Schild mit Schriftzug von SLM-Solutions vor der Unternehmenszentrale

Nach Gewinnwarnung SLM Solutions: Höllensturz geht weiter

Stand: 29.07.2019, 10:43 Uhr

3D-Drucker gelten als der letzte Schrei der Digitalisierung und werden deshalb weltweit gehypt. Davon profitierte auch lange Zeit der Hersteller dieser Wundergeräte, SLM Solutions. Doch bei dem Unternehmen aus Lübeck liegt offenbar Vieles im Argen.

SLM hatte am Freitagabend mitgeteilt, dass die Anfang des Jahres kommunizierte Umsatz- und Ergebnisprognose für dieses Jahr nicht erreicht und derzeit auch keine neue Prognose erstellt werden könne. Die neue Unternehmensleitung um Vorstandschef Meddah Hadjar erklärte die Warnung mit der schwachen Geschäftsentwicklung.

Im ersten Halbjahr habe das Unternehmen weniger Aufträge erhalten als gedacht. Insbesondere die Erwartungen aus China hätten sich nicht erfüllt. Auch der Umsatz in Nordamerika sei trotz eines insgesamt freundlicheren Marktes hinter den Erwartungen geblieben.

Neue Strategie geplant

Der neue Vorstandschef Meddah Hadjar will nun die Strategie des Unternehmens auf den Prüfstand stellen und anlässlich der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen am 8. August 2019 erläutern. SLM Solutions beschäftigt derzeit gut 400 Mitarbeiter und ist auf die Herstellung von Maschinen und integrierten Systemlösungen im Bereich des Selektiven Laserschmelzens (Selective Laser Melting) spezialisiert.

Wirklich überraschend kommt die Gewinnwarnung nicht. SLM Solutions hat bereits im ersten Quartal einen Umsatzeinbruch um die Hälfte auf 7,3 Millionen Euro hinnehmen müssen. Wegen des "fehlenden Umsatzes" verfünffachte sich das negative Ebitda auf minus 8,1 Millionen Euro. Der Auftragseingang brach von 8,9 auf 3,5 Millionen Euro ein.

Verluste auch für Paul Singer

Zuletzt musste das Unternehmen seine Umsatz- und Ergebnisprognose im November letzten Jahres drastisch reduzieren. Auch zuvor hatte es bereits Gewinnwarnungen gegeben. Für die SLM-Aktionäre hatten die wiederholten Prognosekürzungen bereits dramatische Folgen. Die Aktie stürzte im März dieses Jahres auf ein Rekordtief von 5,63 Euro gefallen - nachdem sie Anfang 2018 noch rund 50 Euro gekostet hatte.

Auch die neueste Gewinnwarnung schlägt die Anleger wieder in die Flucht. Die Aktie stürzt am Morgen um gut 20 Prozent ab. Zu den Verlierern gehört auch der gefürchtete Investor Paul Singer, der hinter dem Hedgefonds Elliott International steht. Er war vor drei Jahren mit 20 Prozent bei SLM Solutions eingestiegen, weil das Unternehmen das Interesse von General Electric geweckt hatte.

Die Amerikaner wollten das Unternehmen 2016 für 38 Euro je Anteilsschein - damals für einen Gesamtpreis von 683 Millionen Euro - übernehmen. Doch der Deal platzte, weil der Preis Singer nicht genug war. GE kaufte sich anstatt bei SLM beim fränkischen Konkurrenten Concept Laser ein.

lg