Gilead Sciences

Übernahme eines Krebs-Spezialisten Neuer Milliarden-Deal von Gilead

Stand: 14.09.2020, 07:50 Uhr

Der Biotech-Konzern Gilead kämpft nicht nur gegen Corona, sondern auch gegen Krebs. Um das Onkologie-Geschäft zu stärken, kaufen die Amerikaner für mehrere Milliarden einen Krebsspezialisten. Dieser hat eine Alternative zur Chemotherapie entwickelt.

Aller guten Dinge sind drei: Nach der Übernahme von Forty Seven für 4,9 Milliarden Dollar und der Beteiligung an Pionyr Immunotherapeutics für 275 Millionen Dollar schluckt Gilead eine dritte Firma, die auf Krebssbekämpfung spezialisiert: Für rund 21 Milliarden Dollar will der US-Biotech-Konzern die Firma Immunomedics kaufen. Für Gilead wäre die Übernahme ein "bedeutender Fortschritt" beim Aufbau seines Onkologie-Portfolios, sagte Gilead-Vorstandschef Daniel O'Day.

100 Prozent Übernahmeprämie

Gilead bietet 88 Dollar je Immunomedics-Aktie. Das ist mehr als das Doppelte des Schlusskurses vom Freitag. Die Immunomedics-Aktie hatte am Freitag bei 42,25 US-Dollar geschlossen. Der Abschluss des Zukaufes werde bereits im vierten Quartal angestrebt, teilten die beiden Unternehmen am Sonntag mit.

Gilead Sciences: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,48
Differenz relativ
-2,21%

Gilead sichert sich bei einer Übernahme den Zugriff auf ein vielversprechendes Krebsmedikament von Immunomedics. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte dem Biopharmazieunternehmen im April eine beschleunigte Zulassung seines Brustkrebsmittels Trodelvy gewährt. Gilead will den Einsatz von Trodelvy auch bei anderen Krebsarten prüfen. In Europa strebt Immunomedics eine Zulassung des Mittels im ersten Halbjahr an.

Besser verträglich als Chemotherapie

Trodelvy gehört zur Klasse der so genannten Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, die gezielt Krebszellen vernichten und dabei eine Schädigung von gesundem Gewebe vermeiden sollen. Diese Therapie soll deshalb besser verträglich als eine Chemotherapie sein.

Viele Pharmakonzern setzen derzeit auf diese Technologie: Der britische Pharmariese AstraZeneca hatte erst kürzlich einen milliardenschweren Deal mit dem Rivalen Daiichi Sankyo vereinbart, um sich die Rechte an einer Krebsarznei der Japaner zu sichern, die zur Klasse der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate gehört.

Gilead ist hierzulande einem breiteren Publikum mit seinem Medikament Remdesivir bekannt geworden. Es ist das bislang einzige in Europa zugelassene Medikament zur Behandlung von Corona-Patienten.

nb