Grammer-Chef Hartmut Müller
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Nach Übernahme durch Grammer-Vorstand macht Schluss

Stand: 25.09.2018, 08:29 Uhr

Überraschung nach der geglückten Übernahme durch den chinesischen Partner Jifeng. Der gesamte Vorstand des Autozulieferers geht. Über die Gründe darf gerätselt werden.

Sowohl der seit 2010 amtierende Vorstandschef Hartmut Müller also auch seine beiden Kollegen Gerard Cordonnier (Finanzen) und Manfred Pretscher (Technik) wollen ihre Ämter niederlegen, teilte das Unternehmen mit rund 13.000 Mitarbeitern am späten Montagabend in Amberg mit. Aufsichtsratschef Klaus Probst hat bereits die Nachfolgersuche eingeleitet und betonte, dass die mit Ningbo geschlossenen Vereinbarungen mit Garantien für Standorte und Arbeitsplätze erhalten blieben.

Weggang nach dem Sieg

Ende August hatte Grammer den Erfolg der monatelangen Übernahmeschlacht um das Unternehmen vermeldet. Die - eigentlich gewünschte - Übernahme durch Jifeng war das Ziel von Vorstand und Aufsichtsrat: "Wir sind erleichtert, dass es so gekommen ist. Es ist jetzt eine positive Situation für uns, da wir unsere Strategie fortsetzen können, wie wir es wollen", so Vorstandschef Hartmut Müller. Vor allem die Übernahme durch den ehemaligen Großaktionär Hastor sollte damit vereitelt werden.

Offenbar sieht das Management für sich selbst jedoch keine Zukunft in der Weiterführung der Arbeit im aus China kontrollierten Unternehmen. Womöglich hat Jifeng auch Druck auf die Führungsriege bei Grammer ausgeübt und plant nun auch personell neu in dem Konzern. Oder aber der Hastor-Clan hatte den Austausch des Vorstands zur Bedingung für den Verkauf seiner Beteiligung gemacht?

Aktie verunsichert


Jifeng hält nach Abschluss der Übernahme Ende August 84,23 Prozent an Grammer. Anfang August hatte das SDax-Unternehmen mitgeteilt, dass der frühere Großaktionär Hastor seine Beteiligung nahezu komplett verkauft hat und Jifeng die Übernahme geglückt ist. Zum damaligen Zeitpunkt hielt das chinesische Unternehmen 74 Prozent der Aktien.

Die Grammer-Aktie, die bis vor kurzem noch im Nebenwerteindex SDax notiert hatte, pendelt seit Monaten um die Marke von 52 Euro. Durch die Verunsicherung nach der heutigen Nachricht dürfte der Titel am Morgen ein wenig unter Druck geraten.

AB