Hände mit Schutzhandschuhen halten Goldbarren

Schock für Edelmetall-Fans Gold mit größtem Einbruch seit 2013

von Angela Göpfert

Stand: 12.08.2020, 11:55 Uhr

Die beeindruckende Sommer-Rally bei den Edelmetallen hat ein jähes Ende gefunden. Sowohl Gold als auch Silber stürzten regelrecht ab.

Gold brach am Dienstag um knapp sechs Prozent ein und verzeichnete damit den größten Tagesverlust seit dem historischen Ausverkauf im April 2013. Noch ärger traf es Silber: Der Preis für das Edelmetall rutschte um fast 15 Prozent ab. So stark war Silber seit Oktober 2008 nicht mehr gefallen.

Der Preisrückgang setzte sich am Mittwochmorgen zunächst fort. Der Goldpreis fiel weiter bis auf ein Tagestief von 1.862 Dollar je Feinunze. Damit belaufen sich die Kursverluste seit dem Allzeithoch vom 6. August bei 2.075 Dollar auf 10,3 Prozent.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 6 Monate
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Silber noch härter getroffen

Noch schlimmer sieht der Silber-Chart aus: Das auch in der Industrie gefragte Edelmetall ist seit seinem Hoch bei 29,86 Dollar in der Spitze um 21,7 Prozent auf 23,39 Dollar eingebrochen.

Immerhin: Sowohl der Gold- als auch der Silberpreis können sich im Laufe des Mittwochvormittags stabilisieren und sogar leicht ins Plus drehen.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.834,90
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Dollar-Comeback gefällt nicht jedem

Die Gründe für den dramatischen Absturz der Edelmetalle sind vielfältig. So sorgt unter anderem auch das Comeback des Dollar für Abwärtsdruck.

Neuerliche Spannungen zwischen den USA und China und die weltweit grassierende Angst vor einer zweiten Corona-Welle haben die Anleger in den "sicheren Hafen“ Dollar getrieben. Ein steigender Dollar drückt die Nachfrage nach den in Dollar notierenden Rohstoffen.

Steigender Realzins ist Hauptverantwortlicher

In erster Linie ist aber wohl der gestrige Renditeanstieg in den USA für die historischen Kursverluste bei Gold und Silber verantwortlich zu machen. "Dies könnte der Beginn von einem Test der Fed gewesen sein, inwieweit sie bereit ist, steigende Renditen zu tolerieren", meint Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.

Steigende Anleiherenditen ziehen auch den Realzins (Nominalzins abzüglich Inflation) in die Höhe. Ein steigender Realzins wiederum macht Gold weniger attraktiv, wirft Gold selbst doch keine regelmäßigen Erträge wie Zinsen oder Dividenden ab.

Kein 2013er-Szenario

Gold in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Marktbeobachter sprechen überdies von Gewinnmitnahmen. Schließlich befanden sich die Edelmetalle nach ihrem starken Preisanstieg in einer „überkauften“ Marktsituation. Aus dieser Perspektive ist die scharfe Korrektur beim Gold- und Silberpreis mit Blick auf die weitere Perspektiven der Edelmetalle nur gesund.

Tatsächlich bleibt der mittel- bis langfristige Ausblick für Gold und Silber positiv. "2013 dauerte es fast sieben Jahre, bis das vorherige Preisniveau wieder erreicht wurde. Mit so einer langen Durststrecke ist diesmal nicht zu rechnen", ist auch Carsten Fritsch, Rohstoffexperte der Commerzbank überzeugt.

Einstiegsgelegenheit?

2013 machte eine Debatte über Zinserhöhungen dem Goldpreis schwer zu schaffen. Ein ähnliches Szenario ist aktuell nicht zu befürchten. Vielmehr dürfte die anhaltende Flut an billigem Geld die Nachfrage nach Gold und auch Silber stabil halten.

Allerdings könnte sich die Konsolidierung noch einige Tage oder Wochen hinziehen, unterstreicht Commerzbank-Experte Fritsch. Anleger sollten daher vor einem möglichen Einstieg besser "auf eine erkennbare Bodenbildung warten, um das Chance-Risiko-Verhältnis zu verbessern", betont David Iusow von IG Markets.

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