Kaputte Scheibe einer Sparkassenfiliale

US-Investmentbank will deutsche Sparer Goldman Sachs startet Frontalangriff auf Sparkassen

von von Angela Göpfert

Stand: 15.05.2018, 09:48 Uhr

Nach den USA und Großbritannien nimmt die Investmentbank Goldman Sachs nun auch das Privatkundengeschäft in Deutschland ins Visier. Das ist eine Revolution.

Bisher bearbeitet Goldman in Deutschland vom Frankfurter Messeturm aus vor allem Dax-Konzerne und professionelle Investoren. Doch das soll sich jetzt ändern. Europachef Richard Gnodde kündigte in der "Financial Times" an, dass Goldman Sachs seine Online-Banking-Plattform "Marcus" nach dem Start in Großbritannien auch nach Deutschland bringen werde. Als Einstiegsprodukt sollen zunächst nur Sparkonten angeboten werden.

Ein mutiger Schachzug, gilt doch der deutsche Markt angesichts der Dominanz der Sparkassen und Genossenschaftsbanken als schwierig. Zwar schrumpfte die Anzahl ihrer Filialen laut Bloomberg-Berechnungen 2017 um mehr als sechs Prozent auf 20.976. Doch damit stehen sie immer noch für rund zwei Drittel des gesamten Marktes.

Wer oder was ist "Marcus"?

"Marcus" ist die neue Online-Plattform von Goldman Sachs für Privatkunden. Benannt ist sie nach dem Firmengründer Marcus Goldman. 2016 in den USA gestartet, bot sie zunächst nur Verbraucherkredite an. Später kamen auch Sparkonten hinzu, die mit 1,6 Prozent relativ hoch verzinst sind. Im Juni soll Marcus auch in Großbritannien starten. Dort geht die Plattform den umgekehrten Weg: Zuerst will sie nur Sparkonten anbieten, das Kreditgeschäft soll frühestens 2019 folgen. Ein Datum für den Deutschland-Start steht noch nicht fest.

Apple-Kreditkarte als Kundengarant?

Wie also will Goldman Kunden gewinnen in einem Land, das gefühlt bis in den hintersten Winkel mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken zugepflastert ist? Ganz einfach: Indem man sich auf die mobile Kundschaft konzentriert – und das teure, unrentable Filialgeschäft außen vor lässt.

In diese Strategie passt denn auch der jüngste Schachzug der Amerikaner. Laut dem "Wall Street Journal" plant Goldman Sachs eine gemeinsame Kreditkarte mit Apple. Die Karte könnte schon 2019 auf den Markt kommen – und "Marcus" so Millionen von neuen Kunden bescheren.

Kreditkarte mit Logos von Apple Pay und Goldman Sachs

So könnte sie aussehen, die neue Apple/Goldman Sachs-Kreditkarte. | Bildquelle: colourbox, Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Revolution an der Wall Street

Es ist eine strategische Kehrtwende sondergleichen, die Goldman Sachs damit aktuell vollzieht. Fast schon eine Revolution. Schließlich hatte sich die amerikanische Investmentbank in ihrer fast 150-jährigen Firmengeschichte zuvor ausschließlich den Finanzmärkten und der Vermögensverwaltung für reiche Klienten gewidmet.

Trotzdem gilt die Öffnung des als elitär geltenden Wall-Street-Hauses für Kleinsparer vielen Bankenexperten als ein notwendiger Schritt, sprudeln doch die Erträge im Investmentbanking schon lange nicht mehr so sehr wie einst.

Marcus Goldman

Marcus Goldman, Gründer des Geldhauses - und Namensgeber der neuen Online-Plattform. | Bildquelle: Goldman-Sachs

Nicht alle Kunden sind erwünscht

Das Timing für den Einstieg ins Privatkundengeschäft könnte dennoch besser sein. Die Niedrigzinsphase neigt sich ihrem Ende zu. Mit den Zinsen steigt aber auch das Kreditausfallrisiko.

Vornehme Zurückhaltung ist da geboten: Goldman-Europachef Gnodde sagte der "Financial Times", man werde sich auf das obere Ende des Kreditmarktes konzentrieren. Private Kunden mit schlechter Bonität – das will Goldman Sachs dann doch nicht.