Büume mit leuchtendem Herbstlaub vor blauem Himmel
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Dax im Höhenflug Goldener Oktober an den Börsen

Stand: 29.10.2017, 10:49 Uhr

Von wegen stürmische Jahreszeit! Dax, Dow, Nasdaq & Co eilen von einem Rekordhoch zum nächsten. Auch in der neuen Woche könnte es weiter nach oben gehen. Im Blickpunkt steht die Fed.

Eigentlich ist der Herbst eine eher schwierige Zeit an den Börsen. Im September und Oktober geht es an den Märkten oft abwärts. In diesem Jahr aber dürfte es eher ein "goldener Herbst" werden. Seit September läuft eine atemberaubende Börsen-Rally. Der Dax hat fast zehn Prozent zugelegt. Alleine im Oktober beträgt das Plus gut drei Prozent. 

Draghi treibt den Dax auf neues Rekordhoch

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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In der vergangenen Woche trieb der "Super Mario der Börsen", EZB-Präsident Mario Draghi, den deutschen Leitindex in neue Höhen. Erstmals sprang der Dax über 13.200 Punkten. Die Aussicht auf billiges Notenbank-Geld der EZB bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag versetzte die Anleger in einen kleinen Kaufrausch. Zwar wird die Zentralbank ihre monatlichen Anleihenkäufe ab dem nächsten Jahr halbieren, verlängert aber das Programm bis mindestens September und wenn nötig noch länger. "Open End" sozusagen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Dieses Mini-Tapering (manche Zeitungen sprechen von "Baby-Tapering") zog vor allem den Euro nach unten. Die europäische Gemeinschaftswährung sackte nach der EZB-Entscheidung binnen zwei Tagen um über zwei Cent auf zeitweise unter 1,16 Dollar ab. Der schwächere Euro erwies sich als Triebfeder für die europäischen Aktienmärkte. Denn er verbessert die Exportchancen europäischer Unternehmen.

Gute Vorzeichen für weiter steigende Kurse

Der Höhenflug von Dax & Co könnte nach Ansicht von Experten noch eine Weile weitergehen. "Eine starke Bilanzsaison, solide Konjunkturdaten und eine vorsichtige Europäische Zentralbank (EZB) - alles deutet auf eine Fortsetzung der Rally hin", meint Marktbeobachter Milan Cutkovic von AxiTrader. Die Vorzeichen für weiter steigende Börsen stehen gut, glaubt auch Portfoliomanager Paul Flood vom Vermögensverwalter Newton. Die Konjunktur brumme weltweit, der Auftakt der Berichtssaison sei ermutigend gewesen und zudem bestehe nun bald die Chance auf massive Steuersenkungen in den USA. Präsident Donald Trump will seine lange angekündigte Steuerreform vorantreiben.

Die Verlängerung des EZB-Anleihekaufprogramms stehe einem starken Zinsanstieg entgegen, betont die DZ Bank. Auch fundamental spreche vieles für Aktien. Die Frühindikatoren deuten auf eine erfreuliche Konjunkturentwicklung und somit steigende Unternehmensgewinne hin, sagt Analyst Michael Bissinger. Andererseits "erlkeben wir derzeit einen der längsten Konjunktur- und Aktienmarktaufschwünge der Wirtschaftsgeschichte". Die Märkte zeigen Merkmale einer typischen Hausse-Endphase, viele Anleger hielten inzwischen eine Krise für überfällig, schreibt Bissinger.

Tatsächlich ist schon viel Positives in den Kursen eingepreist. Das Pozenzial für eione Jahresend-Rally scheint schon ziemlich ausgereizt. Entsprechend vorsichtig agieren Großinvestoren. "Wir müssen auf volatile Märkte vorbereitet sein", warnte am Freitag Yngve Slyngstad, Chef des norwegischen Staatsfonds, der rund eine Billion Dollar verwaltet.

Zahlenflut aus den USA und Deutschland

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Neuen Schub für die Aktienmärkte könnte die Berichtssaison geben. In der kommenden Woche legen zahlreiche Konzerne ihre Zahlen vor. Besonders gespannt sind die Anleger auf die Bilanz von Apple, die am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss ansteht. Zuletzt hatten Amazon und Alphabet mit starken Zahlen die Tech-Anleger begeistert.

In Deutschland nimmt die Berichtssaison nur langsam an Fahrt auf. Aus dem Dax werden in der kommenden wegen des Reformationstags verkürzten Handelswoche nur zwei Dax-Konzerne Einblick in ihre Bücher. Fresenius und FMC veröffentlichen ihre Zahlen am Donnerstag. Aus der zweiten deutschen Börsenreihe stehen die Bilanzen von Airbus, Fielmann , Hugo Boss, Evonik und Gea auf der Agenda.

Wer wird neuer Fed-Präsident?

Einmal mehr dürfte das Wohl und Wehe an den Aktienmärkten in der nächsten Woche von den Notenbanken abhängen. Am Mittwoch tritt der Offenmarkt-Ausschuss der Fed zu seiner monatlichen Sitzung zusammen. Eine Zinserhöhung wird die US-Notenbank aller Voraussicht nach diesmal nicht verkünden, sie dürtfte aber Experten zufolge auf einen weiteren Zinsschritt im Dezember einstimmen.

Wichtiger freilich dürfte die Frage sein, wer künftig an der Spitze der Fed steht. US-Präsident Trump will in der kommenden Woche seine Entscheidung über den neuen Fed-Chef bekannt geben. Als aussichtsreichste Kandidaten für die Nachfolge von Janet Yellen werden John Taylor und Jerome Powell genannt. Während Powell als Taube, also als Vertreter einer lockeren Geldpolitik gilt und die Politik von Yellen fortsetzen dürfte, ist Taylor ein ausgewiesener Falke. Nach seiner von ihm entwickelten "Taylor-Formel" müsste der US-Leitzins deutlich höher liegen als aktuell. Seine Nominierung wäre ein positives Signal für den Dollar, aber wahrscheinlich eher ein negatives Signal für die Wall Street.

nb