Vapiano-Restaurant in Stuttgart
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Hauptversammlung der angeschlagenen Restaurantkette Gibt es Hoffnung für Vapiano?

Stand: 21.08.2019, 14:26 Uhr

Wie erwartet, erntet das Management der angeschlagenen Restaurantkette Vapiano auf der Hauptversammlung harsche Kritik der Aktionäre. Auch stößt der Ausschluss der Öffentlichkeit auf Unverständnis. Doch ein Großaktionär hält der Gruppe die Stange.

"Wenn die Restrukturierung jetzt konsequent umgesetzt wird, bin ich gerne bereit, eine längere Durststrecke in Kauf zu nehmen", sagte Großaktionär Hans-Joachim Sander dem "Spiegel" vor der Hauptversammlung. Sander hält mit seiner Frau, der Wella-Erbin Gisa Sander, mehr als 15 Prozent der Unternehmensanteile.

Langfristig zeigt sich der Investor offen, erneut Geld zuzuschießen. Es komme darauf an, dass der Vorstand bei Vapiano "eine deutliche Erholungsphase einleitet und die Verschuldung reduziert", sagte Sander. Zugleich plädierte er dafür, die künftige Vapiano-Führung müsse sich auf die Stärkung der Restaurants auf dem deutschen Heimatmarkt konzentrieren.

Sander zweifelt an Vanessa Hall

Bis mindestens April 2020 übernimmt die bisherige Aufsichtsratschefin Vanessa Hall den Posten. Hall sei eine "exzellente Managerin", sagte Sander über die Britin. Er wisse aber nicht, ob sie zur deutschen Unternehmenskultur bei Vapiano passe. "Vapiano zu einem langfristig global operierenden Unternehmen zu machen, ist schon richtig. Aber ich hätte alles daran gesetzt, jemanden auszuwählen, der aktuell das Deutschlandgeschäft priorisiert." Für eine erfolgreiche Kommunikation und Motivation brauche es außerdem jemanden, der Deutsch auf muttersprachlichem Niveau spreche.

Vanessa Hall, Vapiano

Vanessa Hall. | Bildquelle: Vapiano

Für den am Wochenende bekannt gewordenen Rücktritt von Vorstandschef Cornelius Everke hat Sander übrigens gar kein Verständnis. "Wenn man bereit ist und sich verpflichtet, für ein Unternehmen in einer schwierigen Situation an der Spitze Verantwortung zu übernehmen, dann erwarte ich von der entsprechenden Person Standfestigkeit."

Cornelius Everke

Cornelius Everke. | Bildquelle: Imago

Völlig unterschätzt

Harsche Kritik am Management kam vor der Hauptversammlung auch von anderen Aktionären. Die Firma habe die Komplexität ihres Expansionskurses völlig unterschätzt, erklärte Frank Rothauge, Geschäftsführer der AHP Capital Management GmbH, die über einen Fonds an Vapiano beteiligt ist.

"Es dauert nun mal, bis ein neues Restaurant sich vor Ort etabliert hat und profitabel wird." Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte mit Blick auf den Aktien-Kursverfall, hohe Verluste und ein geplatztes US-Geschäft: "Was bei Vapiano passiert ist, kann Anlegern nicht gefallen."

Die Hauptversammlung hatte am späten Vormittag in Köln begonnen. Mit dabei war auch Konzernlenker Cornelius Everke, die Presse wurde allerdings ausgeschlossen. Die Anleger reagierten enttäuscht auf die Geheimniskrämerei und schickten die Aktie weiter auf Talfahrt.

Vapiano-Aktie ist ein Wertvernichter

Dabei ist der Kurs seit dem Börsengang vor zwei Jahren bereits um 80 Prozent eingebrochen. Die hoch verschuldete Firma steckt tief in den roten Zahlen, erst nach zähem Ringen konnte sie sich im Juni einen dringend notwendigen Kredit von 30 Millionen Euro sichern. Grund für die schlechte Lage ist eine missratene Expansion, bei der viele neue Restaurants zu Verlustbringern wurden. Der vom scheidenden Vorstandschef Everke versprochene Rückzug aus dem Ausland stockt: Vergangene Woche platzte vorerst der Verkauf des US-Geschäfts, was 20 Millionen Dollar einbringen sollte.

2018 hat Vapiano einen Verlust von 101 Millionen Euro eingefahren bei 372 Millionen Euro Umsatz. Trotz der angespannten Situation äußerten Anleger aber auch zaghafte Hoffnung. "Die Schwierigkeiten sind überwindbar", sagte Fondsmanager Rothauge. "Sie rühren aus der zu hastigen Expansion und nicht aus einer fundamentalen Schwäche des Gesamtkonzeptes." Kleinaktionär Klaus Teitscheid sagte: "Vielleicht wird das hier irgendwann doch noch eine große Sache."

lg/dpa/afp