Goldman Sachs-Schriftzug, im Hintergrund die amerikanische Flagge
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US-Steuerreform belastet Goldman muss Milliarden abschreiben

Stand: 17.01.2018, 15:15 Uhr

Die neue Steuerreform der Trump-Administration schlägt in den Büchern der führenden amerikanischen Investmentbank deutlich durch. Auch die Großbank Bank of America ist negativ betroffen. Die Börse reagiert aber unaufgeregt.

Denn eine wirkliche Überraschung sind die negativen steuerlichen Einmaleffekte nicht. Schon die beiden Großbanken JPMorgan Chase und Citigroup hatten zuvor wegen Sondereffekten aus der neuen Steuerreform der Trump-Administration Wertberichtigungen in Milliardenhöhe vorgenommen. Aktien der Bank of America notieren vorbörslich in New York knapp 0,4 Prozent im Plus, die Papiere von Dow-Jones-Mitglied Goldman Sachs tendieren im frühen US-Geschäft rund 0,5 Prozent im Minus.

Relativ wenig Aufregung also angesichts der gigantischen Summen, um die es hier geht. Im vierten Quartal wies Platzhirsch Goldman nämlich eine Steuerabschreibung von 4,4 Milliarden Dollar aus, die Bank of America musste 2,9 Milliarden Dollar abschreiben.

Zustande kommen diese Abschreibungen, da während der Finanzkrise beide Häuser hohe Verluste gemacht haben. Diese haben sie danach über die Jahre steuerlich geltend gemacht. Da die Steuersätze für Unternehmen nun von 35 auf 21 Prozent kräftig sinken, sind diese Verluste jetzt aber weniger wert und müssen entsprechend in der Bilanz berichtigt werden.

Im vierten Quartal wies Goldman Sachs daher einen Verlust von 5,51 Dollar je Aktie oder 1,93 Milliarden Dollar aus. Bezogen auf das Gesamtjahr lag der ausgewiesene Gewinn bei 4,29 Milliarden Dollar oder 9,01 Dollar je Aktie nach 7,4 Milliarden Dollar im Vorjahr. Der Gewinn der Bank of America fiel im Quartal um gut die Hälfte auf 2,37 Milliarden Dollar nach 4,54 Milliarden vor Jahresfrist.

Operativ mit Licht und Schatten

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bereinigt um diese Einmaleffekte (die an der Börse traditionell gerne schnell abgeheftet werden, da eben nicht dauerhaft), bietet sich für Goldman ein differenzierteres Bild. Die Bank hätte ohne die Steuereffekte im Schlussquartal 5,68 Dollar verdient nach 5,08 Dollar im Vorjahr. Im Gesamtjahr wären es 19,76 nach 16,29 Dollar je Aktie gewesen. Die Gesamteinnahmen stiegen 2017 von 30,6 auf 32,0 Milliarden Dollar.

Beim Blick in die Sparten ergibt sich allerdings ein gemischtes Bild. Besonders gut lief es bei Goldman im klassischen Investmentbanking, also dem Geschäft mit Übernahmen und Fusionen (M&A) sowie dem Emissionsgeschäft (Underwriting). Rückgänge gab es wegen der Flaute an den Märkten hingegen im Handelsgeschäft, dem operativen Brot- und Buttergeschäft der Bank. Beim Handel mit Rohstoffen, Währungen und Anleihen (FICC) gingen die Quartalserlöse im Jahresvergleich um die Hälfte, im Aktienhandel um 14 Prozent zurück. Auf Jahresbasis lag das Minus bei 30 beziehungsweise vier Prozent.

Bankchef Lloyd Blankfein war trotzdem zufrieden und blickt zuversichtlich nach vorne: "Letztes Jahr haben wir trotz eines herausfordernden Marktumfeldes höhere Einnahmen und bessere Vorsteuermargen erzielt. Mit einer wachsenden Weltwirtschaft und einer neuen Besteuerungsgrundlage im Rücken sowie unserer bekannten Marke sind wir gut aufgestellt und erwarten erhebliches Wachstum."

Bank of America mit Milliardengewinn

Schild mit Bank of America-Schriftzug in Los Angeles, Kalifornien

Bank of America. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bei der Bank of America bietet sich für 2017 ein ähnliches Bild. Während die Handelserträge zurückgingen, profitierte die Bank von einer steigenden Nachfrage nach Krediten, höheren Zinsen und Kostensenkungen. Die Gesamteinnahmen stiegen im Quartal im Jahresvergleich von 20 auf 20,4 Milliarden Dollar, ohne Steuereffekt wären es 21,4 Milliarden gewesen. Der bereinigte Nettogewinn lag bei 2,4 Milliarden Dollar, bereinigt wären es 5,3 Milliarden Dollar gewesen.

rm