für die Übernahmen bezahlt - allein im vergangenen Jahr hätten diese aber einen Rohgewinn von 112 Millionen Euro beigesteuert.

nb/ rtr