Fassade eines Bürogebäudes
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Missglücktes Börsendebüt Godewind geht gleich auf Talfahrt

Stand: 05.04.2018, 17:50 Uhr

Das war wohl nichts. Trotz der allgemeinen Erholung am Frankfurter Aktienmarkt sind die Aktien der Immobilienfirma Godewind schon bei ihrer Erstnotiz unter Druck geraten.

Der erste Kurs wurde mit 3,60 Euro zehn Prozent unter dem Ausgabekurs von 4,00 Euro festgestellt. Godewind hatte es nur mit Abstrichen an das Frankfurter Parkett geschafft: Der Börsengang brachte 375 Millionen Euro ein, die nun vor allem in Büroimmobilien fließen sollen.

Ursprünglich hatte die Firma auf einen Erlös von bis zu 550 Millionen Euro gehofft. Obwohl die Frankfurter Börse kräftige Gewinne verbuchte, notierten die Godewind-Papiere auch zum Xetra-Schluss mit 3,75 Euro unter dem Ausgabekurs. Zwischenzeitlich waren sie bis auf 3,40 Euro gefallen.

Portfolio von drei Milliarden Euro angestrebt

Godewind war erst vor kurzem ins Immobiliengeschäft eingestiegen und will mittelfristig ein Portfolio im Wert von drei Milliarden Euro aufbauen. "Wir hoffen, dass wir das Geld aus dem Börsengang schnell investieren können", sagte Godewind-Chef Stavros Efremidis. "Wir haben viele Transaktionen, an denen wir gerade parallel arbeiten."

Genauso wie der Wohnungsmarkt boomt auch der Markt für Gewerbeimmobilien, zumindest an den wichtigsten deutschen Standorten Berlin, München und Frankfurt. Dort treibt die hohe Nachfrage die Preise. Godewind will sich auf sanierungsbedürftige Objekte konzentrieren, um sie aufzupolieren und anschließend teurer vermieten oder verkaufen zu können.

Noch hohe Verlustvorträge

"Diese Immobilien können wir heute noch zu attraktiven Preisen erwerben", sagte Efremidis. Godewind wurde 2001 gegründet, um mit Aktien von Holding- und Immobiliengesellschaften zu handeln. Erst 2017 wurde die Satzung geändert, um Godewind den Erwerb von Gewerbeimmobilien zu ermöglichen.

Allerdings besitzt der Vergangenheit besitzt Godewind noch hohe Verlustvorträge, die die Steuerlast drücken. Die Firma wurde bislang vom Hamburger Investor Karl Ehlerding und seiner Familie kontrolliert, nach dem Börsengang sinkt seine Beteiligung kräftig. Ein Großteil der Aktien befindet sich nun im Streubesitz, die gesamte Firma wird zum Ausgabepreis mit 435 Millionen Euro bewertet.

Ehlerding ist wieder dabei

Mit Godewind mischt Ehlerding erneut im Immobiliengeschäft mit, nachdem die von ihm gegründete WCM Immobilien 2017 für rund 450 Millionen Euro an den Berliner Gewerbeimmobilien-Investor TLG verkauft wurde. Ehlerding und seine Familie hielten vor dem Verkauf an TLG zusammen 14 Prozent an der 2006 pleite gegangenen und 2014 wieder belebten WCM.

Anfang der 2000er-Jahre hatte sich WCM - damals noch ein Beteiligungskonzern - mit dem Einstieg bei der Commerzbank verspekuliert, denn die Aktie von Deutschlands zweitgrößter Bank stürzte ins Bodenlose und riss damit auch WCM in die Tiefe. Nach dem Verkauf von WCM an TLG heuerte das WCM-Management bei Godewind an. Godewind-Chef Efremidis und Finanzchef Ralf Struckmeyer hatten die gleichen Funktionen bei WCM inne.

lg/rtr