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Pennystock springt nach oben Gnadenfrist für Steinhoff

Stand: 07.06.2018, 10:57 Uhr

In den letzten sechs Monaten ist der Kurs von Steinhoff um fast 98 Prozent eingebrochen und ist nur noch wenige Cents wert. Heute erholt sich der Pennystock. Der angeschlagene Handelskonzern hat Rückendeckung bekommen.

Wichtige Kreditgeber unterstützen offenbar den Restrukturierungsplan bei Steinhoff. Sie würden den Prozess mit verschiedenen Maßnahmen bis Ende Juni unterstützend begleiten, teilte der deutsch-südafrikanische Möbel- und Handelskonzern mit.

Das sorgt an der Börse für etwas Erleichterung. Die tief abgestürzten Aktien machen einen Freudensprung um fast 30 Prozent nach oben. Mit rund zehn Cent notieren die SDax-Titel freilich immer noch auf sehr niedrigem Niveau.

Was passiert nach dem 30. Juni?

Steinhoff: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
0,15
Differenz relativ
-6,69%

Unklar bleibt, wer die wichtigen Kreditgeber von Steinhoff sind und mit welchen Maßnahmen sie den angeschlagenen Konzern stützen. Außerdem drängt sich die Frage auf, was nach dem 30. Juni passiert. Die Meldung liest sich eher wie eine Art neue Schonfrist für Steinhoff.

Der Bilanzskandal hatte Steinhoff schwer erschüttert. In verschiedenen Ländern wird gegen den Konzern ermittelt. Binnen eines Jahres wurden durch den so verursachten Kursverfall über 90 Prozent des Börsenwerts vernichtet. Seitdem kämpft das Unternehmen, das auch durch die Kette Poco bekannt ist, um Schadensbegrenzung.

Rettung durch Schuldenabbau und Firmenteilverkäufe?

Der deutsch-südafrikanische Möbel- und Handelskonzern will sich neu aufstellen und seine Schulden abbauen, um einen Weg aus der Krise zu finden. Ende März beliefen sich die Schulden in der Gruppe auf 10,4 Milliarden Euro. Geld in die klammen Kassen soll unter anderem der Verkauf von Firmenwerten bringen.

Bei der Hauptversammlung im April in Amsterdam sprach die Aufsichtsratsvorsitzende Heather Sonn von einer "Krise von massivem Ausmaß". Der krisengeschüttelte Möbelhändler hofft auf eine interne Aufarbeitung des Bilanzskandals bis zum Jahresende. Die Unternehmensberatung PwC, die mit der Untersuchung beauftragt wurde, wird ihre Überprüfung voraussichtlich bis Ende 2018 abgeschlossen haben, teilte das Management mit. Unklar blieb, ob der Bericht in vollem Umfang oder nur in Teilen veröffentlicht wird. Dann soll auch die noch ausstehende und testierte Bilanz für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr 2017 vorgelegt werden.

Österreich-Tochter hat jetzt auch ein Problem

Die Krise bei Steinhoff bringt inzwischen auch die österreichische Tochter Kika/ Leiner in Bedrängnis. Nachdem in der vergangenen Woche ein Kreditversicherer abgesprungen ist, sind mögliche Forderungsausfälle für Lieferanten nicht mehr gedeckt. Bisher wurden über 90 Prozent der Kika/ Leiner-Lieferanten bei einer einzigen Kreditversicherung abgedeckt.

nb