David Solomon als DJ

Wachwechsel an der Wall Street Goldman Sachs: Jetzt macht's ein DJ

von von Lothar Gries

Stand: 28.09.2018, 06:45 Uhr

Er ist einer der dienstältesten Banker der Wall Street – und einer der Wenigen, die sogar die Finanzkrise überlebt haben: Lloyd Blankfein, Chef von Goldman Sachs, tritt am 30. September ab. Er übergibt er die Geschäfte an David Solomon. Doch wer ist der Neue, der in seiner Freizeit als DJ D-Sol in den Clubs von Williamsburg an den Reglern steht?

Der 56-Jährige gilt in der elitären Welt der New Yorker Investmentbanker als eine Art Quereinsteiger. Reine Fachidioten haben es zwar an der Wall Street noch nie zu etwas gebracht, doch David Solomon ist dabei doch eine Ausnahme: Statt auf einer der großen Eliteunis wie Harvard oder Berkeley zu studieren, entschied sich Solomon für das kleine Hamilton College im Bundesstaat New York, das eher dafür bekannt ist, Dichter wie Ezra Pound und Schauspieler hervorzubringen, als Banker.

Goldman Sachs-Zentrale in New York

Goldman Sachs-Zentrale in New York. | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

Tatsächlich studierte Solomon Kunst- und Politikwissenschaften, statt wie die meisten seiner Bankkollegen Wirtschafts- oder Finanzwissenschaften. Dennoch ging er bereits als 20-Jähriger in die Finanzindustrie. Diese Welt habe ihn schon immer fasziniert, sagte Solomon auf einer Veranstaltung 2015. Die Kapitalmärkte spiegelten wider, wie die Welt sich insgesamt verändere und wie die Menschen mit diesen Veränderungen umgehen. Auch habe ihm sein allgemeinbildendes Studium dabei geholfen, mit unterschiedlichen Menschen kommunizieren zu können, beharrlich zu sein und auch Mal Dinge zu hinterfragen.

Leiter der Junkbond-Abteilung

Zunächst heuerte Solomon bei der New Yorker Bank Irving Trust an, bevor er 1986 zur legendären Investmentbank Drexel Burnham Lambert wechselte. Sie ist in die Annalen eingegangen als die Erfinderin von Ramschanleihen ("Junkbonds"), diese hochverzinsten, aber hoch riskanten Schuldverschreibungen maroder Unternehmen, die zur Finanzierung von Übernahmen ausgegeben wurden.

Spekulationen mit diesen Papieren wurden schließlich Drexel selbst zum Verhängnis. Die Bank musste Anfang 1990 Bankrott anmelden, weil sich ihr damaliger Abteilungsleiter Michael Milken mit den von ihm erfundenen Wunderprodukten verzockt hatte. Solomon schreckte das jedoch nicht ab. Er zog weiter zum Konkurrenten Bear Stearns. Dessen Chef, Michael Garstin, frohlockte damals: "Wir bedauern es, Drexel untergehen zu sehen, aber es hilft, unsere eigene Position zu stärken." Solomon stieg zum Leiter der Junkbond-Abteilung auf.

David Solomon, Goldman Sachs

David Solomon. | Bildquelle: Imago, Bearbeitung: boerse.ARD.de

Viel vom Glanz eingebüßt

1999 schließlich wechselte er zu Goldman - und das gleich als Partner. Seit 2006 leitet er die Sparte Investmentbanking, also das Kerngeschäft des Konzerns. Ab ersten Oktober soll er nun Lloyd Blankfein als Bankchef ablösen. Mit 56 Jahren war seit vier Jahrzehnten kein Chef älter als er bei Antritt als Goldman-Sachs-Chef. 2019 wird er dann zusätzlich auch Chairman, gemäß der amerikanischen Tradition, in der die Trennung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat unbekannt ist.

In seinem Job wartet viel Arbeit auf Solomon, hat doch die Wall Street seit der Finanzkrise viel von ihrem Glanz eingebüßt. Junge ehrgeizige Führungskräfte zieht es längst zu den Tech-Giganten nach Kalifornien. Zudem hat Goldman Sachs seinen Nimbus als Speerspitze der weltweiten Investmentbranche verloren. Längst muss sich die Bank ihren Platz in der ersten Reihe mit Konkurrenten wie JPMorgan oder Morgan Stanley teilen.

Zu abhängig vom Kapitalmarkt

Schlimmer noch: Nachdem Goldman im vergangenen Jahr schlechter abgeschnitten hatte als die anderen Wall-Street-Banken, kritisierten Investoren, die Bank setze zu stark auf das schwankungsanfällige Handelsgeschäft. Bereits unter Blankfein hat Goldman deshalb begonnen, ihre Abhängigkeit von den Kapitalmärkten zu reduzieren. Sie viel dafür stärker im Massengeschäft mit gewöhnlichen Kunden auftreten. Bislang allerdings mit mäßigem Erfolg. Beim Umbau helfen soll nun das gemeinsame Projekt einer Kreditkarte mit Apple, die 2019 in den USA auf den Markt kommen soll.

Zudem hat Solomon damit begonnen, die Führungsriege der Bank mit Vertrauten zu besetzen. So wird Finanzchef Martin Chavez mit Wirkung vom 5. November durch Stephen Scherr ersetzt. Darüber hinaus soll Solomons langjähriger Weggefährte John Waldron Präsident und Chef des operativen Geschäfts des Geldhauses werden.

Ungewöhnliche Leidenschaft

Skyline von New York

Skyline von New York. | Bildquelle: colourbox.de

Dass Solomon kein gewöhnlicher Banker ist, zeigt seine Leidenschaft für ein außergewöhnliches Hobby: Statt wie viele seiner Kollegen Golf zu spielen, legt Solomon ab und an im Schimanski-Club im hippen New Yorker Stadtteil Williamsburg Platten auf. Sein Pseudonym: DJ D-Sol.

Eine Goldman-Sprecherin sagte dazu der "New York Times": "David war immer davon überzeugt, dass ein breites Spektrum an Interessen zu einem ausgeglichenen Leben führt und eine bessere Karriere ermöglicht."

Dass er gut mit Geld umgehen kann, hat Solomon zuletzt beim Verkauf des Familienanwesens in Aspen/Colorado bewiesen: So soll er vor zwei Jahren Haus und Grundstück für 36 Millionen Dollar verkauft haben. Gekostet hatte ihn die Immobilie lediglich vier Millionen Dollar.