US-Drohne MQ-9 Reaper

Das Pentagon sucht Künstliche Intelligenz Googles Geschäfte mit dem Krieg

von von Thomas Spinnler

Stand: 24.04.2018, 06:50 Uhr

„Don’t be evil“: So lautet Googles Motto - außer du verdienst daran, müsste man hinzufügen. Der Technologiekonzern arbeitet gemeinsam mit dem Pentagon daran, Künstliche Intelligenz für die Drohnen-Kriegführung zu nutzen. Einige Mitarbeiter revoltieren.

Geschäfte mit dem Pentagon sind äußerst lukrativ. Das Verteidigungsministerium verfügt in diesem Jahr über ein sagenhaftes Budget von 700 Milliarden Dollar – ein Rekord. Die klassische US-Rüstungsindustrie sichert sich seit Jahrzehnten einen großen Teil des Kuchens und verdient glänzend daran. Für die enge Verzahnung von Industrie, Politik und Militär verwendet man immer mal wieder den vom US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower in den 60er Jahren populär gemachten Begriff „Militärisch-Industrieller Komplex“. Sehen wir gerade das Entstehen eines „Militärisch-Technologischen Komplexes“?    

Huntington Ingalls Flugzeugträger USS Gerald R. Ford

Huntington Ingalls Flugzeugträger USS Gerald R. Ford: Milliardenaufträge für die Rüstungsindustrie. | Bildquelle: Imago

Denn weil die Kriegführung immer modernere Technologien nutzt, hat auch das Silicon Valley erkannt, dass sich das Geschäft mit dem Krieg, oder mit dem Kampf gegen den Terror, lohnt. Und das heißeste Thema der Zeit, das den Technologie-Diskurs bestimmt, ist die sogenannte Künstliche Intelligenz.

Ein neues Wettrüsten

Auch für das Pentagon. Das „Project Maven“, das „Algorithmic Warfare Cross-Functional Team“, arbeitet schon seit Frühjahr 2017 daran. In einem Memo des Departement of Defense (DoD) vom 26. April 2017 heißt es dazu, das DoD müsse Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen effektiver in die Operationen integrieren, um eigene Vorteile über immer stärker werdende Gegner und Wettbewerber aufrecht zu erhalten.

Googles Konzernmutter Alphabet unterstützt das Pentagon dabei. Mit Hilfe von Googles Erfahrungen und Technologien zur Künstlichen Intelligenz sollen Drohnenbilder analysiert, Objekte erkannt und klassifiziert werden. Denn die bereitgestellte Datenmenge der Drohnenflotte dürfte längst so hoch sein, dass menschliche Experten die Flut nicht mehr bewältigen können. Deshalb benötigt das Militär Maschinenintelligenz. Man sei mitten in einem Wettrüsten, lässt sich Colonel  Drew Cukor, der Chef des Algorithmic Warfare Cross-Function Teams, zitieren. Auch die fünf großen Internet-Konzerne verfolgten das Thema mit Hochdruck, weiß Cukor.

Pentagon - Hauptsitz des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums

Das Pentagon: Hier sucht man fieberhaft nach Künstlicher Intelligenz. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Künstliche Intelligenz" ist flexibel verwendbar…

Bekannt wurde die Zusammenarbeit im März dieses Jahres durch eine Veröffentlichung des Technologie-Blogs Gizmodo. Wie Gizmodo schreibt, soll Google allerdings nicht selbst und nicht direkt an der Datenanalyse von geheimem Material beteiligt sein. Trotzdem trifft es sich gut, dass der ehemalige Alphabet-Chef Eric Schmidt mittlerweile Vorsitzender des „Defense Innovation Board“ ist. Das Komitee berät das DoD in technologischen Fragen wie Drohnenkrieg, Software oder Künstlicher Intelligenz. Smith ist immer noch Teil des Aufsichtsrats bei Alphabet.

Google Bayview Campus

Google Bayview Campus: Echo aus alten Hippie-Tagen. | Bildquelle: NBBJ/Google

Alle Maschinen sind moralisch indifferent – aber nicht alle Menschen. Bei Googles Belegschaft regt sich Widerstand. Oft wird behauptet, dass die Tech-Elite aus dem Silicon Valley ihre Wurzeln in der kalifornischen Hippiebewegung hat. Die Welt besser machen, war die Utopie der damaligen Zeit. „Sei nicht böse“ lautete früher das Geschäftsprinzip Googles, vielleicht ein Echo aus alten Tagen. Einige Mitarbeiter scheinen sich daran zu erinnern.

… menschliche Intelligenz nicht immer

Eric Schmidt

Eric Schmidt: "Sei nicht böse". | Bildquelle: (c) dpa

Mit einem offenen Brief an den Vorstandschef Sundar Pichai wehren sich rund 3.000 der 70.000 Google-Mitarbeiter gegen die Verbindung mit dem Pentagon und berufen sich auf das Geschäftsmotto. Dieser Plan werde die Marke Google und die Fähigkeit im Wettkampf um Talente irreparabel beschädigen: „Wir glauben, dass Google nicht Teil des Kriegsgeschäfts sein soll.“ Sie verlangen, das Projekt sofort zu stoppen.       

In einer Stellungnahme Googles zum offenen Brief heißt es, es sei ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur Mitarbeiter zu beschäftigen, die die Arbeit des Konzerns aktiv begleiten: „Wir wissen, dass es diesbezüglich viele offene Fragen gibt und die Gespräche mit Mitarbeitern und Experten sind höchst wichtig und segensreich.“ Google weist darauf hin, dass die Technologie vor allem Leben schützen soll.

Rendite mit gutem Gewissen?

Google-Chef Sundar Pichai

Google-Chef Sundar Pichai mag aktive Mitarbeiter. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Googles altes Motto "Sei nicht böse" findet sich noch in Googles Corporate Code of Conduct. Nach der Restrukturierung unter dem Namen Alphabet im Jahr 2015 wurde es jedoch für Alphabet vom Sinnspruch "Tue das Richtige" abgelöst. Was böse ist und was nicht, mag oft eine Frage des Standpunkts sein. Auf jeden Fall ist der Begriff moralisch aufgeladen. Was hingegen richtig ist, lässt sich leicht bestimmen, da es dem Daseinszweck eines Unternehmens entspricht: Richtig ist das Geschäft, das den meisten Profit verspricht.