Handelssaal der deutschen Börse
Audio

Zusammenarbeit beschlossen Google und Deutsche Börse - Traumpaar oder Datenkrake?

von Konrad Busen

Stand: 18.09.2019, 18:29 Uhr

Der Frankfurter Börsenbetreiber Deutsche Börse plant eine Zusammenarbeit mit Google. Man will die riesigen Datenmengen der Börse besser nutzen. Aber es gibt auch Sicherheitsbedenken.

Transparenz schaffen, kontinuierliche Kontrollen, Datenspeicherung nur auf Servern in bestimmten Regionen, etwa in Frankfurt oder Zürich. Es ist als ob der Manager der Deutschen Börse möglichen Kritikern laut und deutlich den Wind aus den Segeln nehmen möchte.

Also Leuten die fürchten: Eine Zusammenarbeit vom wichtigsten deutschen Finanzmarkt-Betreiber mit der Alphabet-Tochter Google … kann das gut gehen?

Von Google lernen

Ziel ist, „gemeinsam Angebote für die Finanzmarktindustrie im Bereich Datenschutz und Datensicherheit zu entwickeln.", sagt der verantwortliche Manager Christoph Böhm von der Deutschen Börse dem "Handelsblatt".

Außerdem will die Börse von Google lernen, die riesigen Datenmengen besser zu nutzen, die über die Server der Börse täglich verarbeitet werden. Sicherheitsbedenken, auch zum Standort der Google-Server, versuchen die beiden Unternehmen zu zerstreuen. 

Die Deutsche Börse sagt, die Cloud sei wichtig, die Kunden fragten das nach und in Deutschland gebe es einfach keinen vergleichbaren Anbieter. Mit Microsoft arbeitet die Deutsche Börse deswegen bereits zusammen. Und um nicht zu sehr von einem Anbieter abhängig zu sein, jetzt also auch eine Zusammenarbeit mit Google.

Daten intelligent nutzen

Böhm erklärt die Ziele des Dax-Unternehmens. Interne Prozesse der Börse über die Cloud zu digitalisieren, zu standardisieren, damit also auch billiger zu machen. Außerdem will die Deutsche Börse die riesigen Datenmengen, die jeden Tag über ihre Server laufen, besser, intelligenter nutzen, besser vermarktbar machen. 

Und in dem Geschäft, also wie man Kundendaten nutzt und vermarktet, da sei Google ja der Front-Runner. Eines der innovativsten und fantasiereichsten Unternehmen der Welt.

Hilfe für die Kunden, Finanzaufsicht wird prüfen

Die gewonnenen Daten sollen der Börse auch erlauben, ihren Kunden, vor allem Großanlegern, passgenaue Instrumente für den Wertpapierhandel zu liefern, auch zur besseren Vorhersage von Kursbewegungen und für die Steuerung von Geldanlagerisiken.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Finanzaufsicht sich die Zusammenarbeit genau ansieht, ist doch die Börse verpflichtet, allen Marktteilnehmern gleiche Markt- Bedingungen zu bieten.

Dass die Börse die Daten ihrer Kunden den USA ausliefert, diesem Argument halten die verantwortlichen Manager entgegegen:  Wer will, kann seine Cloud-Daten in Europa speichern lassen. Und überhaupt: Google gebe an US Behörden angeblich  nur Daten heraus, wenn das ein ordentliches Gericht in den USA mit ordentlichen rechtlichen Gründen verlange.

Aktie auf Rekordhoch

Im Dax gehört das Papier der Deutschen Börse schon lange zu den Lieblingen der Anleger. Die Aktie ist nicht nur in einem mehrjährigen Aufwärtstrend, vor allem in diesem Jahr rennt sie von einem Rekordhoch zum nächsten. Heute wurden 140,10 Euro im Handelsverlauf erreicht, der Schlusskurs lag bei 139,25 Euro um 0,14 Punkte höher. Die Aktie steigt demnächst in den europäischen Auswahlindex Euro Stoxx 50 auf.