Konzernzentrale der Grammer AG
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Kräftemessen auf der Hauptversammlung Grammer: Zwischen Chinesen und Bosniern

Stand: 13.06.2018, 17:57 Uhr

Auf der heutigen Hauptversammlung des Oberpfälzer Autozulieferers Grammer sorgt der umstrittene Großaktionär Hastor für Wirbel - und muss zunächst eine Niederlage einstecken. Doch auch das Kaufangebot der Chinesen sorgt für wenig Begeisterung.

Die von Hastor beantragte Absetzung von Grammer-Aufsichtsratschef Klaus Probst wurde jedenfalls abgeschmettert. Erst danach, am Nachmittag begann dann die Aussprache über das Übernahmeangebot des chinesischen Autozulieferers Jifeng für Grammer und die Entwicklung des Unternehmens. Die Kleinanleger des Autozulieferers sehen das Übernahmeangebot aus China nicht so rosig. "Die Aktionäre sind nicht besonders glücklich über diese Wendung", sagte Günther Hausmann von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Vorstandschef Hartmut Müller hatte bei den in Amberg versammelten Aktionären um Vertrauen für Jifeng geworben. Das chinesische Unternehmen hält bereits 26 Prozent der Anteile und hat Grammer zugesichert, seine unternehmerische Eigenständigkeit, die Standorte und die 15.000 Arbeitsplätze zu erhalten. Müller erhofft sich von Jifeng die Sicherung der Wachstumsstrategie und der Kundenbeziehungen.

Keine Beteiligung der chinesischen Regierung

Im Gespräch mit der "FAZ" hatte Müller bereits für die Chinesen geworben und die Angst vor einer Ausplünderung des Unternehmens zurückgewiesen. "Wir haben uns sehr viel Mühe gegeben, um zu erfahren, mit wem wir es zu tun haben", sagte der Firmenchef der Zeitung. "Natürlich haben wir uns gefragt, wie die Anteilsaufstockung finanziert wird und ob die Finanzierung gesichert ist, allein schon, um unserer Sorgfaltspflicht nachzukommen." Diese Fragen seien geklärt. Die Chinesen wollen nach der Hauptversammlung ein Übernahmeangebot vorlegen, mit dem Ziel, mehr als 50 Prozent der Stimmrechte zu erlangen. Die Vermutung, hinter Jifeng stecke die chinesische Regierung, wies Müller zurück: "Unserer Kenntnis nach gibt es keine Beteiligung der chinesischen Regierung an Ningbo Jifeng."

Hastor ist noch unbeliebter

Anfang Juni hatte die Bayerische Staatsregierung trotz genereller Skepsis gegenüber Firmenkäufen durch Chinesen grünes Licht für das vor zwei Wochen bekannt gewordene Übernahmeangebot des Investors Ningbo Jifeng gegeben.

Denn führende Vertreter der deutschen Autoindustrie haben den Bayern klar gemacht, dass ein maßgeblicher Einfluss von Hastor auf Grammer von Nachteil für die Geschäftsbeziehungen haben werde. Mit anderen Worten, drohten BMW, Mercedes und Audi Kopfstützen, Mittelkonsolen und Sitze künftig woanders zu kaufen, wenn Grammer von Hastor übernommen werden sollte. Hastor-Firmen hatten mit einem Lieferstopp im Herbst 2016 VW-Werke lahmgelegt und prozessieren zur Zeit mit Daimler.

Höheres Angebot gefordert

Weil Grammer und die bayerische Staatsregierung aber der Meinung sind, dass das Unternehmen einen Ankerinvestor braucht, haben sich beide auf die Seite des chinesischen Unternehmers Ningbo Jifeng geschlagen. Grammer-Betriebsratschef Lars Roder würde nach eigener Aussage unter den jetzigen Bedingungen einen Einstieg der Chinesen und einen Ausstieg Hastors begrüßen.

Trotzdem entsteht der Eindruck, dass Grammer vor die Wahl gestellt wurde, zwischen Pest und Cholera wählen zu müssen. Nun hat die von der bosnischen Familie Hastor kontrollierte Investmentgesellschaft Cascade das Angebot der Chinesen von 61,25 Euro je Aktie aber als zu niedrig kritisiert. Sie hält 19 Prozent an Grammer. Wegen des angekündigten Zukaufs eines Zulieferers in den USA ergäben sich weitere Ergebnispotenziale, so dass ein Aktienwert von rund 100 Euro als realistisch anzusehen sei, erklärte Cascade.

Zuletzt ist der Kurs von Grammer auf 63,70 Euro gestiegen. Die Aktionäre spekulieren damit offenbar auf ein höheres Angebot. Die Chinesen haben sich bisher dazu nicht geäußert.

lg