Curevac Zentrale, Tübingen

GlaxoSmithKline steigt ein CureVac holt sich neuen Partner

Stand: 20.07.2020, 13:26 Uhr

Erst der Bund, jetzt ein britischer Pharmakonzern. Der Tübinger Impfstoffentwickler CureVac hat mit dem Einstieg von GlaxoSmithKline (GSK) einen weiteren Anteilseigner gewonnen.

GSK hat für 150 Millionen Euro knapp zehn Prozent an dem Unternehmen erworben. Damit wird die im Jahr 2000 gegründete Firma mit ihren rund 450 Mitarbeitern inzwischen mit 1,5 Milliarden Euro bewertet.

Im Juni erwarb der Bund im Rennen um einen Corona-Impfstoff für 300 Millionen Euro 23 Prozent an dem Biotechunternehmen. Der Einstieg soll die Entwicklung eines Impfstoffes beschleunigen, diente aber auch dazu, eine ausländische Übernahme zu verhindern.

Börsengang im Herbst erwogen

Hauptinvestor bei CureVac ist weiter Dievini, die Beteiligungsgesellschaft des SAP-Gründers Dietmar Hopp. Zudem sind diverse Investoren engagiert, etwa die Bill & Melinda Gates Stiftung. Wie die Agentur Reuters von mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfuhr, plant CureVac im September oder Oktober den Gang aufs Parkett in den USA. Ursprünglich war die Börsennotiz bereits im laufenden Monat Juli vorgesehen.

Die GSK-Bewertung sei ein guter Indikator für die Bewertung des Unternehmens beim Börsengang, der von der Bank of America, der Credit Suisse und Jefferies organisiert wird. Damit könnten sich für CureVac riesige Chancen eröffnen. Denn sollte das Unternehmen tatsächlich einen einsatzfähigen Corona-Impfstoff entwickeln, würden sich gigantische Absatzchancen eröffnen, die die Aktie entsprechend anschieben dürften.

Weitere Zahlungen in Aussicht gestellt

CureVac teilte zudem mit, mit der GSK eine Kooperation zur Entwicklung und Vermarktung von fünf Impfstoffen vereinbart zu haben. Dafür zahle GSK einmalig 120 Millionen Euro. Die beiden bestehenden klinischen CureVac-Entwicklungsprogramme zu Impfstoffen gegen Covid-19 und Tollwut, die jeweils in der Phase 1 der klinischen Studie sind, seien aber nicht Teil der Zusammenarbeit.

CureVac stünden darüber hinaus Zahlungen für Entwicklungs- und Zulassungsmeilensteine von bis zu 320 Millionen Euro und für kommerzielle Meilensteine von bis zu 380 Millionen Euro zu, also insgesamt 700 Millionen Euro.

CureVac gehört zu den wenigen deutschen Unternehmen, die sich im Wettlauf um einen Corona-Impfstoff befinden. Die Firma war im März in die Schlagzeilen geraten, weil die US-Regierung angeblich Interesse an einer Übernahmen von CureVac angemeldet hatte.

Impfstoffe auf Basis der Boten-RNA

Das Biotechunternehmen hatte im Juni mit der klinischen Erprobung seines Covid-19-Impfstoffkandidaten begonnen und will diesen bis Mitte nächsten Jahres marktreif haben. Die Tübinger setzen bei ihren Forschungsarbeiten - wie auch der US-Biotechkonzern Moderna und die Mainzer Biotechfirma Biontech - auf Impfstoffe auf Basis der sogenannten Boten-RNA (mRNA).

Sie soll den menschlichen Zellen die Information zur Produktion von Proteinen und damit zur Bekämpfung der Krankheitserreger vermitteln. Im Mai hatte das Unternehmen bei präklinischen Untersuchungen positive Ergebnisse mit dem Impfstoffkandidaten erzielt - bei einer Dosierung von nur zwei Mikrogramm.

Biontech schließt Vertrag mit Pfizer

Unterdessen haben das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Konzern Pfizer mit Großbritannien eine erste Liefervereinbarung zu einem in der Entwicklung befindlichen Corona-Impfstoff geschlossen. Vorbehaltlich einer behördlichen Genehmigung oder Zulassung sollen 30 Millionen Dosen des Impfstoffkandidaten "BNT 162" geliefert werden, voraussichtlich in den Jahren 2020 und 2021.

lg/rtr/dpa