Büume mit leuchtendem Herbstlaub vor blauem Himmel

Anleger hoffen auf Notenbank-Hilfen Goldener Herbst an den Börsen?

Stand: 08.09.2019, 12:36 Uhr

Von wegen Horror-Monat September! Die Börsen sind mit fulminanten Gewinnen in den neuen Monat gestartet. In der zweiten September-Woche könnte es weiter aufwärts gehen. Denn EZB-Chef Mario Draghi bereitet sein Abschiedsgeschenk vor.

Alle Augen sind am Donnerstag auf die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) gerichtet. Bei seinem vorletzten Auftritt als Präsident dürfte "Super Mario" Draghi nochmals die Märkte mit Billig-Geld fluten, um in die Geschichte einzugehen. Die Privatbank Merck Finck spricht von "Super Marios (vor-)letztem Tango in Frankfurt". Die EZB wird voraussichtlich ein umfangreiches Paket an Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft in Europa auspacken. um die Wirtschaft in Europa anzukurbeln. Eine Senkung des Einlagensatzes begleitet von Erleichterungen für Banken sowie eine erneute Änderung des Zinsausblicks seien wahrscheinlich Teil des Pakets, sagten Insider Anfang September.

Einlagenzins-Senkung und neue Anleihenkäufe durch die EZB

So dürfte nach Experten-Einschätzung der Einlagenzinssatz für Banken um zehn Basispunkte auf minus 0,5 Prozent reduziert werden. Im Dezember dürfte dann der nächste Schritt auf minus 0,6 Prozent folgen. Zudem rechnen mehrere Experten mit einer Wiederaufnahme der Anleihenkäufe durch die EZB. Postbank-Analyst Heinrich Bayer hält ein Volumen von monatlich 30 Milliarden Euro für wahrscheinlich.

Allerdings gibt es durchaus Widerstand im EZB-Rat gegen die Anleihenkäufe. Vor allem von nordeuropäischen Vertretern kamen zuletzt kritische Stimmen. "Eine Kampfabstimmung erscheint möglich", meint Helaba-Analyst Ulf Krauss. Die Tauben um Draghi verfügten aber immer noch über eine Mehrheit. Die Erwartungen der Anleger sind hoch, es könnte schwierig sein, die Börsen positiv zu überraschen.

Legt die Fed nach?

Zusätzlicher geldpolitischer Schub könnte eine Woche später von der Fed kommen. Die US-Notenbank wird wohl auf ihrer Sitzung am übernächsten Mittwoch erneut die Leitzinsen senken. Eine Senkung um einen Viertel Prozentpunkt gilt als sicher. Manche Anleger rechnen sogar mit einem noch größeren Schritt. Rückschlüsse auf das Tempo der geldpolitischen Lockerung in den USA könnten die Inflationsdaten am Donnerstag und die US-Einzelhandelsumsätze am Freitag liefern.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Geldspritzen der Notenbanken könnten den Börsen einen goldenen Herbst bescheren. Schon in der abgelaufenen ersten September-Woche zogen die Aktienmärkte kräftig an. Der Dax verbuchte ein stattliches Plus von zwei Prozent und stieg auf den höchsten Stand seit Anfang August. Es war das dritte Wochenplus in Folge.

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Dax startet schwungvoll in den September

Annäherung im Handelsstreit

Neben der Hoffnung auf niedrigere Zinsen sorgten auch politische Nachrichten für mehr Ruhe an den Aktienmärkten. So mehren sich die Entspannungssignale im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit. Laut chinesischen Staatsmedien sollen Anfang Oktober neue direkte Gespräche in Washington stattfinden. Auf der Arbeitsebene sollen bereits Mitte September Gespräche wieder aufgenommen werden.

Auch in Großbritannien hat sich die Lage etwas beruhigt. Der Sieg des britischen Parlaments in der Brexit-Machtprobe mit Premierminister Boris Johnson verschafft Investoren eine kurze Atempause. Die Abgeordneten verboten der Regierung, das Land zum 31. Oktober ohne eine Austrittsvereinbarung aus der EU zu führen. Stattdessen solle Johnson einen weiteren Aufschub des Brexit bis zum 31. Januar 2020 beantragen. Dieser betonte allerdings, "lieber tot im Graben" liegen zu wollen.

Britische Chaos-Tage

Allerdings müsse weiterhin mit Neuwahlen gerechnet werden, sobald das am Mittwochabend verabschiedete Gesetz in Kraft getreten sei, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Dies könnte zu neuer Unsicherheit führen, warnte Etsy Dwek, Chef-Anlagestrategin beim Vermögensverwalter Natixis. "Das Ergebnis könnte den Brexit vollständig in Frage stellen, da viele Parteien gesagt haben, dass sie die Durchführung eines weiteren Referendums befürworten. Sollte Johnson hingegen eine absolute Mehrheit gewinnen, könnte dies auch dazu führen, dass die EU einige Aspekte des Abkommens neu verhandelt, um das auch für sie schlimmste Szenario des 'No Deal' zu vermeiden."

Nach dem Sprung über die 12.000 Punkte könnte sich der Dax weiter erholen. Die nächsten charttechnischen Widerstände liegen bei 12.246 und 12.302 Zähler. Aktienmarkt-Experte Andreas Hürkamp prophezeit kurzfristig eine weitere Erholung. Da für das dritte Quartal aber mit schwachen Zahlen der Unternehmen zu rechnen sei, stellt er sich auf einen anhaltenden Seitwärtstrend in den kommenden Monaten ein.

Zahlen von Vapiano und Knorr-Bremse

Von den Unternehmen ist in der kommenden Woche wenig zu erwarten. Am Mittwoch legt die angeschlagene Restaurantkette Vapiano ihre Ergebnisse aus dem zweiten Quartal vor. Vapiano-Chef Cornelius Everke war Mitte August überraschend zurückgetreten. Am Donnerstag kommen darüber hinaus Halbjahreszahlen von Knorr-Bremse. Der im MDax der mittelgroßen Werte notierte Bremsenspezialist hatte seine Jahresziele nach einem guten ersten Quartal Ende Mai hochgeschraubt.

Bühne frei für die IAA

Am Donnerstag öffnet überdies die 68. Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt am Main (IAA) ihre Pforten. Zuvor werden an den zwei Pressetagen die Hersteller wie Daimler, BMW und VW ihre Neuheiten enthüllen und erklären, wie sie der Autoflaute trotzen wollen. Die Aussagen der Konzernchefs könnten die Autoaktien bewegen.

nb