Turbulenzen an der Frankfurter Börse

Prognosen sind schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen Gewinnwarnungen 2019 auf Rekordniveau

Stand: 18.02.2020, 14:24 Uhr

Deutsche Aktiengesellschaften lagen 2019 mit ihren Gewinnprognosen so häufig daneben wie noch nie. In diesem Jahr können sich die Anleger wegen des Coronavirus auf eine weitere Welle von Gewinnwarnungen einrichten.

Deutsche Aktiengesellschaften lagen im vergangenen Jahr besonders häufig daneben, wenn es um die Einschätzung ihrer künftigen Erlöse und Gewinne ging. Von 306 im Prime Standard gelisteten Unternehmen mussten im vergangenen Jahr 171 so genannte Gewinn- oder Umsatzwarnungen veröffentlichen. Das geht aus einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor.

Schlechte Geschäfte, steigende Kurse?  

"2019 war ein sehr schwieriges Jahr für viele deutsche Unternehmen. Die Aussichten waren zwar ohnehin nicht übermäßig positiv – tatsächlich entwickelten sich die Geschäfte aber vielfach noch schlechter als erwartet", kommentiert Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY. "Die weltweite Konjunktur hat deutlich an Kraft verloren, der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt sorgte an den Börsen für zusätzliche Unsicherheit."

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 2 Jahre
Kurs
12.754,06
Differenz relativ
-0,05%
MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 2 Jahre
Kurs
27.281,20
Differenz relativ
+1,02%
TecDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 2 Jahre
Kurs
3.107,21
Differenz relativ
+1,20%

Umso erstaunlicher, dass die Aktienmärkte sich insgesamt so stark entwickelten. So rückte beispielsweise der Dax im vergangenen Jahr um mehr als 25 Prozent vor. Man fragt sich, inwieweit sich die fundamentalen Daten eigentlich auf die Kursentwicklung auswirken.    

Mehr als nur knapp daneben

Die 171 Negativ-Fälle bedeuteten einen neuen Rekord und eine Steigerung um 25 Prozent zum Vorjahr. Im Schnitt wurde der erwartete Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 37 Prozent abgesenkt. Allerdings gab es auch 125 Aktiengesellschaften, die ihre Prognosen im Lauf des Geschäftsjahres nach oben schraubten, beim Ebit im Schnitt um 18 Prozent.

Sie wurden an den Börsen mit einem durchschnittlichen Aufschlag von 4 Prozent am Veröffentlichungstag belohnt, während es bei negativen Änderungen durchschnittliche Kurs-Abschläge von 7 Prozent setzte. Diese hatten auch noch eine Woche später Bestand.

Die nächste Welle kommt

Besonders häufig verfehlten Unternehmen aus der Autobranche die eigenen Ziele: Zehn der zwölf börsennotierten Autohersteller und Zulieferer mussten die Zahlen nach unten korrigieren. "Die weltweite Autokonjunktur entwickelt sich schwach, die technologischen Herausforderungen sind enorm", so EY-Partner Marc Förstemann.  

2020 drohe wegen der Ausbreitung des Coronavirus eine neue Welle an Gewinnwarnungen. "China dürfte als Wachstumslokomotive im ersten Quartal ausfallen, das werden wir auch in Europa zu spüren bekommen", sagte Förstemann. Und bislang hangelt sich der Dax von Rekord zu Rekord.  

ts/rtr/dpa-AFX