Hände halten eine Weltkugel

Goldman Sachs investiert in Umweltschutz Banken wollen "grüner" werden

Stand: 17.12.2019, 13:14 Uhr

Die US-Investmentbank Goldman Sachs ist nicht für karitatives Engagement bekannt, sondern für clevere Deals und hohe Gewinne. Dass der US-Bankenriese nun auch massiv in Nachhaltigkeit investieren will, zeigt den Wandel in der gesamten Branche.

Goldman Sachs will im nächsten Jahrzehnt insgesamt 750 Milliarden Dollar in Nachhaltigkeitsprojekte investieren. Darin enthalten seien Finanzierungen, Beratungsdienste und Investitionen sowohl für Vorhaben gegen den Klimawandel als auch für Initiativen, die die Chancenungleichheit in der Welt bekämpfen.

Goldman-Chef David Salomon sprach in einem Leitartikel in der "Financial Times" von einem "gewaltigen Geschäfts- und Investitionsfeld" für die Bank. Das Wall-Street-Haus sagte ferner zu, keine neuen Ölbohrungen in der Arktis und keine neuen Kohlekraftwerke oder Bergwerke für Kraftwerkskohle zu finanzieren.

Schwenk in der Finanzbranche

Banken schwenken bereits seit Jahren immer mehr in Richtung Nachhaltigkeit um. Dabei wird die Kreditvergabe überprüft, im eigenen Unternehmen der Umweltschutz vorangetrieben und bei Finanzprodukten kräftig an der "Sustainability"-Schraube gedreht.

Das gilt auch für die deutschen Branchenvertreter. Die Öko-Rating-Agentur imug hat vor wenigen Wochen eine Studie veröffentlicht, bei der die 25 größten deutschen Banken im Hinblick auf die ESG-Kriterien (Environment, Soziales und Governance) abgeklopft wurden. Dazu haben die Tester auch die Produkte der Institute unter die Lupe genommen. Am besten hat dabei die staatliche KfW abgeschnitten. Sie gibt eine Reihe von "Green Bonds" heraus, Anleihen also, mit denen etwa Umweltförderprogramme bei der KfW finanziert werden.

Commerzbank und Deutsche Bank im Hintertreffen?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das Ergebnis ist für die großen Geschäftsbanken allerdings noch wenig schmeichelhaft: Die Commerzbank liegt auf Platz 17, die Deutsche Bank auf dem vorletzten Platz (24), Bei der Kreditvergabe, im Asset Management und der Projektfinanzierung sehen die Analysten dort noch deutlichen Verbesserungsbedarf.

Bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS hat eine grundlegende Neuorientierung immerhin bereits begonnen. Eine konzernübergreifende Abteilung soll die Anstrengungen, die die Asset-Management-Tochter der Deutschen Bank in Sachen Nachhaltigkeit unternimmt,  bündeln und auf die konzernweite Einhaltung von ESG-Kriterien achten. Bei der ersten Jahreshauptversammlung im Juni bezeichnete der neue DWS-Chef Asoka Wöhrmann Nachhaltigkeit als strategische „Kernkomponente“.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Commerzbank stellt seit kurzem ihren Großkunden Informationen über die Nachhaltigkeit von Aktien zur Verfügung. Damit erhalten institutionelle Investoren, die ihr Aktienresearch von der Commerzbank beziehen, zusätzlich zu Empfehlungen, die auf finanziellen Aspekten beruhen, auch Nachhaltigkeitskennziffern.

Nachhaltigkeit als Geschäft

Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit ist in allen Fällen aber auch geschäftlich begründet: Die Kunden der Banken fordern bei Anlageprodukten wie Fonds und auch in der Vermögensverwaltung mehr und mehr die Beachtung von Nachhaltigkeitskriterien ein. Und sowohl die Banken als auch deren Kundschaft muss auf engere Vorgaben der Politik reagieren: Die EU-Taxonomie, die Anfang Dezember beschlossen wurde, soll für Verbraucher besser kenntlich machen, ob und inwiefern ein Finanzprodukt als "grün" bezeichnet werden darf.

Und nicht zuletzt lohnt sich Nachhaltigkeit auch für die Finanzakteure und Investoren in der Regel auch beim Ergebnis: Die Aktien von Unternehmen mit höheren Nachhaltigkeitsrating weisen in der Tendenz eine bessere Kursentwicklung auf als andere Aktien. Und viele Fondsprodukte mit Nachhaltigkeitsfokus schlagen die "nicht-nachhaltige" Fonds-Konkurrenz.

AB