Goldman Sachs Tower
Audio

Extrem schwacher Handel Goldman: Gewinn bricht zweistellig ein

Stand: 15.04.2019, 13:46 Uhr

Die starke Abhängigkeit von den Schwankungen der Finanzmärkte hat der Investmentbank Goldman Sachs im ersten Quartal einen Gewinneinbruch beschert. Grund ist der heftige Rückgang im Handel mit Wertpapieren.

Vor allem im Handel mit Aktien hielten sich die Kunden zurück, die Einnahmen sanken um 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch der Handel mit Anleihen und Devisen ging zurück, um 11 Prozent. Insgesamt brachen die Einnahmen im Handel um 18 Prozent ein - stärker als beim Branchenprimus JP Morgan (minus zehn Prozent) und Citigroup (minus sechs Prozent). Die Konzernerträge von Goldman gingen um 13 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar zurück. Sie lagen damit unter den Erwartungen der Analysten.

In der Folge fiel der Überschuss der gesamten Bank im ersten Quartal um ein Fünftel auf 2,25 Milliarden Dollar, wie Goldman Sachs am Montag mitteilte. Der Gewinn je Aktie sank auf 5,71 Dollar, nach 6,95 Dollar im ersten Quartal des Vorjahres. Die breiter aufgestellte Citigroup profitierte dagegen wie die Konkurrenten JP Morgan und Wells Fargo vom robusten Privatkundengeschäft in den USA. Zudem erntete sie die Früchte ihres Sparkurses, der Gewinn kletterte im Auftaktquartal um zwei Prozent auf 4,71 Milliarden Dollar.

Schlechtes Omen für die Deutsche Bank

Der Regierungsstillstand in den USA sowie der Handelskonflikt zwischen den USA und China bremsten die Aktivitäten an der Wall Street. Angesichts des schwierigen Umfelds sei Goldman mit dem ersten Quartal zufrieden, sagte Vorstandschef David M. Solomon.

In den Kerngeschäften habe die Investmentbank solide Ergebnisse abgeliefert. Der starke Rückgang der Einnahmen im Handel mit Aktien und Anleihen ist ein schlechtes Omen für die Deutsche Bank, die traditionell im Anleihenhandel ein großes Rad dreht. Von der Deutschen Bank selbst befragte Analysten erwarten für Deutschlands größtes Geldhaus im ersten Quartal im Schnitt nur einen Konzerngewinn von 29 Millionen Euro.

Auch Citigroup betroffen

Auch bei der Citigroup schrumpften die Konzernerträge, allerdings nur um zwei Prozent auf 18,58 Milliarden Dollar. Während der Aktienhandel wie bei der Konkurrenz schwächelte, überraschte die drittgrößte US-Bank im Anleihengeschäft mit einem Ertragsplus von einem Prozent.

Wie der Branchenprimus JPMorgan, der am Freitag mit einem Rekordgewinn von 9,2 Milliarden Dollar überrascht hatte, profitierte auch die Citigroup vom Privatkundengeschäft in Nordamerika. Sowohl die Kreditvergabe als auch die Einlagen erhöhten sich, die Nettozinsmarge verbesserte sich auf 2,72 Prozent.

Goldman reduziert Abhängigkeit vom Finnazmarkt

Auch Goldman versucht seit einigen Jahren die Abhängigkeit von den schwankenden Finanzmärkten zu verringern. Dazu baut die Investmentbank unter anderem ihre Online-Bank Marcus aus, die etwa relativ hoch verzinste Sparkonten für Privatkunden im Angebot hat.

In den kommenden Jahren sollen die Einlagen der Privatkunden um mindestens zehn Milliarden Dollar pro Jahr steigen, erklärte Goldman am Montag. Dadurch sollen die Refinanzierungskosten um rund ein Prozent sinken. Doch vor allem wegen höherer Kreditausfälle bei Verbraucherdarlehen schnellten die Rückstellungen für faule Kredite im ersten Quartal auf 224 (Vorjahresquartal: 44) Millionen Dollar in die Höhe.

An der Börse reagierten die Anleger enttäuscht auf die Zahlen von Goldman. Daran konnte auch die Ankündigung einer Anhebung der Quartalsdividende auf 85 Cent nichts ändern. Auch die Papiere der Citigroup gehörten zu den Verlierern.

lg/rtr