Internet

Die Raumkapsel Dragon V2 von SpaceX im Orbit

Eine Milliarde für die "All"macht Google ganz spacig

Stand: 21.01.2015, 13:43 Uhr

Jetzt ist es offiziell: Google steigt bei der Raumfahrt-Firma SpaceX ein und nimmt dafür eine Milliarde Dollar in die Hand. Der Konzern hat dabei aber keineswegs die Raketen von SpaceX im Sinn, eher schon Allmachtsphantasien.

Zweiter neuer Geldgeber ist der Finanzinvestor Fidelity. Auch der Silicon-Valley-Milliardär Peter Thiel hat in das Projekt investiert. Die Großaktionäre halten zusammen knapp zehn Prozent der Anteile. Damit wird SpaceX insgesamt mit rund zehn Milliarden Dollar bewertet. Nach bisherigen Informationen soll Google vor allem an den Plänen von SpaceX für ein System zur Internet-Versorgung mit Hilfe eines Netzes aus hunderten Satelliten interessiert sein. Sie sollen eine schnelle und günstige Online-Anbindung liefern.

Wie Facebook arbeitet Google daran, die Milliarden Menschen in Entwicklungsländern ins Netz zu bringen. Dafür will der Internetkonzern unter anderem Antennen auf Ballons in der Stratosphäre einsetzen.

Große Pläne von Elon Musk

Das passt zu den Plänen von SpaceX-Gründer Elon Musk, der auch hinter dem Elektroauto-Pionier Tesla steht. Entwickelte seine Firma bislang Raketen, will er nun ein Netz aus hunderten tieffliegenden Satelliten zur günstigen Internet-Versorgung aufbauen. Das könnte laut Medienberichten rund zehn Milliarden Dollar kosten und fünf Jahre dauern. Aktuell ist die US-Raumfahrtagentur NASA der größte Auftraggeber von SpaceX.

Bereits Skybox gekauft

SpaceX entwickelte bisher Raketen. Das könnte der zweite wichtige Grund für Google sein, bei der Firma einzusteigen. Der Internet-Konzern kaufte im vergangenen Jahr bereits die Firma Skybox, deren Satelliten Fotos und Video-Aufnahmen in hoher Auflösung von der Erdoberfläche machen sollen. SpaceX könnte Google helfen, die Skybox-Satelliten günstiger ins All zu bringen. Bisher muss Google die Satelliten-Aufnahmen für seine Kartendienste dazukaufen, die Qualität des Material schwankt.

Google verfolgte bislang ein eigenes Satelliten-Projekt. Nach dem Weggang des federführenden Managers Greg Wyler werde nun aber eine Alternative gesucht, schrieb "The Information". Wyler wiederum kündigte jüngst ein eigenes Internet-Satellitenprojekt mit dem Namen OneWeb an, das unter anderem vom Chipkonzern Qualcomm unterstützt wird. Er habe ebenfalls über eine Kooperation mit SpaceX verhandelt, die Gespräche seien jedoch gescheitert, berichtete das "Wall Street Journal".

Mehrheit bleibt ohne Internetzugang

Auch Facebook schwebt zur Internet-Versorgung in Entwicklungsländern ein System mit Satelliten und Antennen auf Drohnen vor. Im Rahmen der Initiative Internet.org arbeitet das weltgrößte Online-Netzwerk bereits mit Telekom-Unternehmen zusammen.

Google und Facebook verweisen darauf, dass bisher die Mehrheit der Weltbevölkerung noch nicht online ist. Nein, das ist kein altruistischer Zug, es geht um Milliarden neuer Kunden, die Milliarden Dollar wert sind.

bs/lg

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Das Alphabet-Universum Diese Unternehmen gehören zur Google-Mutter

Glasfaserkabel

Access & Energy
In einigen Regionen der USA betreibt das Unternehmen Access & Energy mit dem Projekt "Fiber" ein symmetrisches Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz. Aus über 1.100 Bewerbern wählte damals Google, bis 2015 noch für das Projekt zuständig, Kansas City als erste Gemeinde aus, in der der Aufbau der teilweise experimentiellen Breitbandinternet-Infrastruktur beginnen sollte. Danach war "Fiber" in mehreren US-Städten verfügbar.

Experten zweifeln an dem Projekt. Auch Alphabet schien nicht immer überzeugt zu sein, 2016 forderte der Mutterkonzern Google Fiber auf, 500 der 1.000 Mitarbeiter zu entlassen - nach einem Quartalsverlust von 280 Millionen Dollar. In einigen Städten blamierte sich "Fiber" wegen nicht funktionierender Technik oder dem Fakt, dass kaum Haushalte ans Netz angeschlossen wurden. Das Projekt ist allerdings noch aktiv, erst kürzlich wurde bekannt, dass Google Fiber in Carrboro/North Carolina ein solches Netz aufbauen will.