Huawei P8 Smartphone
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Folgen von Trumps Schwarzer Liste Zerstört Google das Smartphone-Geschäft von Huawei?

Stand: 20.05.2019, 07:34 Uhr

Paukenschlag auf dem Smartphone-Markt: Google friert laut Medienberichten die Geschäftsbeziehungen zu Huawei ein. Ab sofort wird der chinesische Smartphone-Hersteller keine Android-Updates mehr erhalten. Auch andere US-Konzerne sollen am Bann teilnehmen.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Kreise berichtet, die mit der Angelegenheit betraut sind, haben auch Chiphersteller wie Intel, Qualcomm oder Broadcom angeordnet, Huawei vorerst nicht mehr zu unterstützen.    

Die Google-Mutter Alphabet hat nach Angaben aus Firmenkreisen ebenfalls Teile ihrer Geschäftsbeziehungen zum Netzwerkausrüster Huawei eingestellt, nachdem die US-Regierung den chinesischen Konzern auf eine Schwarze Liste gesetzt hat. Damit ist es US-Firmen untersagt, ohne Genehmigung der Regierung Geschäfte mit dem Smartphone-Hersteller zu tätigen. Betroffen sei der Transfer sowohl von Bauteilen als auch von Programmen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters.

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Was nützt ein Smartphone ohne aktuelles Betriebssystem?

Huawei, das auch Handys herstellt, wird demnach ab sofort keine Updates für das Betriebssystem Android erhalten. Ausgenommen von den Maßnahmen sind allerdings alle Programme mit veröffentlichtem Quelltext (Open Source).

Was kann man dann mit einem Huawei-Smartphone noch anfangen? Die nächste Generation der Huawei-Handys soll nach Angaben des Insiders keinen Zugang zum Google-Email-Anbieter Gmail und zur App-Plattform Google Play Store erhalten. Allerdings würden Details der Maßnahmen nach Angaben der Quelle noch Google-intern diskutiert. Am Freitag hatte ein Huawei-Sprecher erklärt, Anwälte des Konzerns untersuchten derzeit die Auswirkungen als Unternehmen der Schwarzen Liste geführt zu werden.

Aktuell belegt Huawei auf dem globalen Smartphone-Markt vor Apple und hinter Samsung den zweiten Rang. Huaweis Smartphone-Absätze stiegen von 39,3 Millionen Geräten im ersten Quartal 2018 auf 59,1 Millionen Auslieferungen im ersten Quartal 2019. Damit erreiche Huawei einen Marktanteil von 19 Prozent, zeigen aktuelle Daten der Marktforscher von IDC und Strategy Analytics. Apples Marktanteil betrage derzeit knapp 12 Prozent, Samsung liege bei 23,1 Prozent.

Huawei-Shop in Nanning, Südwestchina

Huawei. | Bildquelle: Imago

Nationaler Notstand in der Telekommunikation

US-Präsident Trump hatte am Mittwoch Unternehmen seines Landes per Dekret die Nutzung von Telekommunikationstechnik untersagt, die als Risiko für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten eingestuft wird. Dazu rief er einen nationalen Notstand in der Telekommunikation aus.

Huawei gilt als Hauptziel dieser Maßnahme. Das Unternehmen ist einer der weltweit größten Telekommunikations- und Netzwerkausrüster und kritisierte die „unangemessenen Beschränkungen“. Die Technik des Konzerns spielt auch beim Aufbau von 5G-Mobilfunknetzen eine wichtige Rolle, die wiederum einer Reihe von Schlüsseltechnologien wie vernetzten Fabriken oder autonomen Fahrzeugen den Weg bereiten sollen.

Donald Trump unterschreibt

Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Einfallstor für Spionage?

Die USA befürchten, dass Huawei-Technik ein Einfallstor für chinesische Spionage und Sabotage sein könnte. Vor allem auf Betreiben der USA stuften zuletzt mehrere Länder das Unternehmen als potenzielle Gefahr für die Cybersicherheit ein. Auch in Deutschland wird über eine mögliche Beteiligung des chinesischen Unternehmens am Ausbau des 5G-Netze kontrovers diskutiert.

Huawei selbst verweist immer wieder auf seine Unabhängigkeit vom chinesischen Staat. Das Vorgehen gegen Huawei findet vor dem Hintergrund des Handelskonflikts zwischen China und den USA statt. Das Handelsministerium in Peking warnte vor einer Verschlechterung der bilateralen Handelsbeziehungen.

ts