Apple iPhone vor einem Bildschirm mit Google-Maps-Stadtplan von Berlin

Gemeinsame Schnittstelle Google und Apple: Im Corona-Kampf vereint

Stand: 14.04.2020, 08:31 Uhr

Die Virus-Pandemie macht es möglich: Die Erzrivalen wollen eine Schnittstelle einrichten, mit der die beiden Systeme der Smartphone-Giganten verbunden werden können. Ziel ist es Informationen über Corona-Infektionen auszutauschen.

Eine plattformübergreifende Kooperation der beiden US-Konzerne mit einem gemeinsamen Ziel: Das hat Seltenheitswert im Wettbewerb um Kunden und Marktanteile im hart umkämpften Smartphone-Markt. Google, das mit seinem Betriebssystem Android knapp 80 Prozent des Marktes beherrscht und Apple, das mit seinem iOS-System fast für den gesamten Rest des Marktes steht, sind die unumschränkten Herrscher über die Smartphone-Welt in Sachen Software.

Um die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu kontrollieren ziehen Apple und Google nun an einem Strang: Die Unternehmen wollen die Entwicklung von Apps zur Nachverfolgung von Corona-Infektionen erleichtern. Sie setzen dabei auf das Erkennen von Abständen mit Bluetooth-Funktechnik und Verschlüsselung. Das iOS-Betriebssystem von Apples iPhones und das Google-System Android sollen entsprechende Schnittstellen bekommen. Das Konzept sieht vor, dass Smartphones unabhängig vom verwendeten Betriebssystem temporäre Identifikationsnummern austauschen können, so dass die Privatsphäre der Anwender gewahrt bleibt.

Konkurrenz zur europäischen Initiative?

Damit ähnelt das Konzept der beiden Konzerne dem Ansatz der paneuropäischen Initiative PEPP-PT, die von 130 Wissenschaftlern und Entwicklern aus acht europäischen Ländern vorgestellt wurde. Apple und Google wollen die Kontaktdaten aber nur auf den Smartphones der Anwender speichern, nicht auf einem zentralen Server. Erst wenn jemand mit Covid-19 positiv getestet wurde, werde die Information an einen Server übertragen, wenn der Betroffene dem zustimme.

Die anderen Smartphones rufen bei diesen Konzept regelmäßig eine Liste der anonymisierten IDs der Erkrankten ab, um zu sehen, ob sie selbst Kontakt mit einer infizierten Person hatten. Google und Apple und Google wollen dabei unter anderen sicherstellen, dass der ständige Austausch der ID-Nummern die Batterielaufzeit der Geräte nicht erheblich verkürzt. In einem ersten Schritt werde im Mai eine Programmierschnittstelle (API) veröffentlichen, die die Zusammenarbeit zwischen Android- und iOS-Geräten unter Verwendung von Apps der Gesundheitsbehörden ermöglichen. Diese offiziellen Apps würden den Benutzern über ihre jeweiligen App-Stores zum Download zur Verfügung stehen.

Im Betriebssystem fest verdrahtet

In einem zweiten Schritt werden die beiden Unternehmen "in den kommenden Monaten" daran arbeiten, eine umfassendere, Bluetooth-basierte Plattform zur Nachverfolgung von Kontakten zu ermöglichen. Diese Funktionalität würde dann direkt in das Betriebssystem, also iOS und Android, integriert. Darüber hinaus werde die Interaktion mit einem breiteren Ökosystem von Apps und staatlichen Gesundheitsbehörden möglich. Apple und Google wollen den Programmcode der Initiative zur freien Einsicht veröffentlichen, um möglichst viel Vertrauen zu schaffen. Die Firmen betonten, bei dem Projekt würden keine Benutzer identifiziert und keine Ortungsdaten verwendet. "Google und Apple sehen nicht, wer krank oder wer gesund ist", heißt es von den Unternehmen. Die Bluetooth-IDs sollen dabei alle 15 Minuten geändert werden, um ein umfassendes Tracking der Personen technisch unmöglich zu machen.

Google und Apple könnten die Funktionalität in den Betriebssystemen auch wieder deaktivieren, wenn sie in bestimmten Regionen der Welt nicht mehr benötigt werde. "Wir alle bei Apple und Google glauben, dass es nie einen wichtigeren Moment gegeben hat, um gemeinsam an der Lösung eines der dringendsten Probleme der Welt zu arbeiten", heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

AB/dpa