Brunnenbohrung in Amman Jordanien

Nach Gewinnwarnung Bauer-Aktie verliert über 20 Prozent

Stand: 19.09.2019, 14:52 Uhr

Seit zehn Jahren warnt der Bau- und Maschinenbaukonzern regelmäßig vor sinkenden Gewinnen. Die neueste Prognosesenkung hat das Fass nun zum Überlaufen gebracht. Die Aktie von Bauer rauscht um fast ein Viertel in den Keller.

Eine schlechte Auslastung bedingt durch internationale Projektverschiebungen werde im zweiten Halbjahr zu deutlich schlechteren Ergebnissen gegenüber der bisherigen Planung führen, teilte das ehemals im SDax gelistete Unternehmen am Mittwoch nach Börsenschluss mit. Besonders in Südostasien sei es zu Problemen gekommen.

So habe ein Regierungswechsel in Malaysia alle Bauprojekte gestoppt, um die Korruption zu bekämpfen. Bauer rechnete aber mit einer Wiederaufnahme der Projekte, die wohl aber erst 2020 kommen werde. In Thailand führte die Krönung des Königs und die Regierungsbildung zu monatelangem Stillstand bei den Metro- und Autobahn-Projekten und in Vietnam seien die Behörden nicht in der Lage, Baugenehmigungen zu erteilen.

Fixkosten laufen weiter

Aber auch in anderen Regionen läuft es nicht wirklich rund. Beim Projekt Nordwerft in Russland habe eine Änderung des Bauherren zu längeren Verzögerungen geführt. Der Bau des Skyrise-Towers in Florida habe sich ebenfalls wegen des Bauherren verschoben.

"Die Aufträge haben wir, aber die Fixkosten laufen eben weiter", sagte Bauer-Chef Michael Stomberg dem "Donaukurier". Personal und Maschinen müssten schließlich weiterhin bezahlt werden. Zudem wirken sich die niedrigen Marktzinsen negativ auf das in der Branche übliche Zinssicherungsgeschäft des Konzerns aus.

Vertrauen der Anleger sinkt

Beim operativen Ergebnis (Ebit) sei nur noch ein Wert von 70 Millionen Euro zu erreichen, bisher waren 95 Millionen avisiert. Das Nettoergebnis wird nur noch leicht im Plus liegen, bisher hatte die Firma aus dem bayerischen Schrobenhausen eine massive Steigerung gegenüber dem Vorjahr erwartet. Die Prognose für die Gesamtleistung bleibt unverändert bei 1,7 Milliarden Euro.

Ein Analyst bezeichnete die Gewinnwarnung als große Überraschung. Sie dürfte das Vertrauen der Anleger in das Unternehmen und in die Aktien erheblich belasten, sagte Sven Diermeier vom Analysehaus Independent Research.

Die Papiere sackten bis zum Donnerstagnachmittag um mehr als 21 Prozent in die Tiefe auf den tiefsten Stand seit Ende April. Zwischenzeitlich hatten die Titel rund 24 Prozent und damit fast ein Viertel an Wert verloren.

Jedes Jahr eine Gewinnwarnung

Die hohen Schwankungen mit Blick auf die Ertragsentwicklung von Bauer setzen sich also fort. Zwischen 2009 und 2017 hatte der Konzern aus dem Prime Standard nach Angaben der Analysten von Kepler mindestens einmal pro Jahr sinkende Gewinne in Aussicht gestellt. Ausgerechnet im schlechten Börsenjahr 2018 gab es dagegen keine Warnung.

Die Commerzbank hat das Kursziel für Bauer nach der neuesten Entwicklung von 26,80 auf 18,00 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Hold" belassen. Der Grund für die Prognosesenkung seien kundenverursachte Verspätungen bei Bauprojekten in Fernost, schrieb Analyst Stephan Klepp in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Dies trage in seinem Modell zu einer beachtlichen Kürzung der Gewinnerwartungen für dieses Jahr bei und stimme ihn auch vorsichtiger für die Folgejahre.

Die Gründe für die Prognosesenkung hätten allerdings keine wesentlichen Folgen für die zukünftige Entwicklung des Konzerns, teilte Bauer mit. In Deutschland laufe es besser und es werde mit einem Rekordjahr gerechnet.

Aufwärtstrend gestoppt

Mit dem heutigen Kursrutsch ist nicht nur der seit August laufende Seitwärtstrend mit Kursen um die 20-Euro-Marke erst einmal beendet. Auch die seit Anfang April gelaufene Rally ist mit einem Schlag ausgelöscht. Bereits in den ersten drei Monaten des Jahres hatte die Aktie einen guten Lauf gehabt.

Im Zuge der allgemeinen Markterholung hatte sich der Kurs damit von Anfang Januar bis zum Anfang Juni erreichten Jahreshoch bei 24,75 Euro glatt verdoppelt. Vom Mitte 2008 erklommenen Rekordhoch bei fast 72 Euro sind die Anteilsscheine derweil meilenweit entfernt.

Die 1790 gegründete Bauer Group mit seinen rund 12.000 Mitarbeitern ist ein Anbieter von Dienstleistungen, Maschinen und Produkten für Boden und Grundwasser. Über 110 Tochterfirmen gehören zum Konzern. Im Jahr 2018 erzielte Bauer eine Gesamtkonzernleistung von 1,7 Milliarden Euro.

tb/dpa-AFX